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Hoch hab' ich mich gefreut, einen Ihrer Gönner, Hrn. v. Gagern im vorigen Sommer pei unsern damals hier residirenden griech. Spanier kennen gelernt zu haben. Er trägt durchaus die Miene eines sehr trefflichen Mannes. Wo lebt er izt?
Fast muss ich es izt bereuen, nicht im Jun. des vor. J. einen neuen Ruf nach München angenommen zu haben, da mir denn auch, da ich Frankfurt gewiss passirt würe, Gelegenheit Sie zu sehen gegeben hätte. Ich wollte aber meine Anhänglichkeit an einen König, der mir mehr als Einmal wirkl. persönl. Verpflichtung aufgelegt hatte, so lange fortsetzen als mögl. und bis an die Grenze eigener Gefahr treiben.
Seit Anfang dieses Jahres liebe ich jeden Tag 2—3 Briefe an ältere Freunde und ehemalige Zuhörer zu schreiben, um redlich meine Schweigsamkeit aus dem bösen Leu- mund zu bringen. Auch macht mir diess selbst so viele Freude, dass ich wol noch 4 Wochen damit fortfahren werde, d. h. bis auf die Zeit, wo ich meinen neuen Wohnort bestimme. Denn nur immer auf 3— 4 Monate war man seither im Stande gleichsam den Küchenzettel des Lebens zu machen, wiewohl viel weniger an Lebens- als nur an Zeit- genuss zu denken war.
Behalten Sie mich in freundlichem Andenken und leben mit Ihrer Familie wohl, recht wohl! F. A. W— f.
Von Ebendemselben. Hanau, 27. Jun.(18)14.
Es macht mir ein grosses Vergnügen, Ihnen, mein werthester alter Freund, aus dieser Nähe einen Gruss zusenden zu können, da meine weltberüchtigte Briefscheu bisher so lange allen Gedankenwechsel zwischen uns unterbrach. Nun kommt es nur darauf an, dass Sie mir bald auch eine Gelegenheit des Wiederschens seit jener antediluvianischen Zeit geben mögen. Glücklicherweise bedürfen Sie selber wol nicht, wie ich, eines Wies- badenschen Erholungsmittels; aber von Wiesb. aus werde ich eine Reise auf dem Rhein nach Coblenz machen, und da wären Sie denn doch näher. Eilen Sie also, mein Theuer- ster, mir nach Fref. poste restante zu melden, wann und wo ich obiges Wunsches theilhaft werden könne.
Mit alter Freundschaft und Ergebenheit der Ihrige Wolf a. Berlin.
Was für eine treffliche Regierung giebt Ihnen Ihr Frid. Wilh.! ich meyne nach der National-Zeitung v. 1. Jun.— Macte virtute estote!*)
Von Ebendemselben. Schlangenbad, 24. Jul. 1820.
Allerdings, mein alter würdiger Freund, habe ich Ihre früheren Büchergeschenke, sowie das neueste(vor wenigen Monaten) richtig erhalten und mich Ihres gütigen An- denkens und Ihrer rühmlichen Thätigkeit dankbar erfreut. Nur das Briefschreiben wird mir in die Lünge immer beschwerlicher, da ich ohnedies von jeher an der Briefscheu krankte. Desto angenehmer würde mir auf dieser Badereise ein mündlicher Zuspruch von Ihnen seyn. Aber wo? Nach Weilburg zu kommen, entfernt mich bei der Reise hierher allzuweit, zumal da mein Gesundheitszustand mich rasch hieher trieb. Hier aber bleibe ich sicher bis zum 10. August und möchte mich schwerlich mehr als zuweilen 1 Nacht
*) Dies bezieht eich auf die damals versprochene landständische Verfassung.
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