Aufsatz 
Über die lateinische Conjugation in Vergleichung mit der Griechischen / von Daniel Birkenstamm
Entstehung
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19 IV. Capitel.

Ueber das Präſens der Uerben, welche ohne Dindevokal gebildet werden.

Das ſind diejenigen, welche der griechiſchen Conjugation auf 9 entſprechen. Sie ſind im Latei⸗ niſchen nicht ganz ſelten; es gehören nämlich dahin alle Verba, welche im Infinitiv zweiſilbig ſind. Aus der 1. Conjugation die Wörter: do, sto, flo, for; aus der zweiten fleo, reor, nach der 4. eo; nach der 3. ferre, esse(edere) und die Wörter esse und velle. Die meiſten dieſer Wörter gehen auch im Griechiſchen nach der 2Conjugation: do= Si3Mν, sto= lsnur; Sum= elε⁴ Häufig haben dieſe Wörter Reduplikationen und dieſe haben ſich auch im Lateiniſchen erhalten, näm⸗ lich bei sisto, ferner bei sero, welches im Particip satus hat und eben daher als die Reduplication se. so aufgefaſſt werden muß, deſſen mittleres s, wie es im Lateiniſchen Sitte iſt, zwiſchen 2 Vokalen zu r ward, wie bei honos G. honosis zu honoris. Hierüber vergleiche Festus sub vocedase, welcher berichtet, daß dase die urſprüngliche Form von dare iſt. Geht eine Reduplication vorher, ſo ſcheint von der alten Wurzel nichts geblieben zu ſein, als die gewöhnliche Endung, die in der. vorhanden iſt.

Daſſelbe geſchieht auch, wenn das Verbum mit einer Präpoſition oder mit einem andern Worte zuſammenwächſt und an dieſes Präfix den Ton verliert:

sto, si-Sto, se-ro, do, perdo, stas, si-Stis, se-ris, das, per-dis stat, si-stit, se-rit, dat, per-dit, stamus, si-stimus, se-rimus, da-mus perdimus statis, si-stitis, se-ritis, da-tis per-ditis stant, si-stunt, se-runt, dant, per-dunt

do, da-s, da-t da-mus, da-tis da-nt. Partic, da-tus perd-o, per-dis, per-dit, per-dimus, per-ditis, per-dunt sto. stas, stat, sta-mus, statis, stant. P. status.

Das Participium iſt von dieſen reduplicirten Wörtern von der einſachen Wurzel abgeleitet worden Se-rd⁴ς, do-Tds.

Auch das Wort bibere möchten wir hierher rechnen mit ſeinem Particip potus. Es iſt ſonderbar, daß das harten P(*) im Griechiſchen ie, rerora Siov, xorde, im Lateini ſchen zu b geworden iſt bibo= mνα, ꝛc. Im Griechiſchen findet im Plural eine Veränderung des Vokals ſtatt: elg, pl. ëueν, rinε,ꝗ Pl. rieεεεν, didO2, Sidoe.

Im Lateiniſchen ſehen wir daſſelbe noch in dem einzigen Worte dare, welches im Singular des Präſens lang iſt, do das, dat in Plautiniſcher Zeit wenigſtens; im Plural dagegen ſtets kurz: damus, datis, dant. Ebenſo im Imperativ die Form da mit langem a, dagegen date, dato etc.