Aufsatz 
Der mathematische Unterricht in seiner Beziehung zu anderen Unterrichtsgebieten / von B. Biel
Entstehung
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Beilage zum Programm des Grossherzoglichen Gymnasiums in Bensheim, Ostern 1895.

Der mathematische Unterricht in seiner Beziehung zu anderen Unterrichtsgebieten.

von

Gymnasiallehrer Dr. B. Biel.

Wie das Ergebnis der Berliner Dezemberverhandlungen in Sachen der Schulreform auch zu beurteilen sein mag sehen wir doch niedergeschlagen die einen wegen getäuschter weitergehenden Hoffnungen, klagend die andern ob erlittener Einbusse, aber auch eine Gruppe der Befriedigten, die denSchulfrieden von 1890 mit Freuden begrüssten ohne einen ge- wissen erfreulichen direkten Erfolg und, was in mancher Hinsicht vielleicht noch höher anzu- schlagen ist, ohne heilsamen Einfluss mehr mittelbarer Art ist die von allerhöchster Stelle aus eingeleitete, in der bekannten Konferenz gipfelnde Bewegung nicht geblieben. Auch wir schliessen uns darum der nicht geringen Anzahl derjenigen an, die der Ansicht sind, dass von einem Rückschritt keineswegs die Rede sein kann, dass man vielmehr, indem man den An- forderungen unserer Zeit, die von dieser nun einmal besonders hinsichtlich eines mehr sach- lichen Inhalts gestellt werden, in höherem Masse zu entsprechen suchte, um einen beträcht- lichen Schritt vorwärts gelangt ist, wenn auch der neugeschaffene Zustand bezüglich seiner Vollkommenheit in manchen Stücken noch viel zu wünschen übrig lässt und mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten steht, ja mit Bestimmtheit erwartet werden muss, dass eine kommende Generation das, was heute neu ist, als weiter überboten ansieht, und Neueres als besser Erkanntes an seine Stelle setzt. Vielleicht ist jetzt mancher Gedanke von fundamentaler Bedeutung noch nicht bestimmt genug ausgebildet, nicht reif genug gewesen, hat sich noch nicht der allgemeinen Aufnahme zu erfreuen gehabt, die wünschenswert und erforderlich wäre, um ihn bei Neugestaltung der Dinge die gebührende Berücksichtigung finden zu lassen. Dies scheint uns ganz besonders beim mathematischen Unterricht zuzutreffen, nicht als ob dieser sich zu beklagen Ursache hätte, dass er zu kurz gekommen, da ja doch eher das Gegenteil der Fall ist, oder als ob hier für denselben wohl gar auf Kosten anderer Fächer noch mehr erstritten werden sollte. Dass er noch mehr erlange, liegt allerdings in unsern Wünschen, aber in dem Sinne, dass er das unserer Ansicht nach ihm noch Fehlende nur durch sich selbst und aus sich selbst gewinne, und nicht nur nicht zum Nachteil anderer Fächer, sondern viel- mehr gerade zu deren Nutzen und Frommen.

Es ist nämlich unsere UÜberzeugung, dass der mathematische Unterricht aufgrund der Anforderungen, die lehrplanmässig auch heute noch vorzugsweise an ihn gestellt werden,

Programm Nr. 628. 1