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erklären lässt. Ungereimt aber ist es, dass er, der entschiedenste Gegner der Freier, der nur von Penelope aufgefordert in der Stadt erscheint ¹), am Apollofeste ungeheissen im Palaste bleibt und die Freier ohne Rücksicht auf die zahlreich vorhandenen Herolde und Diener mit noch zwei anderen Hirten bedient ²), gerade als wenn er es gar nicht anders gewohnt sei. Die Darstellung des 14. Buches stimmt also mit derjenigen der Tele- machie überein, widerspricht aber dem späteren Verlauf der Dinge. Als Odysseus sich der Wohnung des Sauhirten nähert, stürzen die Hunde, die den Herrn nicht kennen, auf ihn los, und nur der schleunigen Hülfe des herbeieilenden Eumäus hat es der auf der Erde kauernde Bettler zu danken, dass ihm kein Leid widerfährt ³). Der treue Argos, der von allen vernachlässigte Jagdhund des Königs, erkennt ihn nach 20 Jahren wieder, wedelt ihn an und stirbt in der Freude des Wiedersehens!⁴) Dieselben Hunde aber, die den Vater wüthend anfallen, umwedeln freudig und schmeichelnd den Sohn, der von der Reise zurückkehrt 5⁵). Wie hier die Gefässe, so entfallen dem Hirten dort die Lederstücke, als er plötzlich aufspringt und hinaus eilt. Es ist klar, dass die eine Stelle der Reflex der andern ist, und wie man nachweisen kann, dass die Begrüssung Telemachs seitens des Eumäus spätere Zuthat ist, bei deren Einschub jene erste Begegnung zwischen dem Hirten und Odysseus vorschwebte, so spiegelt sich in der letzteren, zumal in der Schilderung der wild tobenden Hunde, der Gegensatz zu jener späteren Scene wieder, wo der treue Argos allein den wiederkehrenden Herrn begrüsst.
Wie durch Athenes Eingreifen in die Handlung der Telemachie die Nachricht vom Tode des Odysseus ungewiss wird, so ist in unserer Scene sein Geschick besonders zweifelhaft dargestellt. Bald hält es Eumäus für ungewiss 6), bald glaubt er an die Möglichkeit einer Rückkehr seines Herrn ⁷), bald gibt er wieder jegliche Hoffnung aufs), zumal er um die durch Nauplius verbreitete Nachricht vom Tode seines Herrn weiss). Schon früher wurde bemerkt, dass die von 12 Handschriften dargebotene Leseart νeνꝙσπνειαν 76G, der später die Worte einer einzigen αηιεα entsprechen, einzig und allein den Schlüssel zur Anwesenheit der Freier im Hause des Odysseus nach dem ersten Motiv bildet 10). Mag der Scholiast auch im Sinne Aristarchs berichten: 05 X% G Oi v6ꝓντμεμεοσ, ι εαμνανκνν dννρνσοσεᷣ NaveAiov Ter Lunννοσανσνποσο ε⁴eνναιασιοων ˙Odνυαασσισοος, mag er hinzufügen 6 ⁴οοι—mφι ες oi veGꝓτενεοε ααα,αωνινειν πσαeρνέαο α ⁴ερέιο—JpeiO e‿ ει νꝙν τ+ν O0G.ισςσ τεεev: es gibt in dem Gedichte des ersten Motives keinen anderen Grund für die Anwesenheit der Freier im Palaste des Odysseus. Nach Verschmelzung der beiden Motive, und bei dem auf Ausgleichung der Widersprüche gerichteten Streben der Alexandriner, welche des Onomakritos Redaction allein anerkannten und zur Vulgata zu erheben suchten, waren diesen alle diejenigen Handschriften, wie hier dem Didymus ¹¹), Taοιασνσνεοα, welche die von ihnen nach der Lage der Dinge in den Vordergrund gerückten, auf Hebung der Widersprüche zie- lenden Lesearten boten. Freilich mussten nach der von den Alexandrinern verworfenen Leseart des Odysseus Leiden bereits in der Heimat bekannt geworden sein, und dies stimmt vortrefflich damit, dass Aegyptios von der Ermordung seines Sohnes durch den Cyklopen gehört hat ¹²), dass Phemios die Lieder von der Heimkehr der Helden singt ¹³), dass Athene dem Telemach erklärt, sein Vater werde von wilden Männern auf dem Meere zurückgehalten ¹4), dass endlich in einer Stelle uns eine Gründungssage erhalten ist 15). Die Masse des von den Freiern täglich verzehrten Viehs weist auf eine Vielheit der Freier hin. Nach XIV, 93 f. und 105 ff. brauchen sie täglich eine Kuh, einen Eber, ein Schaf und mehrere Ziegen. Das Fleisch dieser Thiere reichte für mehr als 20 Freier. Diese Stelle entspricht ganz der Darstellung in XX, 250 ff., wo am
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¹) XIV, 372 fl. ²) XX, 250 ff. ³) XIV, 29 f. ⁴) XVII, 291 ff., vergl. 326 f. ³) XVI, 5 f. ⁶) XIV, 39— 44, 61, 144, 171 f. ⁷) XIV, 423 f. ⁸) XIV, 67 ff., besonders 89 f., 130, 133 ff., 166 f., 365 ff. 9) XIV, 89 f., XV, 358 ff., vergl. Schol. daselbst und Eustath. 1783, 58, wo es 5r8OOS aMœονν nicht of„ 61εοοε heisst. Freilich steht an der andern Stelle 1678, 24 bei Eustath. of"ετεο, doch ergibt sich aus seiner Darstellung keineswegs, dass die ausgleichenden Ansichten siegten. ¹⁰) Progr. von 1874, S. 8, vergl. Schol. zu XI, 197 u. 202. ¹¹) Schol. XI, 196. *2) II, 17 ff. 1¹³) I, 325 ff., 350 ff. ¹4) I, 197 ff. ¹) III, 286— 300. Vergl. Progr. von 1874, S. 3 f. 1*


