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In kleinen Städten, in denen oft Wald, Wieſe und Waſſer dicht an die Schule herantreten, gibt es hier ein ſchöne Abhilfe. Ein Kollege nimmt— in Jever— ſeit 29 Jahren ſeine Jungen all— wöchentlich mit hinaus,*) und da jedermann ihn kennt, und er gute Ordnung hält, ſo darf er über— all pflücken und ſchauen laſſen.
Aber Fulda iſt ſchon keine kleine Stadt mehr, und Wald, Wieſe und Waſſer ſind weit entfernt, jedenfalls viel zu weit, um in der Zeit einer Unterrichtsſtunde mit Nutzen beſucht werden zu können.
Verfaſſer hat zuweilen freiwillige Spaziergänge mit ganzen Klaſſen eingerichtet. Dabei ſoll es auch bleiben, und die wachſende Erfahrung wird deren Nutzen und Erfolg hoffentlich erhöhen. Aber für den ordnungsmäßigen ſtrengen Unterricht taugen ſolche großen Fahrten weniger. Und man kann auch nicht immer finden, was man gerade ſucht und braucht.
Da heißt es alſo, ſich ein Stück Natur in der Nähe ſchaffen, dicht an der Schule, jeden Augen⸗ blick erreichbar, einen Schulgarten.
Schulgärten gibt es ſchon lange. Aber noch ſind ſie nicht häufig, nicht einmal in den großen Städten, wo man ſie in der Tat doch für ganz unentbehrlich halten möchte. Notwendig ſind ſie aber auch in den mittleren und wertvoll in den kleinen. Auch unſer Kollege in Jever hatte ſich ein Stück Land dafür eingerichtet.
Unſer Schulgarten ſoll ein Abbild der heimiſchen Pflanzenwelt im Kleinen werden. Er ſoll die freie Natur nicht erſetzen, das gäbe nur Spielerei—, aber er ſoll eine möglichſt große Anzahl ihrer Einzelzüge, zu charakteriſtiſchen natürlichen Gruppen vereint, uns in erreichbare Nähe bringen. In ihm wollen wir unterrichten, er ſoll unſer Lehrbuch ſein.
Unſer Platz, der geſchützt und ſonnig, dabei doch durch ſeine Lage, am Schloßgarten luftig liegt, iſt 450 qm groß und von der Schule eine Minute entfernt. Sonſt freilich iſt alles noch in den Anfängen. Was ſoll da noch geſchaffen werden? 1
Wiriteilen dieſe Fläche in eine Anzahl verſchieden große Stücke und ſchaffen durch verſchiedene Verteilung von Bodenart, Waſſer und Licht für die verſchiedenſten Pflanzen die natürlichen Le⸗ bensbedingungen. Ein Wäldchen iſt angelegt, es beherbergt die Schattenfreunde. Es erklettert die Rückſeite eines künſtlichen Hügels, deſſen ſteile der Sonne ausgeſetzte Vorderſeite alle jene Pflanzen ernährt, die durch irgend welche Mittel im ſtande ſind, der Trockenheit zu trotzen. Gleichzeitig zeigt uns dieſe Seite in geordnetem Schichtenaufbau die 3 wichtigſten Geſteine der engeren Heimat: Bunt⸗ ſandſtein, Muſchelkalk und Baſalt, zur erſten Unterſcheidung, der dann draußen das weitere Stu⸗ dium folgt. Einige gewöhnliche Verſteinerungen liegen augenfällig da, und die Frage was ſie be⸗ deuten, findet ihre Antwort.
Ueberaus reich u. feſſelnd iſt in unſerer Heimat die Welt des Waſſers. Sie iſt in Fulda in praxi nicht zugänglich. Aber wir haben Platz vorgeſehen für ein kleines zementiertes Becken, das täglich nur ſoviel Zufluß zu erhalten braucht, als Waſſer verdunſtet. Möge hier ein Gegenſtück u der ſchö⸗ nen Anlage des Schulgartens in Bockenheim-Frankfurt entſtehen! Es würde für die Jugend der
*)„Natur und Schule“, IV. Band, III. Heft.


