Aufsatz 
Aus großer, ernster Zeit. Ansprachen
Entstehung
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Schlachten gleichzeitig und tagelang, und ihr Gebiet umſpannt 50, 70, ja Hunderte von Kilometern. Wahrlich das Wort gilt: Alleshebt der Krieg ins Ungemeine, ins Rieſengroße, Gewaltige. 1870 gab es noch keine Autos, keine drahtloſe Telegraphie, keine Luftſchiffe, nicht jene Geſchoſſe, wie ſie in Lüttich Panzertürme und Betonplatten zertrümmerten. Was war damals die Urſache des Krieges? Frankreich hielt das Europäiſche Gleichgewicht durch Preußen nach dem Siege von Sadowa geſtört, und der Kaiſer der Franzoſen wollte den wackligen Thron durch Siege feſtigen. England und Rußland und Oſterreich blieben neutral. Ende Juli 1914 wirkte eine ganze Legion von Kriegs⸗ urſachen mit, die wir jedoch leicht auf eine Formel bringen können, die kaltherzig der britiſche Better aufſtellte: Germania delenda est. Und was iſt Deutſchlands Verbrechen gegen die übrigen Bölker? Es iſt fleißig und tüchtig und ehrlich und hat die anderen nicht, wie einſt ſchon in Wiſſen⸗ ſchaft und Kunſt, ſondern auch in Handel und Induſtrie überflügelt und hatte die Dreiſtigkeit, ſich eine mächtige Flotte zu ſchaffen. Damit war das europäiſche Gleichgewicht geſtört! Doch es iſt herrlich, wie die Not Kraft entwickelt, das Selbſtgefühl hebt und Schwierigkeiten, Hemmniſſe, Klein⸗ mut und Verzagen überwindet. Als zunächſt an Rußland der Krieg erklärt war, da dachte und hoffte mancher noch: England bleibt neutral, denn Rußland war doch immer ſein natürlicher Feind, bei den Reibungsflächen in Aſien! England erklärte den Krieg. Da dachte und hoffte mancher: Japan bleibt doch ſicher neutral! Hat es doch erſt vor wenigen Jahren Rußland niedergeworfen, und nun ſoll dieſes an ſeiner Seite ſtehen? Sollte Japan alles das, was es von uns gelernt hat, mit ſchnödem Undank vergelten? Japan erklärte den Krieg. Wahr wurde jenes Gedicht von Anthes aus 1904. Optimiſten hoffen jetzt auf Amerika. Doch daß Amerika die Waffen gegen ſein Mutter⸗ land erhebe, iſt ausgeſchloſſen. Die Sprache, die ſeine Preſſe gegen die Deutſchen bisher geführt hat, iſt von Deutſchenhaß erfüllt. So lehrt dieſer Krieg, hoffentlich für alle Zeiten: Stelle dich, Deutſchland, im unzertrennlichen Bunde mit Oſterreich, auf eigene Füße! Sieh nicht rechts und nicht links! Wende dich endlich ab von der Ausländerei. Die bringt nur Spott und Hohn ein und iſt ganz trügeriſch in der Not!

Was jetzt Wilhelm II. erlebte, das war in abgeſchwächtem Maße ſchon ſeinem Ahn Friedrich II. beſchieden. Der ſchrieb an ſeine Schweſter:Dieſes Jahr wird man ſehen, was Preußen iſt und wie wir durch unſere Kraft und unſere Manneszucht mit dem Ungeſtüm der Franzoſen, der Wildheit der Ruſſen und der Überzahl aller derer fertig werden, die uns entgegentreten. Er erfuhr das Gleiche an Tücke und Lüge wie ſein Nachkomme jetzt; mit Empörung ruft er aus:O Zeiten! O Sitten! Wahrlich beſſer wäre es, inmitten von Tigern und Leoparden zu leben als in einem Zeitalter, das ſich geſittet nennt, inmitten von Heuchlern, Räubern und Treubrechern. Und leuchten wir heute unſeren Gegnern ins Herz, ſo finden wir denſelben brutalen Eigennutz, der vor keinem Mittel niedriger Bosheit zurückſchrickt. Von langer Hand vorbereitet ward ein ſchamloſer Überfall von Rußland, deſſen despotiſche Monarchie ſich nur noch durch Länder⸗ und Machterwerb aufrecht erhalten kann, von Frankreich, das den Frieden von 1871 immer nur als Waffenſtillſtand betrachtete, und von England, das den(techniſch und geiſtig und ſittlich) überlegenen Konkurrenten auf dem Weltmarkt beſeitigen möchte. Selbſt der einſichtige Staatsmann Burns, der den Standpunkt der Neutralität vertrat, ſchiebt die Völkerverwandtſchaft und alle ſittlichen Momente was haben die mit Politik zu ſchaffen? beiſeite und erklärte, die Neutralität hätte jetzt wie 1870 ein gutes Ge⸗ ſchäft für England bedeutet, denn Frankreich und Deutſchland ſeien damals gut zahlende Abnehmer geweſen und hätten es wieder ſein können. So iſt für Burns der Krieg Englands gegen uns eine geſchäft⸗ liche Dummheit wir aber ſagen: Wen Gott verderben will, den ſchlägt er mit Dummheit. Bei den Engländern iſt dieſe Dummheit nicht bloß intellektuell, nicht bloß wirtſchaftlich, ſondern moraliſch; ſie widerſtreitet aller höheren Vernunft. Wir erkennen ja doch immer mehr: Uns trennt eine ganze