Aufsatz 
Das doppelte Motiv im Freiermord oder der ursprüngliche Schluss der Odyssee / von Adam
Entstehung
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Gatten, der sie soeben ihm Traume berückt hat. Sie klagt laut und beim Nahen des Morgenroths hört auch der erwachte Odysseus seine Gattin jammern ¹). Auf seine Bitten sendet ihm Zeus ein für seine Unternehmung günstiges Zeichen. Nur 12 Dienerinnen mahlen Getreide für die nach dem zweiten Motive so grosse Haushaltung des Odysseus und ausserdem schlafen dieselben im Hause ²). Als Telemach sich am Morgen nach der Verpflegung des Bettlers erkundigt, antwortet ihm Euryklea in Worten, die der Wahrheit wenig entsprechen ³), während Odysseus früher einen anderen Grund angegeben hatte, weshalb er ein ordent- liches Bett ablehne 4). Es erhellt daraus, dass zwar 56 121 ursprünglich, dagegen 122 146 5⁵), in welchen sich Telemach auch als Herrn des Hauses zeigt, Zuthat des Einfügers der Erkennungs- scene sind.

Mit 147 beginnt die Vorbereitung zu einer würdigen Feier des Apollofestes. Obgleich schon die Mägde die gewöhnlichen Dienste leisten), und die Freier sonst sogar selbst schlachten), sollen nach 160 die Diener derselben erschienen sein, um Holz zu spalten. Der Halbvers 160 hat durch die Einführung des zweiten Motives mittels der Dienerschaar eine gewaltsame Veränderung erlitten. Er lautet heute:

d'⁵ν˙ν νσm ρμι⁵( αι⁶.

Aber vier Handschriften bieten uynoriges und dreizehn dνoges statt Axανν 8), gewiss der deutlichste Beweis für die Verstümmelung der Leseart im Interesse der Vielheit der Freier und für die ursprüngliche Fassung νπναοοωοQ˖Q̃iabvno oeς ³eννννpes, die vortrefflich in den von uns herzustellenden Schluss der Odyssee passt. Nach der Aenderung der Leseart treten die Freier erst 241 nach einer abermaligen, sehr unglücklichen Berathung über die Ermordung Telemachs, welche durch Amphinomus aus Dulichium abgebrochen wird, ein.

Eumäus erscheint mit drei Ebern und fragt den Odysseus, ob ihn die Freier noch missachteten wie vorher 9). Er denkt dabei an den Wurf des Antinous 1¹⁰), den er nicht etwa nach der jetzigen Erzählung der Odyssee durch Zufall gesehen hatte, sondern den er nach der älteren Fassung sehen musste, weil er, wie oben bemerkt wurde, und wie es durch 253 ff. bestätigt wird, im Palaste des Odysseus lebte. Auch Melanthius erscheint wieder einmal, verspottet den Bettler und droht ihn zu schlagen, worauf dieser nichts erwidert. Er gehört wie der Einschub 172 184 dem zweiten Motive an, was sich auch daraus ergibt, dass Philötius alsdritter hinzugetreten sein soll, während thatsächlich doch Odysseus, Eumäus und Melanthius da waren, folglich jener als vierter gekommen sein musste.

Philötius ist auch über das Schicksal seines Herrn im Unklaren. Er weiss noch nicht, ob dieser wiederkehren wird ¹¹); doch er hat noch Hoffnung, sonst wäre er längst davon gegangen. Die Verse 217 221 widerstreiten dieser Hoffnung und sind deshalb zu entfernen ¹²). Es bleiben demnach als ursprünglich 185 216, 222 240.

Die Berathung der Freier, 241 249, deren Ort nicht einmal angegeben wird, haben wir schon oben bei 160 verworfen. Ebenso muss 255 f. getilgt werden, sowohl weil Melanthius dem zweiten Motive angehört, als auch weil ja Eumäus das Amt des Mundschenken versieht ¹³). Auch 257 275 gehören dem- selben Verfasser an; denn mit Rücksicht auf die Verabredung mit seinem Vater ¹4) weist Telemach diesem einen Sitz an und mahnt die Freier, den Bettler nicht zu behelligen, worauf ohne Noth Antinous ihren Mordanschlag verräth. Endlich beweisen noch 279 f., dass 255 275 eingeschoben sind, weil erst hier das Mahl beginnt. Auch Odysseus erhält seinen Theil, und damit es während des festlichen Mahles nicht an Kurzweil fehle, stiftet Athene den Ktesippus aus Same an, den Bettler zu beschimpfen ¹⁵).

¹) 91 f. ²) Vergl. 109 f., 147 ff., vergl. dagegen 6 ff. ³) Zu 136 139, vergl. XIX, 317 ff.) XIX, 337 ff. ) Vergl. Düntzer zu 146. ³) 149 ff.*) 250 252= XVII, 179 181. ³) La Roche V. L. ¹⁹) 162 ff. ¹⁰) XVII, 412 ff. ¹¹) 205 ff., 222 ff. ¹²) Vergl. Düntzer zu 222. ¹³) 253, vergl. 255. ¹⁴) 257 ff. ¹³) 281 fl.