die wichtigſten Formen von Wurzel, Stengel und Blatt, beobachten die Befruchtung der Blüten durch Inſekten und verfolgen den ganzen Kreislauf des Lebens während eines Jahres mit eignen Augen. Wir erhalten einen erſten Ueberblick über die Stoffe der höheren Klaſſen, lebendige Vorbegriffe; der Garten iſt unſer Lehrbuch.
In Quinta ſehen wir die verſchiedenen Arten einer Gattung vor uns blühen. Sie wachſen aber oft an ſehr verſchiedenen Standorten und haben eine recht verſchiedene Tracht. Nur im Blüten— bau ſtimmen ſie überein..
In OQuarta und Unter⸗Tertia werden dieſelben Beobachtungen fortgeſetzt, der Begriff der „Familie“ gewonnen. Zahllos aufgegangene Samenpflänzchen ergeben den Begriff der„Klaſſen“: Spitzkeimer und Blattkeimer. Lurche, Kriechtiere, Fiſche regen ſich vor unſeren Blicken, ſolche Dinge vergißt man nie. In Untertertia ſind es die Inſekten, aus deren wundervoll reichem Leben der Gar⸗ ten manchen Zug uns bietet. Aus Raupen züchten wir Schmetterlinge und beobachten andere Falter tagtäglich über denſelben Blumen als unſere ſtändigen Gäſte.*)
In Obertertia iſt uns der Garten eine ſtets bereite Quelle für die ſonſt nicht immer zu haben— den niederen Tiere und Pflanzen, und eine unſchätzbare Gelegenheit zu einem lebensvollen Ueberblick über die Ergebniſſe der vergangenen Jahre.
In Unterſekunda herrſcht das Mikroſkop und der phyſiologiſche Verſuch. Dem erſten liefert der Garten reichſten Stoff, die letzteren werden im Garten ſelbſt angeſtellt.
Auch die Oberklaſſen, denen die vertieften chemiſchen und phyſikaliſchen Kenntniſſe erſt rech— tes Verſtändnis für phyſiologiſche Vorgänge geben, werden gern an ſchönen Tagen hier eine Stunde der Erholung und Wiederholung opfern!
Ich gebe zum Schluſſe eine Ueberſicht der mir z. Z. bekannten Schulgärten an den höheren Schulen Deutſchlands.*) Dieſe Ueberſicht kann nicht vollſtändig ſein, ſie iſt es höchſtens bis zum Jahre 1900. Ich richte daher an alle Kollegen, die von weiteren Schulgärten wiſſen, die Bitte, mir darüber kurze freundliche Nachricht zugehen zulaſſen.
(Die Überſicht ſteht des Zuſammenhanges wegen auf der nächſten Seite.)
*) In UIII ſollte der Lehrer im Sommer vierſtündig nur Naturkunde, im Winter ebenſo nur Erdkunde erteilen! *) Die wichtigſte Literatur iſt: 1) Stelz, Der Schulgarten der Bockenheimer Realſchule. Programm 1896. 2) Stelz, Vortrag auf der Oberlehrerverſammlung in Höchſt 1898.(Grundlegend!) 3, Crenberger, Der Schulgarten des In⸗ und Auslandes. Frankfurt 1898.


