——
50
Von Ebendemselben. H. d. f. Nov. 96.
Zur Zeit meines letzten Schreibens war es mir ziemlich ausgemacht, l. Fr., dass ich den 1. Nov. hier kaum erleben würde. Die Dinge haben sich sehr geändert. Ich erhielt von der jetzigen Theuerung in Holland(und so was ändert sich nicht bald) schreckliche Nach- richten; in Berlin aber wollte gegen alle meine Erwartung Niemand mein Dimissionsgesuch acceptiren, man wünschte, ich sollte Bedingungen vorschlagen, wie hier zu bleiben. Freunde v. Berlin wie hiesige, kamen hinzu, die mir die noch itzt unsichere fluctuirende Lage des Staats in H. vormahlten. So will ich alles kurz zusammenfassen: ich bat mir in Berlin 5 Wochen Ueberlegungsfrist aus und schrieb nach L., dass ich 1. vor dem Frühling auf keinen Fall kommen könnte; 2. dass man mir soviel von dem izigen theuren Leben dort erzählte, dass das izt Angebotene mir grade 1600 Thaler hiesiges Geld wären, die mich gewiss nicht dort soweit führen würden, als hier die 1000, die ich izt(frei lich alles zu- sammengerechnet) etwa hier hätte. Durch diesen Brief wollte ich auf den möglichen, aber mir doch noch wenig wahrscheinlichen Fall vorarbeiten, wenn man mich in B. etwa schlechter- dings nicht ziehen lassen wollte. Aber wieder gegen alle meine Erwartung: man bot mir von Leyden noch 1000 G. mehr, also 4000 G., 1500 mehr als Hemsterh. und Valkenaer(die Vorgänger in dieser Professur) genossen. Nun wurde erst die Schwierigkeit gross, was Sie vielleicht nicht denken sollten. Nur 3 Worte. In Berlin hat man nicht viel Geld, um mich schadlos zu halten; auch wünsche ich propter invidiam gar nicht im Gehalt über alle übrige Proff. hinausgesetzt zu werden— nach L. aber zieht mich nun noch viel mehreres als vorher(blos der düstere Tubus der polit. Zukunft macht mir einige Sorgen)— das Final ist: die Sache ist vor etlichen Tagen vor den König selbst gebracht worden. Allein vor Ostern gehe ich nicht. Den Ausgang der Sache sollen Sie erfahren: sed haec omnia
inter nos.— In der grössten Eile. Vale. Wolf.
Von Ebendemselben. Berlin d. 9. Februar 1808.
Endlich, mein werthester Freund, kann ich Ihnen einmal ein Lebenszeichen geben, nachdem ich aus dem ehemaligen ewigen Tumulte täglicher Arbeiten durch einen fast jährigen hiesigen Aufenthalt zu mir selbst gekommen bin. Indessen kennen Sie meine Gesinnung gut genug, um versichert zu seyn, dass ich auch damals Ihrer immer mit Freund- schaft gedachte und der bessern Hallischen Zeit. Welche Stürme des Unsinns sind seitdem über uns arme Deutschen gekommen! und was soll aus diesen Ruinen selbst jetzt noch werden? Wie ging es unterdessen Ihnen? Irre ich nicht, so klagten Sie doch eben nicht in dem Briefe, womit Sie mir im vorigen Sommer Ihre griechische Sammlung zusandten— und wie herzlich wollte ich mich freuen, wenn Sie in Ihrem Erdwinkel von den Folgen jener Stürme weniger gelitten hätten. Desto mehr hab' ich es gethan, und ein Glück vor den meisten andern(den Guten sowohl als den Schlechten) war für mich noch, dass ich als Mitglied der hiesigen Academie des Scienses meinen halben Gehalt fortzog, weshalb ich mich auch schon im Anfang des vorigen Jahres hierher begab. Aus meinen 2 ersten vorgelesenen Abhh. ist zum Theil das 1. Heft des neulich erschienenen philolog. Museum erwachsen, das Sie vielleicht wieder in die schöne Vorzeit versetzen kann.


