Aufsatz 
Nachrichten über das Leben des Oberschulraths Dr. Joh. Phil. Krebs und seines Sohnes, des Prof. Dr. Rudolf Krebs / E. Bernhardt
Entstehung
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mitteilte, machte den Eindruck der Unfchlbarkeit. Sein ganzes Auftreten trug diesen Stempel der ruhigen Sicherheit, die sich nie aus der Fassung bringen lässt. Daher herrschte in seinen Stunden die grösste Ruhe, nur üusserst selten brauchte er zu strafen; ein zurechtweisendes Wort genügte, um die Unaufmerksamen und Trägen zur Besinnung zu bringen. Da er selbst mit der grössten Gewissenhaftigkeit seinem Beruf oblag, so er- höhte dies auch das Pflichtgefühl der Schüler. In der That konnte er sich in peinlicher Erfüllung seiner Berufspflichten kaum genug thun. Die Vorbereitung für seine Stunden, die Durchsicht der Schülerarbeiten, die Ueberwachung ihres häuslichen Fleisses geschah mit skrupulöser Gründlichkeit und unermüdlicher Sorgfalt.

Da er so ganz seinem Amte lebte, blieb ihm wenig Zeit zu eigenen litterariscben Arbei- ten.*) Die bedeutendste nach seinem Eintritt in die Lehrerlaufbahn ist die griechische Gram- matik, die er im Jahr 1836 in Verbindung mit dem griechischen Lesebuch seines Vaters heraus- gab. Sie war für untere und mittlere Klassen bestimmt, aber dafür offenbar zu umständlich und hoch gehalten und fand daher, zumal da auch das Lesebuch, das in sechster Ausgabe erschien, allmählich verdrängt wurde, wenig Verbreitung. Er hatte die Sprachregeln in ihrem notwendigen Zusammenhange darzustellen versucht, was er bei dem Griechischen für um so notwendiger hielt, als die Zeit, die darauf verwendet wird, kürzer ist und die praktische Einübung der Regeln nicht in der Ausdehnung geschehen kann, als im Lateinischen. Um die nötige Klarheit zu erreichen und seine auf selbstständiger Forschung beruhenden An- sichten gründlich zu entwickeln, konnte er sich nicht immer kurz fassen. Manche Lehren, wie z. B. über die Bedingungssätze,**) sind so eingehend behandelt, wie sie in Mittelklassen noch nicht durchgenommen werden können. Im Jahre 1847 überarbeitete er mit seinem Kollegen und Freunde, dem Konrektor Francke, seines Vaters Anleitung zum Latein- schreiben, die damals in zehnter, im Jahre 1860 in elfter Auflage erschien. Ausserdem schrieb er noch folgende Programmabhandlungen: im Jahre 1841 de locis duobus Platonis, im Jahre 1846 de ratione modorum verbi graeci, im Jahre 1862 reliquiae libri XXXVII biblioth. Diodori Siculi. De bello Marsico.

Was die weiteren Lebensschicksale anlangt, so wurde er zu Ostern 1837 ausser- ordentlicher Professor. Im Juli des folgenden Jahres trat der Direktor Friedemann aus dem Amte. Mit ihm hatte Krebs anfangs auf dem besten Fusse gelebt, nachher aber, wie sein Vater, Misshelligkeiten gehabt, und so war es ihm denn erwünscht, dass im Jahre 1840 für ihn als Nachfolger Dr. G. W. Metzler eintrat, mit dem er seit längerer Zeit befreundet war und bis zu dessen Tod, der im Jahr 1858 erfolgte, befreundet blieb. Das Jahr 1840 war noch in andrer Beziehung für sein Leben epochemachend, indem er sich den 20. September mit der ältesten Tochter des Bischofs Ammann verheirathete. In ihr fand er eine treue, für ihn und ihre Kinder, deren sie zwei erhielt, eine Tochter und einen Sohn, lebende und auf das liebevollste besorgte Lebensgefährtin.

Im Jahre 1846 wurde zur Revision des Lehrplans für die höheren Schulen eine Kommission nach Wiesbaden berufen. Zu ihren Mitgliedern zühlte auch Krebs als Ver- treter für das Fach der alten Sprachen.

*) In den Aufzeichnungen seines Vaters heisst es: Seit seiner Anstellung achtete er nichts für höher, als sein Amt, welches ihm über alles ging, und wofür er seine Zeit und Kräfte lieber verwandte, als auf unnützes Geschreibsel in dieser ohnehin schreibseligen Zeit.

**) Die Bedingungssätze behandelte er auch in seinem Unterricht mit besonderer Vorliebe.