— 8—
tritt. Um die Erkennungsscene zwischen Vater und Sohn zu ermöglichen, wird Eumäus entfernt; sie wider- spricht ebenfalls der ganz bestimmten Weisung Athenes 1) und dem Rathe Agamemnons ²). Endlich liegt in dem Auftrage, dass der Hirt Penelope allein ihres Sohnes Rückkehr melden solle, den Hinweis auf den Hinterhalt der Freier und der Keim zu neuen Verwickelungen nach dieser Seite 3³).
Als Eumäus sich entfernt hat, erscheint Athene, um Odysseus in einen jungen, hübschen Mann zu verwandeln. Telemach erkennt im Gegensatze zur Telemachie ⁴) hier die Göttin nicht, und die Hunde, welche den Odysseus anfallen ⁵5), den Telemach umwedeln ⁶), fliehen hier vor der Majestät der Gottheit er- schreckt davon 7). Der Odysseus ertheilte Befehl Athenes, dem Sohne sein Vorhaben mitzutheilen ⁵), wider- spricht ihrer eigenen Anordnung ⁹), wie oben bemerkt, auch die Berathung zwischen Vater und Sohn ist überflüssig, weil Athene früher die Verwandlung des Helden in einen Bettler zur Ausführung der Rache für genügend erachtet. Wollte man endlich auf den Wortlaut Nachdruck legen, so müssten Vater und Sohn zusammen in die Stadt gehen ¹⁰). Durch Athenes Zauberstab wird aus dem unansehnlichen Greise ein blühender Jüngling mit gesunder Gesichtsfarbe und dunklem Barte. Da er nach dem Wortlaute von 175 dν ϑ eαυανmηροπιςαι σιυνε, also sein früheres Aussehen wieder erhielt, so müsste auch die Farbe seiner Haare dieselbe geblieben sein. Diese sind nach VI, 230 ff.= XXIII, 156 f. kraus und dunkel, nach XIII, 399 und 431 blond. Nach der jetzigen Leseart in 176 ævdvecr'ενεεε̈νοντο eerddeg Aꝓ† Tverov würde des Odysseus Bart nur dunkel gewesen sein, was sich noch mit den übrigen Stellen zur Noth vereinigen liesse, da die Farbe des Bartes von der des Haupthaares oft verschieden ist. Nun bieten aber zwei Handschriften Seidds für peverddes und eine aναιρρν tᷣeçzryd 1¹), wodurch sich der Sinn wesentlich dahin ändert, dass„sein Haar um die Kinnbacken“, d. i. die Wangen, also das Haupthaar dunkel war. Diese offenbar allgemein anerkannte Leseart¹²) soll nach Schol. zu Theokrit. I, 34 schon von Aristoteles, nach Lehrs Aristarch, pag. 50, von Aristarch in evdde« geändert worden sein ¹³), Die Ausgleichsbestrebungen der Alexandriner geben diesen eher das Anrecht auf die Urheberschaft der Aenderung als dem häufig in seinen Citaten von den homerischen Versen abweichenden Aristoteles. Wir brauchen übrigens uns nicht einmal so fest an die ursprüngliche Leseart eSerοα˙ε ανιρρ ſεve anzuklammern, da ja in dem Stücke genug Auffallendes hervorgetreten ist, was die Erkennungsscene in einen schroffen Gegensatz zum Vorhergehenden setzt.
Die ganze Scene selbst ist ihrer Anlage nach schwach. Ein die Erkennung zwischen Vater und Sohn vermittelndes Zeichen wie später den Hirten und Euryklea gegenüber die Narbe am Fusse des Helden oder seinem Weibe gegenüber das künstlich gefertigte Lager gibt es nicht; der Sohn muss sich durch das Wunder der Verwandlung allein überzeugen lassen. Odysseus will auf Athenes Rath in des Eumäus Be- hausung gekommen sein, um sich mit seinem Sohne über den Mord der Freier zu berathen ¹⁴). Dies ent- spricht nicht der früheren Darstellung, wie schon zu 167 ff. bemerkt wurde; ebensowenig hält Athene noch andere Bundesgenossen für nöthig ¹⁵). Telemach glaubt, dass der Kampf zwischen ihnen beiden einer- und der grossen Zahl der Freier andrerseits, deren er 52 aus Dulichium mit 6 Dienern, 24 aus Same, 20 aus Zakynthos, 12 aus Ithaka nebst 2 Dienern und dem Herold Medon und dem Sänger Phemios, im ganzen 108 nebst 8 Dienern aufzählt, unmöglich sei, weshalb sein Vater auf die Hülfe Athenes und des Zeus hinweist ¹6). Es werden nun XIX, 535 ff. zwanzig Preier aus Ithaka angegeben, die selbst am Apollofeste von den Hirten
¹) XIII, 307 ff., 335 f., 397 f. ²) XI, 440 ff., 454 ff. ³) 133 f. ⁴) Vergl. I, 319 ff., 420, II, 260 ff., 372 ff. 393 ff., III, 12 ff. etc. ⁵) XIV, 29 ff. ⁶) XVI, 4 ff.*⁷) 160 fr. ⁵) 167 ff. ⁹) XIII, 307 ff. vergl. Anmerkung 1. ¹⁰) 169 f. de d αμννετπηοσσ‿ꝙeναoeν ν νπον μοαον ko,oy noorl doν π᷑έο⁴2ντον ¹¹) Vergl. La Roche V. L. und Eustathius 1798, 63 u. 1799, 19 ff. ¹²) Eustath. sagt 1798, 63 ausdrücklich Nvεεεςεςσ⁷ 8ενεαes, lässt also die Wahl. ¹³) Vergl. La Roche adn. cr. zur Stelle, Hom. Textkr. S. 25. ¹⁴) XVI, 233 ff. ¹) XIII, 386 ff. vergl. 392 ff. ¹⁸) 260 ff.


