IV. Beigabe f Selg ehe. —
Kaiſer Otto der Große.
Vortrag von Profeſſor Dr. Höfner beim Schlußakt 1870.
Hochzuverehrende Anweſende! Wir Alle, die wir hier anweſend ſind, ſind Zeugen geweſen: vor unſeren Augen iſt ein greiſer, königlicher Feldherr mit Deutſchlands geſammelter Heldenjugend ausgezogen zum heiligen Kampfe gegen den Erbfeind des Vaterlandes: mit wuchtigen, raſch hinter⸗ einander fallenden Schlägen haben ſie Frankreichs Macht zu Boden geſchmettert, Schlachten haben ſie geſchlagen, Siege haben ſie erfochten, wie ſie keines Volkes Geſchichte aufzuweiſen vermag: Schlachten und Siege, die den Führern, wie dem Heere, das dieſe führten, zu unvergänglichem Ruhme gereichen.
Der ununterbrochene Siegeslauf der deutſchen Waffen hat unſer Vaterland zu einem großen Ziele hingeführt: mitten im Herzen des feindlichen Landes iſt die Einheit der deutſchen Stämme be⸗ ſiegelt worden, an derſelben Stelle, an welcher einſt Ludwig XIV. ſeine verderbenſchwangeren Pläne gegen Deutſchland geſchmiedet, iſt das deutſche Reich wiedererweckt worden, in größerer Macht und Herrlichkeit, als je zuvor.
Glücklich, wer eine ſo große Zeit erlebt, glücklich, wer die deutſche Kaiſerkrone in neuem Glanze hat wieder erſtrahlen ſehen!
Wie viele aber unſerer größten Herrſcher, unſerer edelſten Patrioten und vortrefflichſten Staats⸗ männer haben Gut und Blut für die Einheit des Vaterlandes dahingegeben und ſind in die Grube geſunken, ohne auch nur im mindeſten ihre patriotiſchen Beſtrebungen gelohnt, ihre ſehnlichſten Wünſche erfüllt zu ſehen!
Denn nicht erſt in unſeren Tagen oder ſeit den Zeiten der Freiheitskriege iſt in unſerem Volke der Wunſch und das Streben nach nationaler und politiſcher Einigung der deutſchen Stämme er⸗ wacht; nicht erſt die Fürſten und Staatsmänner unſeres Jahrhunderts haben dieſem Streben Aus⸗ druck zu geben verſucht und gegeben: was wir erlebt haben, iſt nichts als die Krönung des Werkes, an welchem mehr denn neun Jahrhunderte gearbeitet haben.
Wir ſind damit an einem Ruhepunkte der deutſchen Geſchichte angelangt, und es ziemt ſich wohl von hier zurückzuſchauen auf die Beſtrebungen, welche auf die Vereinigung und Verſchmelzung der deutſchen Stämme gerichtet waren. Auf die eine, und dann wieder auf die andere Weiſe hat man dieſe ſchwierigſte aller politiſchen Aufgaben zu löſen verſucht, und das Wort des römiſchen Dichters:„tantae molis erat Romanam condere gentem“, könnte mit größerem Fug auf das deutſche Volk bezogen werden.
Ich müßte die Grenzen der mir zugemeſſenen Zeit weit überſchreiten, wollte ich Ihnen die deutſchen Einheitsbeſtrebungen auch nur in flüchtiger Skizze entwickeln. Und wenn ich Ihnen von dieſen Beſtrebungen einen Theil, ſei es die Beſtrebungen eines Mannes oder eines Zeitabſchnittes, vorführen will, auf wen anders muß ſich da vor Allem mein Blick richten, als auf den Mann, auf


