liebevoller Teilnahme sich der einzelnen Schüler angenommen und sich so ihren Dank, der ihm reichlich zu teil geworden, verdient hat, obwohl er nie ihrer Schwäche und Träg- heit nachgegeben, noch auf die unberechtigten Ansprüche der Eltern gehört hat, sondern ohne nach rechts und links zu blicken, ohne um die Gunst des Augenblicks zu buhlen, stets den geraden Weg auf sein Ziel losging und nur seiner Ueberzeugung und seinem Ge- wissen folgte? Ja er ist uns allen ein Vorbild gewesen in treuer Pflichterfüllung, in gründ- licher Arbeit, die auch auf das Kleinste sich mit der grössten Sorgfalt erstreckte; ein Vor- bild auch durch sein sonstiges Leben, das in Uebereinstimmung mit seinem ganzen Wesen und Denken, auf ernster Grundlage beruhend, in massvoller Besonnenheit und Würde ge- führt wurde.“
Zum Schlusse wünschte ich ihm, dass seine körperliche Kraft sich wieder stärken und dass er noch lange in ungetrübtem Genuss der Ruhe in der Mitte der Seinigen und in unserer Mitte leben möge. Dieser Wunsch ist in Erfülluug gegangen; er hat die letzten Jahre, bis zum 7 8sten, im Kreise seiner Familie unter der liebevollsten Pflege heiter und glück- lich verlebt. Den 6. April 1881 feierte er noch in aller Stille den Tag, an dem er vor fünfzig Jahren zum Collaborator an dem hiesigen Gymnasium ernannt worden war. Bald nachher starb seine Gattin, mit der er 41 Jahre verbunden war; am 21. Juli folgte er ihr nach und entschlief sanft ohne Todesfurcht und ohne Todeskampf. Sein Gedächtnis bleibe
in Ehren! E. Bernhardt.
Aaranang.
Briefe an J. Ph. Krebs.*) 1) Von F. A. Wolf.
HI.(Halle), 15. Febr. 96.
Schon oft, m. w. Fr., wollte ich Ihnen schreiben, aber noch immer wartete ich auf die Bücher von Braunschweig vergeblich. Erst vor 4 Tagen erhbielt ich sie, aber ecce! keinen Wartonschen Virgil; durch einen albernen Irrtum ist, da ich blos die Num- mern des Catalogs angezeichnet hatte, ein alt englischer Roman v. W. daraus gewor- den—— Das Unglück ist ziemlich unbedeutend; denn zu unserm Behuf kann nicht viel aus der Version zu lernen sein.— Bei unsern Verabredungen wegen der Ausg. des Virg. bleibt es durchaus. Aber noch eine Nachricht, die Ed. der Eklogen von Voss wird vor Ostern 97. schwerlich erscheinen. Um so eifriger sollten Sie daher an der Arbeit sein, um gegen die Zeit das Ihrige Alles sicherlich wenigstens bis vor lib. 7. Aen. fertig zu halten.— Jetzt müssen Sie alle Zeit dem Virg. widmen u. s. w.
Dass es Ihnen im Ganzen dort gefällt, ist schon alles mögliche. Noch schöner ist, dass Sie einen so braven Collegen zugleich als Freund gewannen. Das Lexicon Jo- nicum habe ich wirklich doppelt und mache Ihnen gern ein Geschenk mit dem einen Exempl.———
*) Der Text nach einer Abschrift von Krebs.


