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Hieraus folgt die Nothwendigkeit, daß in der 2. Conjugation der Vokal e auch in der 1. Singu⸗ laris lang geweſen ſein muß, aber hier ante vocalem verkürzt worden ſei.
Schwer iſt's zu urtheilen über das i der 4. Conjugation. Es iſt möglich, daß der Diphthong ai auch hat in i übergehn können; denn dergleichen Uebergänge laſſen ſich vielfach nachweiſen. Wir erinnern daran daß, foederati in der alten Latinität foideratoi geheißen hat. Am allermeiſten aber lautete ſich e in i um. In der 1. Perſon Präſentis und vielen andern Formen ſtehen der Conju⸗ gation audio die Wörter der 3. capio, facio, fugio gleich. Sie weichen darin von audio ab, daß das i ausfällt, wenn ein kurzer Vokal darauf folgt. Denn man ſollte erwarten
fug-i-o fug-i-am
fug-i-is fugis fug-i- as
fug-i-it fugit fug-i-at ete. etc. etc.
Alſo ſollten wir fugimus und fugitis contrahirt erwarten; aber es ſcheint ein feſtes Geſetz der lat. Sprache zu ſein, daß, wenn 2 kurze i auf einander folgen, das eine ausfällt, ohne daß eine Contraction eintrete. So finden wir:
iacio abiicio abicio. Ebenſo ſollte man in der 3. Declination erwarten folgende Form: Nom. navis Gen. naviis G. pl. navium — navis ebenſo in senatus G. senatus pl. senatuum und doch heißt es navis mit kurzem i. Aus demſelben Grunde wie abiice zu abice mit kurzem i und naviis zu navis mit kurzem i wird, ebenſo iſt fugi-is zu fugis mit kurzem i und auch die andern Formen mit kurzem i geworden. Die Formen audis, audimus, auditis werden deshalb nicht aus: audi-imus, audi-itis, audi-is ſondern aus: audi-imus, audi-itis, audi-is. Indeß ſoll nicht verſchwiegen werden, daß eine ziemlich große Zahl von Wörtern zwiſchen der 3. und 4. Conjugation geſchwebt hat, z. B. potiretur und poteretur ¹) Das Schwanken beweißt aber nicht, daß zwiſchen beiden Bildungen nicht etwa ein Unterſchied geweſen ſei, ſondern nur, daß die lateiniſche Sprache bisweilen gegen dieſen Unterſchied gleichgiltlig war, oder mit andern Worten zu ſagen, Heteroclita gebildet hat.
—¹) Vergl. Struve unter potiretur. Vergl. Proll: de formis Lucretianis Grammaticis, Breslau 1858.


