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Es war ſein durchaus lauteres Weſen. Der Grieche nannte einen ſolchen Mann zãν⁵ 2dνανοε — der Römer anima candida.
Mit ſeinem freundlichen und beſcheidenen und doch beſtimmten und feſtgegründeten Weſen, mit ſeiner gediegenen Tüchtigkeit und Wiſſenſchaftlichkeit wurde er ſeinen Amtsgenoſſen ein hochgeſchätzter Kollege und mit ſeinem herrlichen Charakter ein lieber, treuer, unvergeßlicher Freund.
Seinen Schülern— und Ihr alle werdet wohl das Glück gehabt haben, ſeine Schüler kürzere oder längere Zeit geweſen zu ſein und Ihr werdet es beſtätigen— ſeinen Schülern war er ein be⸗ geiſterter Dolmetſch echter Frömmigkeit in den Religionsſtunden, echter Vaterlandsliebe in den Ge⸗ ſchichtsſtunden, ein Muſter an Gewiſſenhaftigkeit, von höchſtem pädagogiſchen Geſchick in allen übrigen Fächern, ein Erzieher von Gottes Gnaden. Fern jeder Schablone und jedem Scheinweſen, war er durchglüht von jener Menſchenfreundlichkeit, die allein das Erziehungswerk wertvoll geſtaltet, den Eltern ſtets ein gütiger Berater, Euch Jünglingen und Knaben ein väterlicher Freund. So wird er unter den vielen fortleben, die ihn kennen und ſchätzen und lieben lernten. Und nun liegt ſein Tagewerk vor der Zeit abgebrochen da.
Hugo Manger wurde am 4. Februar 1878 zu Obernberg in Heſſen geboren, als Sohn des evangel.⸗luther. Pfarrers Metropolitan a. D. Chriſtian Manger, beſtand die Reifeprüfung am Gymnaſium zu Marburg am 30. März 1895, ſtudierte Theologie in Marburg und Berlin, dann Geſchichte und Philoſophie, beſtand 1899 die erſte theolog. Prüfung und das ſogen. Tentamen, erwarb den Doktor⸗ grad 1901 und in der Oberlehrerprüfung die Befähigung für Religion und Geſchichte für die oberſte Stufe mit Auszeichnung, legte das Seminarjahr am Kgl. Gymnaſium in Caſſel, das Probejahr teils in Marburg, teils hier am Kgl. Kaiſer⸗Friedrichs⸗Gymnaſium ab.
So hatte unſere Schule das Glück, den trefflichen Pädagogen und herrlichen Menſchen von Oſtern 1904 bis jetzt zu den Ihrigen zu zählen; am 1. April 1905 wurde er feſt angeſtellt. Im Mai 1904 hatte er die Ehe geſchloſſen.
Und nun iſt all das Gliüicck, das er um ſich verbreitete, in Trümmer geſunken.
Der Krieg rief ihn zu den Fahnen, den unaufhaltſamen Siegeszug durfte er miterleben, am 31. Auguſt traf ihn ein Kopfſchuß im Gefecht bei Rethel in Frankreich. So hat er den Heldentod gefunden auf dem Felde der Ehre!
Seit altersher preiſt man die glücklich, denen ein ſo ruhmvolles Ende zuteil wird. Und Tacitus ſagt von den alten Germanen: lamenta ac lacrimas cito, dolorem et tristitiam tarde ponunt: Jammern und Tränen legen ſie ſchnell, Schmerz und Wehmut langſam ab— feminis lugere honestum est, viris meminisse: Der Frau ziemt die Trauer um den Toten, dem Manne die Erinnerung.
Und wahrlich: eine tiefe, ſchmerzliche Lücke iſt in unſere Reihe geriſſen, ſie wird ſich in langer Zeit nicht ſchließen; er wird uns allen überall fehlen, und unſer Herz brennt in tiefem Mitgefühl, wenn wir an ſeine Witwe und die drei kleinen Kinder denken.
Bei ſolchem Schickſalsſchlage erkennen wir die Wahrheit des Wortes der Heiligen Schrift:
Ein Menſch iſt in ſeinem Leben wie eine Blume, die da frühe blühet, aber bald welk wird, und wie das Gras, das des Abends abgehauen wird und verdorret!
In der Reife der Mannesjahre, in der Blüte des Familienlebens, auf der Walſtatt des Vater⸗ landes: ſo iſt er dahingerafft.
Er wird fortleben in dankbarer, liebevoller Erinnerung bei uns allezeit!
Vale pia anima!


