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ist. Daher endlich seine Begeisterung. Denn er ist des Gottes voll und trunken von den Eingebungen des Unsterblichen reisst er uns mit sich empor in die Sonnennähe der Wahrheit.
In solcher Hoheit erscheint uns Schiller. Wir kennen ihn Alle. Und dennoch wollen wir diesen Mann noch verherrlichen, noch preisen? Ihn preisen seine Werke. Wir aber in unsrer Armuth thäten vielleicht am besten, uns ein geziemendes Schweigen aufzulegen.
Und doch ist es so natürlich, in der Menschenbrust so tief begründet, dem Ehren dar- zubringen, der uns als der Verehrungswürdigste, entgegentritt, dem unsern Dank zu Füssen zu legen, dem wir so vielen Dank schuldig sind, dessen Thaten zu verkündigen und in die Erinnerung zu rufen, der auf die Gestaltung unsers Lebens, auf die Form unsers Denkens und Empfindens so mächtig eingewirkt hat.
Wir stehen heute an dem Ende eines Jahrhunderts, dessen Anfang durch den Geburtstag Schillers bezeichnet wird. Es ist ein weiter Zeitraum, den wir mit rückwäürts gewandtem Antlitz zu übersehen vermögen, ein weiter Zeitraum voll grossen Leids uud herrlicher Thaten. Wir könnten den Versuch machen, von neuem nachzuspüren, wie Schillers Dichtungen und wissenschaftliche Untersuchungen, wie seine Kritik, seine Geschichtsschreibung in die Lebens- säfte unsers Volks eingedrungen, wie sie sein Denkorgan gereinigt haben und zu Hebeln eines geläuterten Willens geworden sind. Wir könnten noch einmal versuchen zu entwickeln, wie diese geistigen Kräfte von andern Zeitströmungen unterstützt oder gekreuzt, wie der Kampf unter ihnen entbrannt, oder ein Bündniss mit gleichem Ziele zu Stande gekommen ist. Wir könnten von diesen Gesichtspunkten aus besonders die Dramen Schillers ins Auge fassen. Denn diese Dramen haben dem damaligen deutschen Volke eine ganz neue Aussicht eröffnet. Sie haben es mit Interesse für die Welt des politischen Handelns erfüllt, haben ihm das Be- wusstsein erweckt, dass der Mensch ein staatliches Wesen sei und sich als solches zu be- thätigen ihm das Verlangen eingeflösst. Unsere Väter haben in den Freiheitskriegen geblutet. Mit Begeisterung haben sie ihr Blut vergossen. Der heilige Zorn aber, mit dem sie in die Gefechte stürmten, den sie über die Unterdrückung des Vaterlandes, über die Tyrannei des fremden Imperators empfanden, hat, theilweise sicher, seine entlegenere OQuelle in diesen Schil- lerschen Dichtungen. Und heute? Sind wir nicht alle von dem ſeurigen Verlangen beseelt, die Unabhängigkeit und Freiheit des Vaterlandes zu behaupten?
Gesegnet also sei der Freiheit heischende, zur Manneswürde uns aufrufende Schiller! Gepriesen sei sein Name! rufen wir heut mit Tausenden unsrer Landsleute aus. Denn wir sind ihm grossen Dank schuldig. Und um diesem Dankgefühle einigermassen genug zu thun, könnten wir, wie gesagt, all jene Wirkungen der Schillerschen Thätigkeit zu einem Gesammt- bilde zusammenzustellen wohl den Versuch wagen. Aber wir dürfen auch dieser belohnenden Arbeit uns heut nicht unterziehen. Wir müssen sie, schon um einer unziemlichen Oberfläch- lichkeit vorzubeugen, andern Gelegenheiten vorbehalten.
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