Aufsatz 
Nachrichten über das Leben des Oberschulraths Dr. Joh. Phil. Krebs und seines Sohnes, des Prof. Dr. Rudolf Krebs / E. Bernhardt
Entstehung
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von hier entfernen. Wie wäre es also, wenn Sie Ihre schönen Hundstagsferien benutzten, theils zu Wagen, theils zu Ross oder zu Fuss über Wiesbaden(wo der Antimachische Schellenberg vielleicht izt noch nichts von meiner Nähe weiss) oder über welchen beque- meren Ort Sie wollen, eine Wallfahrt zu den hiesigen behaglichen Najaden anazutreten. Es sind solche gegen jede körperliche Unbequemlichkeit heilsam, und besser als die Wies- badener, wenn man kein echt-evangelischer Gichtbrüchiger ist; was bei Ihnen doch gewiss nicht der Fall ist. Mehr heute zu schreiben, hindern mich Gesellschaften und schlechte Federn und ich möchte sagen, alles; selbst eine Papierscheere fehlte, wie Sie sehen. Im Fall aber Sie obigen Gedanken auszuführen Zeit und Lust haben, wäre es schön, wenn ich baldmöglichst den Tag Ihrer Ankunft erführe, allenfalls ungefähr: dann liesse sich doch vorläufig ein Zimmerchen besprechen, die weiterhin vielleicht knapp sind. Indessen leben Sie mit Ihrer werthen Familie wohl und rüsten sich mit Reiselust! Der Ihrige F. A. Wolf. Anm. Der Wunsch wurde erfüllt. Vgl. oben.

Von Ebendemselben. Berlin, d. 17. März 1824. Hochgeschätzter Herr und Freund.

lch wollte Ihnen früher als der Rudolphus schreiben, vorzüglich um die sorgsame und besorgte Mutter zu beruhigen. Das verstand sich ohnehin bei der Aufmerksamkeit, die ich dem gutartigen und fleissigen Sohne von Anfange her gewidmet, dass ich Ihre Wünsche in Absicht seiner Gesundheit erfüllt hatte, ehe Sie dergleichen izt aussprachen. An Rath und Warnung hatte ich es schon vorher nicht fehlen lassen. Es ist aber keine Gefahr für ihn bisher gewesen, und er ist so gesund wie ein Fisch, soweit das Ansehn verräth. Desto kränker aber bin ich, da seit einer vor fast 2 Jahren besiegten Lungen- entzündung die Brust mir immer schwächer wird, und ich fast asthmatisch werde. In ein paar Wochen muss ich demnach alles hier stehen u. liegen lassen und auf den zwingen- den Rath mehrerer Aerzte und Freunde ans Mittel. Meer auf. Jahr und Tag in klassische Gegenden ziehen über Mediolanum nach dem Griechischen Massalia. Dabei bedaure ich, dass er mich weniger als der Vater hier wird benutzen können, und um so mehr habe ich ihm gerathen, mancherlei auch aus fremden Fächern zu hören, und auch dazu meinen Rath versprochen, denn leicht dürfte er sich mehr dem Privatstudieren ergeben, wozu doch Berlin ein zu theures Pflaster ist. Ob er hier etwas specimenartiges zu stande bringen werde, zweifle ich ein wenig aber lassen Sie ihn überhaupt nicht so rasch emporgehen: dies taugt nicht: so blieb ich etliche Jahre ein kleiner Schulmeister und bereute dies nie. Ernesti machte es eben so.

Aber ich muss abbrechen sonst habe ich bis zum Ende der Woche vergeblich geschrieben.

Unveränderlich der alte Ihrige, Wolf.*)

*) Anmerkung v. J. Ph. Kr.: Dieses war der letate Brief des grossen mir hochverehrten Mannes an mich. Er starb schon am 8. Aug. in Marseille, wohin er sich gesehnt hatte. Klassische Erde bedeckt ihn. Uebrigens wisse man: Damals studierte mein Sohn Rudolph in Berlin unter seiner Leitung. Er wohnte bei einem Landsmanne, der am Nervenfleber krank lag und bald nachher starb. Ich bat bei dieser Nachricht Wolf meinem Sohne das beste zu rathen. Darauf folgte dieser Brief.