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Dagegen steht es in unsern Kräften, etwas Anderes zu thun, etwas, das nicht minder geeignet ist, als Zoll des Dankes zu gelten und, wie mir scheint, bei weitem die würdigste Feier des heutigen Festes in sich schliesst.
Es ist wahr, Schiller schrieb schön. Ein unaussprechlicher Adel strahlt aus seinen Werken uns entgegen. Aber er schrieb auch stark, kühn, mit der Kraft feuriger Beredsam- keit, erschütternd. Nicht, um uns zu schmeicheln, nicht, um uns weichlich ein eitles Ver- gnügen zu bereiten: um sein Volk aufzurütteln, es auf die Höhen menschlich edler Bildung empor zu führen, spannte er die Kraft seiner ganzen Natur an, setzte er sein theures Leben ein.
Können wir ihm nun höhere Ehren erweisen, ihn besser verherrlichen, als wenn wir ihm die Hand bieten zur Verwirklichung seiner hohen Zwecke? Als wenn wir ausführen, was er gewollt? Als wenn wir geloben in seinem Sinne, seinen reinen und grossen Absichten gemäss unser Leben zu führen?
Man sagt, unsere Zeit sei eine sinkende Zeit. Die überhand nehmende Genusssucht, die eitle Selbstgefälligkeit, der bemerkbare Mangel an Pflichtgefühl und ehrfürchtiger Beschei- denheit, die nichts verschonende Spottlust seien der unwidersprechliche Beweis hierfür. Wohlan also! Lasst uns heute das Gelübde ablegen, diesem Unwesen, Jeder an seiner Stelle, entge- genzuwirken. Lasst uns selbst besser werden, eingedenk des Wortes, dass es so nur besser wird auf Erden. Lasst uns rastlos arbeiten und kämpfen und den herrlichen Führern folgen, die uns weit voraus das hohe Ziel schon erreicht haben. Einer der herrlichsten ist Schiller. Er schwingt die Fahne der edelsten Humanität. Er ruft mit so rührender Stimme. Er be- schwört uns mit so gewaltiger Rede.
Wollen wir taub sein? Nein, wir wollen hören und handeln. Und wenn wir werden gehört und gehandelt haben, bei dieser und ähnlichen Gelegenheiten, dann wird man nach langer Zeit einst von uns sagen: Wahrlich, die Deutschen sind der Bewunderung werth. Nicht mit Flitterstaat und Redeblumen feiern sie ihre Nationalfeste, sondern mit der Kraft ihres Gemüths und männlichen Entschlüssen.


