Aufsatz 
Über die lateinische Conjugation in Vergleichung mit der Griechischen / von Daniel Birkenstamm
Entstehung
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In dem Griechiſchen nämlich iſt bei μαααά der Conjunctiv wegen der Contraction völlig mit dem Indicativ identiſch, und eben ſo würde bei amare, welches in der Form genau dem G%ν entſpricht, mit Ausnahme der erſten Singularis der Conjunctiv mit dem Indicativ zuſammengefallen ſein, wenn ihn die Lateiner mit denjenigen Endungen gebildet haben würden, mit welchen ſie den Conjunctiv der übrigen Conjugationen bilden, nämlich am, as, at, wie es aus der Tabelle erſicht⸗ lich iſt. Die Griechen haben ſich nichts daraus gemacht, daß in rεααςνꝙ der Conjunctiv mit dem Indicativ identiſch iſt; die Lateiner jedoch, eine ſolche Zweideutigkeit der Formen vermeidend, haben einen nach Analogie der übrigen Conjugationen gebildeten Conjunctiv, amam, amas, amat, völlig verſchmäht und ſtatt deſſen denjenigen Modus gebraucht, der der Form nach urſprünglich der Con⸗ junctiv iſt und in der dritten und vierten die Bedeutung des Futurs hat.

Aus demſelben Grunde hat nun die zweite Conjugation keine Form, welche analog gebildet iſt, wie leges, audies, ames; denn dieſe, welche wir, wenn ſie vorhanden wäre, die Form des Optativs nennen würden, docem, doces, docet, würde mit Ausnahme der erſten Singularis mit dem Indi⸗ cativ des Präſens identiſch ſein.

Setzen wir alſo feſt, daß drei lateiniſche Conjugationen einen Conjunctiv haben, welcher der Form nach ein wirklicher Conjunctiv iſt, nämlich die dritte, vierte und zweite, nicht aber die erſte und daß ebenſo drei lateiniſchen Conjugationen, nämlich der dritten, vierten und zweiten, eine Form eigenthümlich iſt, welche, wenn wir den Urſprung der Form berückſichtigen, mit Recht ein Optativ des Präſens genannt werden könnte, und welcher die Lateiner in der dritten und vierten Conjugation die Bedeutung des Futurs gegeben haben, die aber in der 1. die Bedeutung des Optativs hat. Ueber den Imperativ brauchen wir nichts zu ſagen; dagegen iſt es nöthig, auf die Natur der 3 Conjugationen im Einzelnen einzugehn.

Wir müſſen hier die vergleichende Grammatik zu Hilfe nehmen, welche gelehrt hat, daß die 3 in Rede ſtehenden Conjugationen mit derjenigen der Conjugation der Sanskritſprache in Zuſam⸗ menhang ſtehen, welche im Präſens ausgeht auf:

aiami, aiasi, aiati, aiamas, aiatha, aianti, aus welchem die 3 Contracta der griech. Sprache ſo hervorgegangen ſind, daß aus aia der Votkal i oder vielmehr der Halbvokal j elidirt, der Vokal a aber entweder unverändert blieb oder in e oder o verwandelt worden iſt. ⁴εμ⁴αεmĩ. T⁴εεμ⁴α, ινμ⁴ ε)e t, rεα) oe, T⁴αε⁸, Tνμ⁴μων‿ε und eben bei piνιe und 4 860. Im Lateiniſchen aber iſt auf dieſelbe Weiſe wie im Griechiſchen aus der alten Conjugation aiami die 1. entſtanden. ama(i)o, ama(i)asi, am-a(i)ati, ama(i)amas, amaſ(i)atas, amali)ant contrahirt zu: amo, am- as, amat etc. etc.

Keinen Ausfall dagegen hat die lat. 2. erlitten, vielmehr iſt hier der Diphthong ai in e

contrahirt worden. doc-aio, doc-aiasi, doc-aiati, doc-eo doc-es, doc-et, u. ſ. w.