Aufsatz 
Aus großer, ernster Zeit. Ansprachen
Entstehung
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10 19. September 1914.

Uber dem großen Kriege, den wir jetzt führen müſſen gegen eine ganze Welt von Feinden ſteht das Wort: Per aspera ad astraDurch Not und Tod zum Siege!

Es iſt noch immer ein hartes, heißes Ringen, das ſich jetzt auf den franzöſiſchen Schlacht⸗ feldern, ſeit vielen, langen Tagen, auf weite Meilen hin vollzieht. Verwöhnt durch den ungeſtümen Siegeszug der erſten Wochen, ward wohl mancher hier daheim ſchon kleinmütig und ungeduldig. Iſt doch die Geduld eine Tugend, die in der modernen Haſt und Unraſt uns Heutigen am ſchwerſten fällt, ſchon in Alltagszeiten, wie viel mehr jetzt, wo wir das Rauſchen der Zeit, das Rollen der Begebenheit wie ein hörbares und ſichtbares Schreiten Gottes durch die Weltgeſchichte verſpüren. Ehrlich und offen deckt unſere Heeresverwaltung die Schwierigkeiten und Hemmniſſe auf, die ſich dem Siegeszuge entgegenſtellen, während die franzöſiſche Regierung von Anfang an die Ungeduld ihres ſenſationslüſternen Volkes mit Glücksbotſchaften befriedigte d. h. belog und betrog, ſo daß es durch die Wahrheit um ſo tiefer herabgeſtürzt werden mußte. Und jetzt vermag es wohl kaum noch in einen glücklichen Ausgang ſich hineinzuträumen.

Schweigen, nicht viele Worte machen, ernſt die Dinge auffaſſen, ja ſchwer, tiefſchwer ſie nehmen: das iſt deutſche Art. Und durch Schweigen oder durch wenige Worte ohne Rühmen und Prahlen hat unſere Heeresleitung uns zur Geduld erzogen, aber auch zu feſtem Vertrauen, zu Siegesgewißheit. Unſere Sache iſt gerecht, iſt heilig, denn ſie ruht auf Sittlichkeit, auf Wahrhaftigkeit.

Es iſt keine Uberhebung, wenn wir uns mit Entrüſtung abwenden von dem Frevelmute unſerer Feinde, denen jedes Mittel, auch das verwerflichſte wie tückiſcher Meuchelmord recht iſt, um Deutſche zu vernichten, und die Lüge auf Lüge häufen, um die Ungeduld der Völker zu beſchwichtigen und um drohenden Aufruhr zu unterdrücken aber am Ende kommt doch die Wahrheit an den Tag, und Gott, der die Wahrheit ſelbſt iſt, läßt ſeiner nicht ſpotten.

Vor der Wahrheit mächt'gem Siege Verſchwindet jedes Werk der Lüge.

Das iſt das große, herrliche Erlebnis unſerer Tage für jung und alt. Wie befreiend von einem Alb der Sorge wirkte geſtern auf uns alle die Botſchaft, daß endlich der Feind an der Oiſe und Marne weiche und daß ſeine Widerſtandskraft gebrochen ſcheine. Jubel und Dank zog brauſend durch unſer Herz, als die Glocken wieder Sieg läuteten. Gott iſt für uns wer möchte daran zweifeln? Gott iſt unſere feſte Burg, unſere Zuverſicht und Stärke. Zu ihm beten wir: Hilf uns auch fernerhin, die ſchwere Zeit in Geduld und Hoffnung tragen, hilf denen, die in der Ferne für uns kämpfen, leiden und ſterben, ſtähle die Kraft ihnen, die faſt Unmenſchliches, Ubermenſchliches an Ent⸗ behrungen und Anſtrengungen erdulden und mit feſtem Mute die Jahnen zu immer neuen Siegen tragen!

Herr Gott, der du die Wolken und die Winde, aber auch die Schlachten der Völker lenkſt, ſei mit unſeren Heeren und ſei uns allen gnädig! Amen.

29. September 1914.

Ihr erhaltet heute die Zeugniſſe über das nunmehr ablaufende erſte Schul⸗Halbjahr. Der große Weltkrieg das ſpüren wir wohl und bringen es in Anſchag hat auch Eure Gemüter in Erregung verſetzt, auch wohl manche durch ernſte und ſchwere Erlebniſſe von der Schularbeit ab⸗ gelenkt; doch auch nicht wenige glaubten, die veränderten Verhältniſſe benutzen zu dürfen und die Zeit auf der Straße zu verbringen. Andere haben ihre Muße und ihre junge Kraft in den Dienſt der großen Sache geſtellt und als Radfahrer oder als Verwundetenpfleger oder mit anderer Kriegs⸗ fürſorge ſich nützlich gemacht. Das war recht und brav. Eins muß dieſe furchtbar ernſte und herrlich große Zeit uns alle, alt und jung, lehren: Wer jetzt nicht ſeine volle Pflicht tut, der iſt der Größe unſerer Tage nicht wert.

Was die Heere draußen im Felde in unbeſchreiblichen Anſtrengungen und Entbehrungen, mit