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Der Oberprimaner Bruno Waas hielt anknüpfend an das zweihundertjährige Jubiläum der Schlacht von Fehrbellin einen Vortrag über das Thema:„Der Tag von Fehrbellin der Vorbote des Tages von Sedan“. Die Festrede hatte der Unterzeichnete übernommen, welcher zunächst unter Widerlegung der dagegen er- hobenen Einwendungen die Berechtigung, Nothwendigkeit und Bedeutung dieser nationalen Feier nachwies und dann in übersichtlicher Schilderung die Ereignisse, welche dem 2. September 1870 vorausgingen und den grossartigen Erfolg ermöglichten, sowie die denkwürdigen Vorgänge des Tages selbst seinen Zuhörern vorführte. Er schloss mit einem Hoch auf den siegreichen Oberfeldherrn der deutschen Heere, in welches die zahlreich Versammelten freudig einstimmten.
8) Das Wintersemester begann am Freitag, den 8. Oktober, mit der Prüfung der neu angemeldeten Schüler, deren 18 in das Gymnasium aufgenommen wurden.
An demselben Tage führte der Direktor zwei neue Lehrer in ihr Amt ein. Nachdem nämlich durch Erlass des Herrn Ministers vom 7. September der Oberlehrer Bogler zum 1. Oktober an das Gym- nasium in Hadamar versetzt war, rückte der bisherige erste ordentliche Lehrer Oberlehrer Dr. Müller in die dadurch vakant gewordene fünfte Oberlehrerstelle ein, wogegen dem Gymnasiallehrer Dr. Flach vom Gymnasium in Hadamar die ordentliche Lehrerstelle des Dr. Müller verliehen wurde. Dr. Flach hat dem Unterzeichneten über sein Leben die folgenden Nachrichten mitgetheilt:—
Heinrich Flach, geboren am 27. März 1838 zu Büdingen im Grossherzogthum Hessen, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und studirte von Herbst 1855 ab zu Giessen Theologie und Philologie. Nachdem er Ostern 1859 das theologische Fakultätsexamen bestanden, ging er auf das Predigerseminar zu Friedberg und verliess dasselbe nach einem Jahre, um sich im Herbste 1860 der Definitorialprüfung für das Predigtamt zu unterziehen. Die bald erfolgte Berufung zum Vicariate musste er, da er sich für das Gymnasiallehrerexamen vorbereitete, ablehnen. Letzteres bestand er im Sommer 1863 und trat im Herbst desselben Jahres am Gymnasium zu Büdingen das vorschriftsmässige Probejahr an. Nach Ablauf desselben an der genannten Anstalt als Hülfs-
* lehrer beschäftigt, wurde er durch landesherrliches Dekret vom 4. August 1865 als ordentlicher Lehrer an das Porrelasuun zu Homburg v. d. Höhe berufen. Im Januar 1868 verlieh ihm die philosophische Fakultät zu Giessen die Doktorwürde auf Grund des von ihm im Jahre 1863 bestandenen Examens in der klassischen Philologie. Im Herbst 1871 an das Königliche Gymnasium zu Hadamar versetzt, war er daselbst thätig, bis er am 1. Oktober 1875 die ihm von der Behörde übertragene Stelle am hiesigen Gymnasium antrat.
Sodann war durch Verfügung des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums vom 5. August der Can- didat des höheren Schulamts Carl Göpel aus Homburg v. d. Höhe als wissenschaftlicher Hülfslehrer dem niesigen Gymnasium zugewiesen worden, damit zum Beginne des Wintersemesters die nöthige Trennung der Quarta durchgeführt werden könne(vergl. S. 28). Derselbe erhielt das Ordinariat der Quarta Cötus B.
Der Schulamts-Candidat F. Schenkheld, welcher mit dem Schlusse des Sommersemesters das vorgeschriebene Probejahr beendet hatte, verliess die Anstalt, um eine Hülfslehrerstelle an der höheren Bürgerschule zu Biedenkopf zu übernehmen.
Zugleich schied der Zeichenlehrer August de Laspée aus dem Lehrerkollegium der Anstalt, an welcher er seit dem Jahre 1842 thätig gewesen war. Schon seit längerer Zeit kränklich und daher oftmals genöthigt, den Unterricht zu unterbrechen, hatte derselbe seine Versetzung in den Ruhestand erbeten, die ihm„unter dem Ausdrucke des Dankes und der Anerkennung für seine vieljährigen den beiden Gymnasien geleisteten erfolgreichen Dienste“ von der Behörde zum 1. Oktober bewilligt wurde. Leider war es während des verflossenen Winters nicht möglich, die Stelle wieder zu besetzen, weil die Verhandlungen über die Höhe des Gehaltes, welches dem neu zu berufenden Zeichenlehrer gewährt werden solle, sich sehr lange hinaus- zogen, und da sich im Lehrerkollegium Niemand befand, der das Fach vertretungsweise hätte übernehmen können, so musste dieser Unterrichtszweig im Wintersemester gänzlich ausfallen; doch wurden einige Stunden zu Repetitionen anderer Lehrgegenstände benutzt. Hoffentlich wird die Angelegenheit durch baldige An- stellung einer geeigneten Lehrkraft demnächst einen befriedigenden Abschluss finden.
Endlich erfolgte noch eine weitere Personalveränderung im Laufe des Wintersemesters, indem an Stelle des zu Neujahr ausscheidenden Kaplans Hilpisch seitens des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums unter Zustimmung des Herrn Ministers der katholische Geistliche Hermann Wedewer aus Frankfurt
a. M., bis dahin Priester der Diözese Münster, mit Ertheilung des katholischen Religionsunterrichtes provi-
sorisch beauftragt wurde. Derselbe wurde am 4. Februar c. durch den Direktor in sein Amt eingeführt und


