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Wir wollen überhaupt Autoritäten zwar gebührend berücksichtigen, keineswegs aber ihrem Spruch uns blindlings unterwerfen. Die eigne gewissenhafte Prüfung, die eigne Ein- sicht leite uns. Gross aber ist das, was über seine Umgebung weit hinaus emporragt, und dies gilt von Schillers hohem Geiste. Seine Werke bezeugen es. Denn seine Werke ent- halten seinen Geist. Seine Werke sind dieser hohe Geist selbst.
Wenn wir nun darüber einig sein werden, dass Schiller einer Feier würdig sei, so entsteht die Frage: welche Feier ist denn seiner würdig? Irgend ein Fest ist allerdings rasch veranstaltet; ist die Form und Gestalt desselben aber auch so ohne Weiteres eine angemessene? Je heiliger und ehrwürdiger-uns eine Person oder ein Ereigniss ist, desto verletzbarer ist unser Zartgefühl in allen den Beziehungen, die dies Ereigniss, diese Person betreffen. Unser Gemüth empört sich gegen jeden Verstoss der Rohheit und Geschmacklosigkeit und dringt mit sicherm Takte auf absolute Wahrhaftigkeit, auf Ausschliessung jedes hohlen Scheins, auf eine Feier, die der entsprechende Ausdruck der edeln Bewegungen des Herzens ist. Welches ist also die Weise, in welcher ein Schiller würdig nur gefeiert werden kann?
Was heisst denn das aber überhaupt, einen Mann feiern? Von der Beantwortung dieser letztern Frage hängt doch wohl zunächst die der erstern ab. Was heisst es also? Offenbar nichts anders, als einen Mann verherrlichen. Die Feier also, wenn sie keine traurige Veranlassung hat, — denn wir begehen auch Trauerfeste— besteht darin, dass wir, indem wir unser gewöhn- liches Tagewerk ruhen lassen, in grössern oder kleinern Kreisen ihrem Gegenstand Ehren dar- bringen und in dem Gefüble, durch ihn ein grosses Gut erlangt zu haben, uns einer dankbaren Freude überlassen. Nach Verlauf grösserer Fristen erneuern die Menschen öſter solch ein Fest, um anzudeuten, dass der Besitz jenes Gutes auch nach so langer Zeit noch segensvoll wirke, ja vielleiebt jetzt erst wahrhaft seine geheimnissvollen Kräſte entfalte. Sie erneuern es, um die Erinnerung der Zeitgenossen wach zu rufen, sie anzufeuern, tüchtig zu handeln, so zu han- deln, wie es Menschen angemuthet werden muss, die durch den Besitz des köstlichen Schatzes
vor andern ausgezeichnet worden sind. 4
Indem wir also Schiller feiern wollen, wollen wir ihm Ehren erweisen, denn er war ein Wohlthäter seiner Nation. Wir wollen ihn verherrlichen, denn er ist des herrlichsten Preises werth. Wir wollen uns an dem Tage seines Gedichtnisses der Freude hingeben,
denn er hat aus der Fülle seines Reichthums uns mit dem Geschenk hoher, unschätzbarer Güter beglückt.
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Mit Männern von ächter Grösse— und ein solcher Mann war Schiller— verhält es sich in dieser Beziehung ähnlich, wie mit der grossen Mutter Natur. Sie theilt nicht blos mit Freigebigkeit ihre Geschenke aus, sondern ihre Geschenke sind auch von unendlicher Man- nigfaltigkeit. Schon das blosse Dasein eines grossen Menschen ist ein Glück, ein Gut für die Seinigen. Werthvoll sind die Gaben, die er in den Schooss der Zeit senket. Aber fesselnd
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