Aufsatz 
Das doppelte Motiv im Freiermord oder der ursprüngliche Schluss der Odyssee / von Adam
Entstehung
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In theilweise entlehnten Versen schildert Penelope das Treiben der Freier ¹) und stellt auf die Nachricht des Hirten hin die Möglichkeit einer Rückkehr ihres Mannes nicht in Abrede ²), wie es das zweite Motiv erlaubt. Telemach beniest ihre Worte, und sie schliesst daraus, dass der Untergang allen Freiern ob⁊. AreAie sein werde ³) und zwar, dass Vater und Sohn vereint die Rache vollziehen würden). Der Bettler fürchtet die Misshandlungen der Freier und will deshalb nicht erscheinen 5). Eumäus entfernt sich endlich, nicht ohne den Telemach vor der feindseligen Gesinnung der Freier zu warnen). Dieser verlässt sich jedoch auf die Hülfe der Götter. Wichtig endlich und für die missglückte Einfügung der Stelle zeugend ist es noch, dass gegen Abend sich Eumäus entfernt haben), und doch erst viel später, nach dem Kampfe der beiden Bettler und dem Auftreten Penelopes, der Abend hereingebrochen sein solls).

Denken wir uns aber diese Stelle 489 606, welche dem Gedichte des zweiten Motives und der Er- kennungsscene entspricht, weg, so wird der Widerspruch zwischen dem Auftreten des Eumäus am Apollofeste, an welchem er die drei Eber selbst bringt und die Freier bedient?), und seiner Behauptung, dass er nur auf Befehl in der Stadt erscheine ¹⁰), noch grösser. Der Einfüger der Telemachie hat die Person des Eumäus, der nach dem echten Schlusse Hausdiener war, benutzt, um durch Versetzung desselben auf das Land eine Hand- habe zur Verknüpfung der Telemachie mit dem Schlusse der Odyssee zu erhalten. Der Beweis für diese Be- hauptung liegt, abgesehen davon, dass die Telemachie in einem entschiedenen Gegensatze zu den Motiven und Attributen der beiden andern Gedichte steht, der durch Einführung Athenes, durch Eindichtung des Hinterhalts und Verlegung des Wohnsitzes des Eumäus auf das Land, gemildert werden sollte, der Beweis, sagen wir, liegt in jenem obenerwähnten Widerspruche, in der Schilderung der neuerbauten Hütte des Hirten ¹¹) und in dem bereits IV, 639 f. geschehenen Hinweis auf jene Wohnung des Eumäus, wodurch die Absicht des Einfügers sich deutlich ausspricht. Aus demselben Grunde ist auch XXI, 85, den Düntzer wegen der doppelten Anrede entfernen will, hinzugefügt:»irοα οαταα, ꝙςαια ovovres, und so droht Telemach XXI, 369 f., den Hirten auf das Land zu jagen, weil sein Wohnsitz daselbst absichtlich betont werden sollte. Der grosse Einschub 489 606 dient mit dazu, jenen Widerspruch zwischen dem Aufenthalte des Eumäus am Apollofeste bei den Freiern und seinem ständigen Wohnsitze auszugleichen.

Odysseus wird durch die Schilderung des 18. Buches bezüglich seines Charakters noch niedriger gestellt. Er erscheint als ein gemeiner, komõödiantenmässiger, habsüchtiger Bettler. Im Streite mit Iros verliert er die noch dem Melanthius gegenüber bewiesene Selbstbeherrschung gänzlich. Er droht ihn plutig zu schlagen ¹²) und erklärt, des Hungers wegen gerne Schläge erdulden zu wollen ¹³),! Telemach unterstützt ihn durch seine Autorität, und Athene stählt seine Kraft für den Kampf ¹⁴). Die Diener der Freier treiben den widerstrebenden Iros zum Kampfe. Odysseus schlägt ihn blutig, schleppt ihn an den Füssen zur Thüre hinaus und setzt ihn dort als Scheuche für Schweine und Hunde mit einem Stabe in der Hand hin. Die Freier haben an dem widerlichen Vorgange ihre Freude ¹⁵), und Odysseus wird von Antinous mit einem Ziegenmagen belohnt ¹6). Wenn hier Telemach als erwachsen gilt, und Amphinomus aus Dulichium, dessen Abkunft Odysseus sehr wohl kennt ¹⁷), diesem freundlich zutrinkt, so erkennen wir daraus, sowie aus der ge- meinen Gesinnung und dem gewöhnlichen Benehmen des Helden, dass auch dieses Stück dem Gedichte des zweiten Motives angehört. Dazu kommt noch, dass er den Dulichier vor dem nahenden Verderben warnt ¹⁸), welches dieser selbst ahnt ¹⁹); denn Athene fällt ihn durch Telemachs Hand ²⁰), so dass an dem Ursprung der Stelle nicht der geringste Zweifel aufkommen kann.

Es folgt nun ein grösseres Stück 158 303 völlig im Geiste des zweiten Motives gehalten. Athene

¹) 534 538= II, 55 59. ²) 528 ff. ³) 544 ff.) 539 f.) 564 ff., 580 f.) 593 ff.*) 599, vergl. 606. ³) XVIII, 304 ff., vergl. 408, 418 f., 425 ffl.) XX, 253 ff. ¹⁰) XIV, 372 f. ¹¹) XIV, 7 ff. ¹²) XVIII, 20 ff. ¹²³) 52 ff. ¹4) 60 ff. bes. 69 f. ¹⁵) 99 f. ¹⁰) 118 f., wobei der an sich geringfügige Widerspruch mit 44 f. nicht zu betonen ist. ¹¹) 125 ff. ¹) 143 fl. ¹³) 153 f. ²⁰) 155 ff., vergl. XXII, 89 fr.