Aufsatz 
Aus großer, ernster Zeit. Ansprachen
Entstehung
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14.

und fleißigen ſich der Lügen. Aber meine Seele harret nur auf Gott; denn er iſt meine Hoffnung. Du, Herr, biſt gnädig und bezahleſt einem jeglichen, wie ers verdienet. Sela. 23. Dezember 1914.

Wir feiern in dieſem Jahr ein Weihnachten wie nie zuvor. Wer vermag es zu ertragen, das Lied, das ſonſt in unſer Herz jubelnd hineinklang und von unſeren Lippen widertönte: O du fröhliche, o du ſelige Weihnachtszeit! Die frohe herrliche Botſchaft:Friede auf Erden! die hören wir heuer nimmer. Die Tauſende und Abertauſende, die als ſtille Schläfer in fremder Erde ruhen, die Tauſende, ja Millionen, die draußen im Felde ſtehen, unter ſchweren Entbehrungen und Anſtrengungen, unab⸗ läſſigen Gefahren ausgeſetzt und dem Tode ins Auge ſchauend, ſchweben uns im Geiſte vor und laſſen keine rechte Freude aufkommen. Und in wie viele Häuſer ſind infolge des furchtbaren Krieges Sorge und Kummer, Trauer und Trübſal eingezogen! Auch Euch iſt ſo mancher Anverwandte und Freund entriſſen worden, auch Euch allen iſt die Schwere der Zeit verſtändlich geworden. Auch wir in unſerer Schule haben einen edlen Kollegen verloren. Doch warum feiern wir denn überhaupt Weihnachten, warum zünden wir doch die Kerzen an dem Weihnachtsbaum an, und warum werden unſere lieben Feldgrauen es dadraußen in den Schützengräben und in den eroberten Dörfern und Städten doch auch tun? Es gibt auch zwiſchen Freude und Trübſal eine Mitte. Das iſt der Ernſt, das iſt die Weihe der Dankbarkeit. Wir haben allen Grund, an dieſem Chriſtfeſte zu rufen:Ehre ſei Gott in der Höhe!

Die Größe der Gefahr, in der unſer Baterland ſchwebte, die Sorge um das, was kommen kann, das Hoffen und Bangen findet ein Gegengewicht in dem Danke für das, was bisher errungen wurde, für die Bewahrung vor dem, was uns drohte. Iſt es nicht etwas wundervoll Großes, daß wir den Feind von den Grenzen zurückgeſcheucht haben? Liegt nicht etwas weltgeſchichtlich Hoch⸗ bedeutſames in der Tatſache: Die größte Flotte der Welt konnte es nicht hindern, daß deutſche Kreuzer die Küſte ihres Landes zu beſchießen vermochten? Engliſches Blut floß unter feindlichen Angriffen auf engliſchem Boden! Das iſt das erſte Mal ſeit langen Jahrhunderten. Das dürfte wohl dem törichten Hochmut und Frevelſinn des Inſelvolkes eine ſchwere, ernſte Lehre und Warnung ſein. Und liegt nicht auch darin etwas weltgeſchichtlich Hochbedeutſames, daß die Glocken franzöſiſcher Kirchen, von Ort zu Ort bis zu den Frontlinien den Schall fortpflanzend, die deutſchen Siege über die Ruſſen verkündeten? Man male ſich nur aus, was geſchehen wäre, wenn die ruſſiſche Dampfwalze mit den Millionen wilder, ungezügelter Horden in das Innere unſeres Vaterlandes, alles niederreißend und verheerend, gedrungen wäre? Es ſind da im Oſten Taten vollbracht worden, die den Siegen der Griechen über die Perſer, der Franken über die Hunnen, der Deutſchen über die Ungarn an Bedeutung nicht nachſtehen, ja als Waffentaten ſie weit übertreffen.

So iſt in dunkler Winternacht ein Licht uns im Oſten aufgegangen, das leuchtet wie der Stern zu Bethlehem in dieſer Zeit, und das iſt der Sieg über die Ruſſen, der Zuſammenbruch dieſer furchtbaren Macht und die Beſeitigung der ungeheuren Gefahr. Darum können wir wohl jubeln Ehre ſei Gott in der Höhe!

Die Weltgeſchichte lehrt es uns auf manchem Blatt, was wir jetzt ſelbſt wieder bewundernd erlebten: Nicht die Größe der Heeresmaſſen iſt das Entſcheidende in den Kriegen, ſondern der lenkende Geiſt und die Willenszucht der Truppen.

Als Leitſtern ſteht über unſeren Heeren und über unſerer Flotte das Wort, das der Befehls⸗ haber von Tſingtau dem Kaiſer telegraphiſch gelobte:Pflichterfüllung bis zum Außerſten!

Wir hören aus Schlachtberichten und Feldpoſtbriefen immer wieder, daß in ſchwierigen Stellungen den Engländern und Franzoſen gegenüber jene Parole von Mannſchaft zu Mannſchaft, von Schützen⸗ graben zu Schützengraben ausgegeben wurde, dieunter allen Umſtänden die Behauptung des Standortes oder die Überwältigung einer feindlichen Heeresmacht forderte.