Aufsatz 
Das doppelte Motiv im Freiermord oder der ursprüngliche Schluss der Odyssee / von Adam
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20

tragen könnten, und verheisst dem Bettler für den Fall des Gelingens Kleider, Waffen und Entsendung ¹). In diesem Stücke sind 334 f., worin auf die Erzählung des Odysseus vor Penelope angespielt ist ²), um so mehr spätere Einschaltung, als in zwei Handschriften die Verse versetzt sind, und auf 335 erst 334, dann 333 folgt. Auch die Einmischung des erwachsenen Telemach ³), der seine Mutter wegschickt und die Viel- heit der Freier betont, sind, zumal da 350 353 und 354 f. aus I, 356 359 und 360 f. wiederholt werden, fremde Zuthat. Ursprünglich folgten auf 274 333 erst 336 342; dann 356 359; aber auch 360 378, in welchen wiederholt dem Bettler der Bogen verweigert wird, bis Telemach dem Eumäus mit Gewaltmassregeln droht), sind unecht; denn jener zeigt sich als Herrn des Hauses, und der Gedanke von 359 ist in 378 wiederholt; auch hat Penelope ja die Sache entschieden, und so musste auf 359 sofort 379 folgen.

Der Schuss gelingt allein dem rechtmässigen Könige, und dessen Diener beeilen sich, seinen Anord- nungen bezüglich der auszuführenden Bestrafung der Freier nachzukommen ⁵5). Noch macht der Dichter gemäss der einfachen Ausführung des ersten Motivs in 417 f. darauf aufmerksam, dass die Achäer durch die übrigen Pfeile fallen sollten. Zum Schlusse lässt er den Helden dem Telemach einen Wink zum Beginne des Kampfes geben, weshalb sich dieser rüstet; demnach beruhen 431 434 auf dem Einschube der Er- kennungsscene und sind nicht ursprünglich.

Die Verse 17 des 22. Gesanges erzählen mit vielem Geräusche die Vorbereitungen des Helden zum Kampfe. Auf die Anrede an Telemach in XXI, 424 430 folgte sofort der Schuss auf den Antinous in XXII, 8 ff., der nicht das geringste von dem Vorhaben des Bettlers ahnt), obgleich die Vorbereitungen und die Worte von 17 etwas Aussergewöhnliches ankündigen. Im Folgenden sind 31 33), sowie 41 wegen der Viel- heit der Freier und 37 deshalb eingeschoben, weil letzterer wegen des Bεαςα πμπα εενυναςεα Oεᷣᷣ et den früheren Stellen, nach denen die Dienerinnen mit den Freiern einverstanden sinds), widerspricht und in nicht weniger als 10 Handschriften versetzt ist.

Der König hält den Frevlern als ihre Schuld vor, dass sie sein Eigenthum ersatzlos verprasst und zu seinen Lebzeiten um sein Weib gefreit hätten. Er weiss also nichts von einem Hinterhalte, den dieselben seinem Sohne gelegt haben sollen, noch auch von Geschenken, und dass es sich um die Erwerbung der Königswürde handelte, erhellt aus der Antwort der Freier selbst, besonders aus 52. Der hinzugefügte Vers 53 ist völlig sinnlos; Antinous war, wenn er auch Urheber der Gelage war, doch nicht der einzige Bewerber und nicht der einzige, der Telemach nach dem Leben getrachtet hatte, und insofern ist aerde unhaltbar. Und dass nur Ithakesier als Freier aufgetreten waren, beweist der Wortlaut von 54 59. Auch geht der be- leidigte Gatte in seiner Erwiderung gar nicht auf jene Rechtfertigung ein und gedenkt auch darin nicht des Hinterhaltes; sie sollen ihm für die grobe Verletzung von Recht und Sitte büssen.

Es ist schon danach klar, dass 89 115, in welchen der Fall des Dulichiers Amphinomus durch Telemach geschildert wird), und letzterer Waffen, vier Schilde, acht Lanzen und vier Helme herbeischafft ¹⁰), der Erkennungsscene angehören. Während aber der Sohn einen einzigen Mann tödtet, fallen die Gegner durch des Vaters Pfeile massenweise, roi d'αeιοπινοοι παιπααο Warum beginnen nicht alle vier Männer zu- sammen den Kampf gegen die vielen Freier? Weil der Eindichter den Umstand, dass die Pfeile, durch welche die Gegner nach XXI, 417 f. fallen sollten, zur Neige gingen, benutzte, um diese in Gegensatz zu anderen Waffen zu setzen. Daher und weil den Freiern auch Waffen verschafft werden mussten, beginnt der Massenkampf erst 261 f. Echt sind demnach 54 88 und 116118. Auf diese Verse folgt der grosse Einschub 119 329, worin der Massenkampf geschildert wird.

¹) 274 312. ²) XIX, 162 fl. ³) Vergl. 343(nenνενos), 344 fl., 368 ff.) 368 fl.) 378 fl. ³) XXII, 9 fl. ¹) Vergl. Schol. z. St. u. Eustath. 1917. 55 ff.) XXI, 6 ff., XXII, 310 ff., vergl. XVIII, 321 ff.) Derselbe ist von langer Hand vorbereitet, vergl. XVIII, 155 ff. ¹⁰) Wie vermochte er diese zu tragen? Vergl. Aristarch zu 144 f. bei La Roche A. cr. u. Eustath. 1921, 56.