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Mordgedanken abzulassen und vorerst die Götter um Rath zu fragen, wird angenommen, und so die Ent- scheidung vertagt ¹). Befremdend muss es daher erscheinen, dass Medon dennoch Penelope in Schrecken setzt, die deshalb herbeieilt und dem Antinous eine Strafrede hält, weil er ihren Sohn tödten wolle ²). Sie wirft ihm ferner vor, dass er die Schutzflehenden nicht achte ³), wofür sich kein Beleg findet. Die Be- rufung auf einen noch nicht dagewesenen Vorfall, so wie der Umstand, dass trotz der Bevorzugung des Amphinomus wieder Eurymachus sich als Hausfreund aufspielt, mit der Zwecklosigkeit der ganzen Scene zusammengehalten, beweisen, dass sie eine spätere, dem zweiten Gedichte entnommene, einen nochmaligen Aus- gleich bezweckende Zuthat ist 4). Zum Schlusse wird berichtet, dass Eumäus gegen Abend aus der Stadt zurückgekommen sei.
Am folgenden Morgen erhebt sich Telemach, greift zur Lanze und beauftragt den Eumäus, der Verabredung gemäss den Bettler in die Stadt zu führen ⁵5). Auch hier tritt durch die Erwähnung der Lanze die Zusammengehörigkeit der Theoklymenosscene mit derjenigen, worin sich Vater und Sohn erkennen, klar hervor. Die Antwort des Odysseus auf die Worte Telemachs passt ebensowenig, wie jene im 15. Buche 90 ff. zu dem Vorhergehenden ⁶). Dagegen entsprechen die Verse XVII, 16— 21 sehr wohl den abrathenden Worten Telemachs in XVI, 68— 89. Da nun in dieser Erkennungsscene, welche auf das engste mit den Stellen, worin Theoklymenos auftritt, zusammenhängt, die mannigfachsten Widersprüche mit den früheren und späteren Vorgängen zum Vorschein kommen, so tragen wir kein Bedenken, XVI, 90— XVII, 15, sowie XV, 36— 42 als Zuthat eines Eindichters zu bezeichnen, der durch Angabe der grossen Zahl der Freier den Massenkampf vorbereiten, die Untreue der Diener und Dienerinnen sowie deren Bestrafung einführen und die Misshandlung des Odysseus, welche öfter von Athene veranlasst wird, und des Telemach erfolglose Mahnreden begründen wollte. Damit verschwinden alle Ungereimtheiten, der Widerspruch zwischen dem Vorsatze Telemachs, am Abende desselben Tages vom Lande zurückzukehren, und dem thatsächlichen Bestande der Erzählung, der unmotivirte Hinweis des Odysseus auf die Misshandlung der Fremden und Dienerinnen, der Widerspruch in den Handlungen Athenes, der Hinweis auf die unmotivirte Untreue der Diener und Mägde, der Streit wegen der Farbe des Haupthaares des Odysseus, die bestimmt auf 108 angegebene Zahl der Freier, die später nur 20 betragen haben soll; es verschwinden aber auch die Theoklymenosscene und alle jene Stellen in den fol- genden Büchern, die sich irgendwie auf die Erkennungsscene, auf die Vielheit der Freier und die zwischen Vater und Sohn geschehene Rücksprache beziehen: und wir erhalten in dem neuen Schlusse der Odyssee jene Ausgabe des Aristoteles ¹), nach welcher Odysseus Aeανοερσας TIvA Ardc reSeeoe rde een, rode J'?ISgode iscSerger. Es ergibt sich hierbei wieder, dass das Eingreifen Athenes nicht ursprünglich ist, und dass durch sie der Dichter die Einfügung grösserer Stücke vermittelte. Die Scene selbst ist, weil Vater und Sohn als Rächer zusammengefasst werden, mit Rücksicht auf die Telemachie und die Attribute des zweiten Motives verfasst.— In Folge dessen fallen auch XVII, 22— 25 weg, und Vers 26 schloss die Scene, worin der Aufenthalt Tele- machs bei Eumäus geschildert war, da hier in 27— 30 der Lanze Erwähnung gethan, und in den Worten 2⁴αα ιαννοπάνοοο cöxevey auf die Verabredung mit dem Vater hingewiesen wird.
Dass auf 26 die Begrüssung zwischen Mutter und Sohn s) erfolgen würde, war nach der Schilderung im 4. Buche 675 ff. zu erwarten. Der Dichter weiss nichts von der Untreue der Dienerinnen ⁹), und die Erzählung fliesst mit Ausnahme der von Theoklymenos handelnden Einschiebsel ¹⁰) ruhig dahin. Das Referat gibt der Dichter mit denselben Versen in 124— 141= IV, 333— 350 und 142— 146= IV, 556—560. Dagegen müssen 45— 106 und 150— 165 aus verschiedenen Gründen als sehr später, selbst dem Dichter
¹) XVI, 394 ff. ²) 409 ff., besonders vergl. 431 fl. ³) 422. ⁴) Vergl. Düntzer zu 450. ⁵) XVII, 6 ff. *) Vergl. Düntzer Schulausg. zu XVII, 18 f.*) Aristot. Poet. cap. XVII. ⁸) 31— 44, 107— 149.°) 33 ff. ¹1) 45— 106 u. 150— 165..


