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in einer Versammlung des Lehrerkollegiums mittelst Handschlages zur Erfüllung der übernommenen Ob-
liegenheiten und zur Treue gegen des Königs Majestät verpflichtet.
. 9) Gemäss einer Bestimmung des Herrn Ministers wurde der Unterricht am Mittwoch, den 1. Dezember, wegen der allgemeinen Volks- und Gewerbezählung ausgesetzt.
10) Am 9. und 10. Dezember fiel nach altem Herkommen der Nachmittags-Unterricht wegen des Andreasmarktes aus.
11) Am Montag des 13. Dezember beehrte der vortragende Rath im Königlichen Cultusministerium Herr Geheimer Regierungsrath Dr. Stauder das Gymnasium mit seinem Besuche, nahm während des Vor- mittags in fast allen Klassen und bei der Mehrzahl der Lehrer an dem Unterrichte entweder zuhörend oder selbsteingreifend theil, sprach sich dann in einer Conferenz vor versammeltem Collegium über seine Beob- achtungen und Wahrnehmungen aus, und verbreitete sich hieran anknüpfend über die didaktische Behandlung einiger Disciplinen in einem längeren, höchst anregenden und belehrenden Vortrage.
12) Vom 24. Dezember 1875 bis zum 6. Januar 1876 dauerten die Weihnachtsferien.
13) Der hundertjährige Geburtstag der hochseligen Königin Luise wurde von der Anstalt am 10. März c. festlich begangen. Nachdem sich Morgens 10 Uhr Lehrer und Schüler in der Aula eingefunden hatten, eröffnete der Gesangchor des Gymnasiums die Feier mit dem Vortrage eines passenden Chorales. Darauf entwarf der Geschichtslehrer der Prima Oberlehrer Otto in längerer Rede ein Lebensbild der edlen Fürstin, deren hohe Tugenden er mit warmen Worten pries. Die Peierlichkeit wurde durch Gesang beendet. War die Gedenkfeier an die erlauchte Mutter unseres Kaisers auf den engen Kreis der Schule beschränkt, so begingen wir dagegen das Wiegenfest ihres erhabenen Sohnes am 22. März in Gegenwart eines zahlreich versammelten Publikums nach folgendem Programme:
1. Gesang:„Te deum laudamus“ von Kotzolt. 2. Deklamation: a) August Töpfer aus VIa:„Ziethen“ von Sallet. b) Wilhelm Minor aus VIb:„Mittwoch-Nachmittag“ von Froelich. c) Hermann Alberts aus Va:„Die Weissagung“ von Oebeke. d) Hermann Port aus Vb:„Der Trompeter an der Katzbach“ von Julius Mosen. . Gesang:„Die Himmel erzählen des Ewigen Ehre“, Chor aus der Sehöpfunge von Haydn. Vortrag des Unterprimaners Karl Praechter über das Thema:„Die edeutung der Rütliscene in Schillers Wilhelm Tell“. . Gesang: a)„Lied der Deutschen“, Volksweise von Haydn. )„Macte senex Imperator“ von Kotzolt. 3 Deklamation: a) Ludavig Kleinmann aus IVa:„General von Manstein nach der Schlacht bei Saar- brücken“ von E. Jost. b) Wuhelm Langhans aus IVb:„Zwei Berge Schwabens“ von K. Gerok. Gesang:„Altdeutscher Schlachtgesang“ von J. Rietz. 1 Deklamation: a) Carl Alefeld aus IIIb:„Die Rosse von Gravelotte“ von K. Gerok. b) Adolf Scheid aus IIIa:„Der neunzehnte Juli 1870“ von G. Hesekiel. c) Heinrich Schmitt aus IIb:„Prinz Salm“ von Julie Ludwig. 9. Gesang: a)„Dir möcht' ich diese Lieder weihen!“ von C. Kreutzer. „Des Deutschen Vaterland“ von Gust. Reichardt. 10. Deklamation: a) Ludoig Grein aus IIa:„Der Hornist von Mars la Tour“ von G. Hesekiel. b) Rudolf Wilderink aus Ib:„An Deutschland“ von Em. Geibel. 11. Gesang:„Hallelujah!“ Chor aus dem Oratorium„Messias“ von Händel.
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Hieran schloss sich die Festrede des Gymnasiallehrers Dr. Adam, der nach einer allgemeinen Charakteristik der Sänger der Freiheitskriege und der von ihnen verherrlichten Ideen ganz besonders auf die Lieder des Kaiserheroldes Max von Schenkendorf einging und zeigte, wie dieser prophetischen Blickes geschaut habe, dass aus dem Hause Hohenzollern ein Kaiser erstehen und die verlorenen Provinzen Elsass und Lothringen dem deutschen Vaterlande wiedergewinnen werde. In das Hoch auf Seine Ma jestät den Kaiser und König, welches der Redner ausbrachte, stimmte die Versammlung begeistert ein. Den Schluss bildete das Absingen der Nationalhymne.
14) Zu seinem Bedauern muss der Unterzeichnete an dieser Stelle von mehrfachen Störungen be- richten, die der regelmässige Gang des Unterrichtes im verflossenen Jahre erlitten hat. Zunächst war der Professor Dr. Kirschbaum vom 20. bis 29. April 1875 von hier abwesend, da er, einer höchst


