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Kultur hervorgegangen. Er weckt die Leidenſchaft heißer Vaterlandsliebe und den Haß wider Tyrannei und alles Böſe, er reißt alle Kräfte der Seele zuſammen, hebt über den Eigenwillen empor, er wird zur Religion. Wie die Tragödie die höchſte Form der Dichtung iſt, die reinigend auf die Gefühle der Menſchenbruſt einwirkt, ſo iſt der Krieg die heroiſche Form des menſchlichen Lebens, er iſt tragiſche Lebenspoeſie. Und daher gibt er den Außerungen des Empfindens der Volks⸗ ſeele den Stil der Erhabenheit oder ſchlichter Würde, die alles Erleben des einzelnen mit ſeinen Wünſchen und Hoffnungen und Schmerzen untergehen läßt in dem einen Gedanken an das große Ganze. Davon zeugten auch die Inſchriften unſerer ins Feld ziehenden Krieger an den Eiſenbahn⸗ zügen.*) Von demſelben heldenhaſten Geiſte ſind auch ſo manche Lieder erfüllt,„Ulanenlied“, „Reiterlied“,„Kriegslied“,„Dem Heere“,„Gebet ans Volk“.**
Von geradezu klaſſiſcher Einfachheit und Würde des Stils ſind die Berichte des General⸗ quartiermeiſters von Stein. Sie ſtechen von den prahleriſchen Lügen der Gegner ebenſo ſcharf ab, wie die Telegramme der beiden beſiegten Könige von denen der beiden ſiegreichen Kaiſer, die für die innige Waffenbrüderſchaft die herzlichſten Töne zu finden wußten. Und wenn die Heerführer an das Hauptquartier den Erfolg tagelangen, heißen Ringens meldeten, ſo faßten ſie es in fünf Worte zuſammen:„Die vorgeſchriebene Linie iſt erreicht“.
In ſolcher Einfachheit liegt echte Größe. Wir wollen uns nicht überheben, aber wir wollen ſtolz ſein. Der Glanz der Ruhmestat von Sedan wird auch durch die künftigen Zeiten ſtrahlen. Wer auch nur als 14 jähriger Sekundaner jene wunderbaren Tage durchlebte, der vergißt ſie nimmer. Und Ihr alle werdet die Größe der Gegenwart als einen unzerſtörbaren Schatz Euer Leben hindurch bewahren. Möchtet Ihr ahnen und mehr und mehr begreifen, welche ſittlichen Volkskräfte jetzt am Werke ſind, was für Taten vollbracht werden, nicht bloß mit der Klinge oder mit dem Kolben und mit Kanonen, ſondern durch die Pflichttreue im Kleinen und Einzelnen, durch die Vaterlandsbegeiſterung im Ganzen und durch geniale Tüchtigkeit. Was haben wir ſchon erlebt— was brachten die letzten Tage noch— ein ruſſiſches Sedan bei Tannenberg!— was werden die kommenden Wochen bringen? Etwas nie Dageweſenes zu erleben, das ſchwellt die Bruſt, das hebt jeden über ſich hinaus und legt jedem, groß und klein, Pflichten auf. Kriegsdienſt leiſtet nicht nur das Volk dadraußen, ſondern auch das Volk daheim, wenn es Verwundete pflegt, Liebe erweiſt den Darbenden und Not lindert in den Familien der Krieger, ja wenn es in der täglichen kleinen Pflicht treu beſunden wird.
Noch iſt es verfrüht, Siegesfeiern zu halten— immer neue Maſſen werden Franzoſen und Ruſſen und Engländer heranführen— aber wir werden ſie niederzwingen durch den Geiſt, der in jedem Geringſten und in dem Höchſten mächtig iſt. Von dieſer Zuverſicht erfüllt, rufen wir: Kaiſer und Reich hoch! hoch! hoch!
8. September 1914. Meine lieben Herren Kollegen! Meine lieben Schüler! Eine tieſſchmerzliche Mitteilung iſt uns zugegangen: Unſer lieber Manger iſt gefallen. Mit ihm ward der Beſten einer dahingerafft. Darin ſind wir alle einig, und alle die, welche dem trefflichen Menſchen ſonſt näher treten durften. Was war es, das ſo unwiderſtehlich jeden ſofort für ihn einnahm, unweigerlich feſſelte und für alle Zeit feſthielt?
*) Vergl. das Büchlein:„Mit Ernſt und Scherz in den Krieg. Eiſenbahnaufſchriften aus der Zeit der erſten
Truppenbeförderung. Geſammelt und herausgegeben zum Beſten des Roten Kreuzes von H. Grimme“(Mänſter i. W.
1914, Aſchendorff, 30 Pfg.). Einen nicht unbeträchtlichen Teil der Sammlung ſteuerten Schüler unſeres Gymnaſiums bei. **) Dieſe u. a. Gedichte wurden von Schülern vorgetragen.


