Aufsatz 
Der Schulgarten / von Emil Beyer
Entstehung
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6.

Glanzpunkt des Ganzen werden. An das Waſſer ſoll ſich eine Wieſe ſchließen, die nicht im Juni ge⸗ mäht wird, ſondern Zeit erhält, Frucht zu reifen. Ackerland macht die Jungen bekannt mit dem, was ſie von Art und Anbau unſerer wichtigſten Kulturpflanzen noch nicht kennen. Beſtimmte Pflan⸗ zen, die nur ſo ſtets und friſch zu erhalten ſind, werden maſſenweiſe für den Bedarf kultiviert, von allen anderen aber einige Stücke an den geeigneten Stellen zur ſtändigen Beobachtung gehalten.

Umſonſt bekommen wir in dieſem kleinen Paradieſe eine hundertfältige Tierwelt. In den Steinpartieen laſſen ſich, wenn auch zunächſt vielleicht nicht dauernd, Reptilien anſiedeln; am Waſſer Lurche, im Waſſer Fiſche, viele Inſekten und andere niedere Tiere halten; ja die niedere Tier- und Pflanzenwelt, ſo außerordentlich wichtig für die Erkenntnis des Lebensganzen, wird ſich erſt hier je derzeit zur Verfügung halten laſſen. Vögel, Schmetterlinge, Käfer, Bienen, Hummeln, Wespen, Ameiſen, Fliegen, Libellen, Blattläuſe, Spinnen erſcheinen in einem ſolchen Garten zahlreich von ſelbſt, legen z. T. Neſter und Bauten an und bleiben oft lange als Gäſte. Da iſt es eine Luſt zu be⸗ obachten.

Und wir werden das Leben aller dieſer Geſchöpfe verfolgen das ganze Jahr hindurch, vom Werden bis zum Vergehen und Wiederauferſtehen. Die notwendige Gartenarbeit wird unſeren Jun⸗ gen eine Freude ſein. Arbeiten wir in der Klaſſe, ſo liefert der Garten manches notwendige Material ſo ſchön und ſchnell, wie es ſonſt nicht möglich ift.

Wenn eine ſolche Anlage geſchaffen werden ſoll, ſo dürfen nach all dem Geſagten die Koſten nicht entſcheidend ins Gewicht fallen. Sie ſind zudem nicht einmal ſehr bedeutend. Bis jetzt ſind etwa 200 Mark aufgewendet, der genaue Betrag iſt dem Verfaſſer nicht bekannt. Davon ſind angeſchafft: ſeitens der Stadt: eine Waſſerleitung, Waſſerfaß, Stacheldrahtzaun gegen das Nachbargrundſtück, ein Fuhre Kies, die notwendigen Gartengeräte einſchließlich eines eiſernen Schiebkarrens, und eine Anzahl Pflanzen. Die Schule hat eine kleine ſchöne und nicht teure Hütte geſtellt, die als Wetter⸗ ſchutz unentbehrlich iſt. Da ſie aber für eine ganze Klaſſe bei weitem nicht ausreicht, ſo wäre nach Bockenheimer Muſter eine große Hütte, in der an heißen Tagen unterrichtet wird, ſehr erwünſcht. Mindeſtens ebenſo wünſchenswert bleibt das Waſſerbecken, ohne das ein Schulgarten nicht die Hälfte von dem iſt, was er ſein kann. Sand und Kies, Erdarten, Blöcke wichtiger Geſteine, Pflanzen und Sämereien ſind zudem noch nötig oder wünſchenswert. Gelegentlich wird ſich die Hilfe eines Gar⸗ tenarbeiters nicht entbehren laſſen. Die Hauptarbeit und dieſe iſt ſchon durch den beſtändigen Kampf gegen allzuſtark ſich ausbreitende Pflanzen wahrlich nicht gering fällt freilich dem Lehrer zu. Hoffentlich findet er, wie ſeither, eine willige Hilfe an den Schülern.

Ich möchte noch an einigen kurzgefaßten Beiſpielen erläutern, wie in den einzelnen Klaſſen der Garten benutzt werden kann. Dieſe Beiſpiele erſchöpfen nicht das ganze Klaſſenpenſum, und es wird ausdrücklich betont, daß die Tätigkeit im Schulgarten, obwohl reich an erfriſchenden Momenten, durchaus ernſt ſein und andererſeits die ernſte beobachtende, denkende, zeichnende Tätigkeit im Klaſſen⸗ zimmer nicht verdrängen ſoll, wo letztere erſprießlicher iſt. Das gilt beſonders für die höheren Klaſſen.

In Sexta lernen wir im Garten die deutſchen Bäume und Sträucher nach Blatt und Tracht kennen und prüfen dieſe Kenntniſſe ſpäter draußen im Walde. An lebenden Pflanzen vergleichen wir