Aufsatz 
Das doppelte Motiv im Freiermord oder der ursprüngliche Schluss der Odyssee / von Adam
Entstehung
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Jener trifft zwar mit dem Kuhfusse nur einen Balken, allein Telemach erklärt, da er erwachsen sei, nicht mehr solchen Unfug dulden zu wollen ¹). Dass wir directe Ausflüsse des zweiten Motives vor uns haben, ergibt sich auch daraus, dass 316 319 aus XVI, 107 109 wiederholt sind. Es bleiben somit als ur- sprünglich übrig 250 254 und 276280.

Endlich fordert Agelaus die Zechgenossen auf, die Misshandlung des Fremden und der Diener auf- zugeben und schlägt unter deutlichem Hinweis auf den Tod des ithakesischen Königs der Mutter Telemachs vor, den zu heirathen, der ihr die meisten Geschenke gebe, ihr Sohn solle die Königswürde und sein väter- liches Erbgut behalten ²). Dieser aber, der das Schicksal seines Vaters als ein ungewisses betrachtet5), weigert sich, seine Mutter aus dem Hause zu stossen), will aber, wenn sie freiwillig geht, ihr Geschenke geben). Darauf lüsst Athene das Mene, Thekel, Upharsin für die Freier erscheinen, und Theoklymenos fühlt sich berufen, den Freiern das Bild der künftigen Bestrafung vorzuhalten; diese aber verlachen ihn als einen Narren 6). Auch Telemach wird, weil er mit seinen Gästen entschiedenes Unglück hat, die Ziel- scheibe ihres Spottes; doch ohne ein Wort zu entgegnen, blickt er seinen Vater an, ob er bald das Zeichen zum Kampfe geben werde ²7). Penelope, welche der ganzen, eben geschilderten Scene im Nebengemache bei- gewohnt hatte, lässt alles ruhig über sich ergehen s). Die Andeutungen über die Misshandlung der Fremden, die Geschenke der Freier, die Erscheinung des lange vermissten Theoklymenos, der verständnissinnige Blick, den Telemach mit seinem Vater wechselt, und die stete Rücksichtnahme auf die Telemachie, beweisen, dass die ganze Stelle 281 394 dem Verfasser der Erkennungsscene angehört.

Im 21. Buche reift allmählich die Entscheidung heran. Athene ist es hier, die Göttin der Klug- heit, welche der Gattin ihres Schützlings den Rath gibt, den Wettkampf zu veranstalten. Als die beiden Hirten Eumäus und Philötius den Bogen ihres Herrn erblicken, fangen sie an zu weinen, weshalb sie Antinous vor die Thüre weist 9). Wie oben bemerkt, ist der Vers 85, worin auf den ländlichen Wohnsitz der Hirten hingewiesen wird, spätere Zuthat und schon wegen der doppelten Anrede verdächtig ¹⁰). Telemach fordert alsdann auch seinerseits die Freier zum Wettkampfe auf und will, wenn es ihm gelingt, den Bogen zu spannen, seine Mutter bei sich behalten 1¹¹). Er betrachtet also, obgleich er nicht zu den Preiern zühlt, das Gelingen seines Vorhabens als Mittel, seine Mutter jenen zu entreissen. Doch der Versuch misslingt, und sein Vater gibt ihm einen Wink, von weiteren abzulassen¹²), so dass 98 139 dem Einfüger der Erkennungs- scene angehören müssen. Echt sind also 1 84, 86 97. Der Aufforderung des Antinous, den Bogen zu spannen, will Leiodes, der das kommende Verderben ahnt, nicht nachkommen und räth, mittels der Geschenke ein anderes Weib zu umwerben ¹³). Jener aber tadelt ihn und heisst den Melanthius Feuer anzünden ¹¹⁴), dessen oben ¹⁵) nicht gedacht und das schon nach XX, 252 und 279 längst vorhanden ist. Auch hier er- hellt es, dass der Einschub 144 183 spätere Zuthat ist, zumal 184 sich vortrefflich an 140 143 anschliesst.

Während die Freier den Bogen zu spannen suchen, gibt sich Odysseus draussen den beiden treuen Hirten zu erkennen, überzeugt sie von der Idendität seiner Persönlichkeit mit dem ithakesischen König durch die Fussnarbe und ertheilt ihnen Verhaltungsmassregeln ¹⁶6). Eurymachus schämt sich, dass er sich vergeblich abmüht, weshalb Antinous vorschlägt, den Wettkampf bis zum folgenden Tage wegen des Festes zu ver- schieben¹⁷). Die Erwähnung des Melanthius und die grössere Zahl der Herolde und Diener beweisen, dass das Einschiebsel 263 273 Eigenthum des Verfassers der Erkennungsscene ist. Als mm Odysseus seine Kraft versuchen will, wollen die Freier es nicht gestatten, aus Furcht, der Bettler möge sie beschämen; doch Penelope meint, dass sie wegen ihres Treibens im Königspalaste auch noch diesen Schimpf ruhig

¹) 303 fl. ²) 321 337. ³⁵) 340, vergl. II, 131 f. ³) 343 f., vergl. II, 130 f. ³) 341 f. ³) 345 372. *) 373 386. ³) 387 fl.) XXI, 1 97. ¹0) Vergl. Düntzer 2. St. ¹¹) 101 117. ¹²) 128 f. u) 144 166. ¹¹) 167 185. ¹8) 140 143. ¹⁶) 184 241. ¹¹) 245 268.

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