Aufsatz 
Das doppelte Motiv im Freiermord oder der ursprüngliche Schluss der Odyssee / von Adam
Entstehung
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ist, dass dieser erst jetzt seine Sohlen untergebunden haben soll, und seine Gefährten, die schon nach 549 an den Rudern sassen, erst später die Taue gelöst und das Schiff vom Lande abgestossen haben sollen ¹)..

In der Frühe desselben Tages, an welchem Telemach gelandet war, verfügt er sich, um nach den Hirten und Ländereien zu sehen ²), zunächst zu Eumäus, dessen Hunde ihn im Gegensatze zu seinem Vater freundlich umwedeln ³). Obgleich das Frühstück nach Vers 2 schon vorüber ist, so soll doch Eumäus noch mit dem Mischen des Weines beschäftigt gewesen sein 4). Wie XIV, 34 die Lederstücke, so entfallen ihm hier vor freudigem Schreck die Gefässe, und er begrüsst den heimkehrenden Herrn aufs herz- lichste, um so inniger, da dieser sonst mit den Freiern verkehrt und sich nicht häufig auf dem Lande plicken lässt 5). Diese Behauptung widerspricht der Darstellung in IV, 639 f., und Telemach kommt auch nicht zu Eumäus, um nach einer etwaigen Wiederverheirathung seiner Mutter zu fragen 6). Die ganze Stelle 13 40 ist, weil in ihr, wie auch in XV, 508 557 die Lanze erwähnt wird ¹), um so mehr spätere Zuthat, als 12 ff. eine schwache Nachahmung von XIV, 33 ff. enthalten. Nach dem Plane des Einfügers der Telemachie in die Odyssee wusste Eumäus nichts von der Fahrt des Königssohnes nach Pylos.

Nachdem in der grossen Scene, welche den Aufenthalt des Odysseus bei Eumäus beschreibt, durch den Parallelismus der Handlungen, durch die Erklärungen Athenes, durch die Verwandlung der zwei Adler in einen, durch die Ungewissheit des Schicksals des Helden ein Uebergang zu der einfacheren Darstellung der späteren Gesänge gewonnen ist, tritt noch einmal das zweite Motiv in allen seinen Attributen mit denen des ersten gemischt hervor. Telemach, welcher den Taphierkönig Mentes wie ein Herr und Gebieter empfangen und bewirthet hat 8), weigert sich hier, den Bettler in sein Haus aufzunehmen, weil er selbst noch jung und schwach, und seine Mutter unentschlossen sei, ob sie bei ihm bleiben oder dem ihre Hand reichen solle, der ihr die meisten Geschenke gebe. Und zwar weigert er sich aus Fürsorge für den Fremden, damit dieser nichts durch die Ueberzahl der Freier und deren Frevelthaten zu leiden habe?). Da nun Telemach nach der Darstellung der Telemachie überhaupt als erwachsen gilt, und das dem zweiten Gedichte zu Grunde liegende Motiv, dessen Attribute in diese Stelle verwoben sind, ebenfalls darauf sich stützt ¹⁰), 80 ist hier der Hinweis auf die Jugend und Schwäche des Jünglings eine etwas fremdartige Erscheinung und deutet in der Vermischung der Attribute auf Ausgleichungsversuche in den Gegensätzen hin.

Die Antwort des Odysseus, für den es sich einzig und allein um den Gang nach der Stadt handelt, passt nicht zur Rede Telemachs. Unter Anspielung auf das Erwachsensein des jungen Mannes¹¹), fragt er plötzich mit den Worten Nestors ¹²) nach dem Grunde der häuslichen Unordnung und erwähnt dabei, dass Odysseus sich umhertreibend, selbst kommen könne. Indem er erklärt, dass er es allein versuchen würde, dem Treiben der Freier ein Ende zu machen, führt er dabei die Misshan dlung der Fremden und das unziemliche Herumzerren der dienenden Weiber als Frevelthaten jener an1³), Vorgänge, deren bis zu dieser Stelle mit keinem Worte gedacht ist, die wohl aber später erwähnt werden ¹⁴). Woher weiss dieses Odysseus? Dazu kommt, dass Telemach keine Ktimene als Schwester seines Vaters oder gar mehrere Geschwister desselben kennt ¹⁵), und dass 122 128 eine Wiederholung von I, 245 251 sind. Ausserdem ist sein Entschluss, da bleiben zu wollen ¹⁶), nur durch Athenes Befehl mo- tivirt¹⁷), widerspricht aber seinem eigenen Vorhaben am Morgen desselben Tages ¹⁸). Man sieht, die Häufung der Gegensätze zur seitherigen Darstellung wird so stark, wie sie kaum an einer anderen Stelle zu Tage

*) XV, 552 fl. Es sind Progr. von 1874, S. 25, NXV, 508- 57 dem späteren Interpolator zuzuschreiben und S. 26 unten 547 557 zu tilgen. ²) XV, 504 f. ³) XVI, 8 ff.) 13 ff.) 27 ff.) XV, 504 f.*) 40.) I, 113 ff. ²) 68 88.) XVIII, 269 ff., 215 ff., 226 fl., XIX, 16 ff., 85 ff., 530 ff., XX, 309 f. ¹¹) XVI, 90 fl. ¹¹) 95 f.= III, 214 f. ¹³) 105 ff. ¹⁴) XVIII, 416 f., XX, 316 ff., 324 ff. ¹) 117 ff. vergl. XV, 361 ff. ¹⁶) 132 ff. ¹*¹) XV, 40 ff. 1) XV, 5044 f. 7

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