Aufsatz 
Nachrichten über das Leben des Oberschulraths Dr. Joh. Phil. Krebs und seines Sohnes, des Prof. Dr. Rudolf Krebs / E. Bernhardt
Entstehung
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Druck aber erst 1832 vollendet wurde. Ihr Titel ist: Lectiones Diodoreae partim histo- ricae partim criticae. Emendantur passim aliorum scriptorum loci plurimi.(XIV. 282 S).*)

Inzwischen war an dem Gymnasium durch den Abgang des ersten Professors Eichhoff eine Vakanz entstanden, und der Direktor Friedemann, der unsern Krebs durch persönlichen Verkehr kannte und sich von seiner Befähigung zum Lehramt in den oberen Klassen durch die Erfolge von Privatstunden, die er an Primaner und Sekundaner erteilte, überzeugt hatte, wünschte ihn für die Anstalt zu gewinnen. Auch war es der sehnliche Wunsch des Vaters, seinen Sohn in eine feste Stellung zu bringen. Aber dieser wollte sich der gesetzlich vorgeschriebenen Staatsprüfung nicht unterziehen. Deshalb scheiterten die ersten Versuche Friedemanns und erst als er sich vergeblich bemüht hatte, andere junge Gelehrte hierher zu ziehen, und die Not drängte, ging die Landesregierung auf seinen Vorschlag ein, Krebs auch ohne vorherige Prüfung zum Collaborator zu ernennen, und zwar für den griechischen und lateinischen Unterricht in den oberen Klassen. Mit der Stelle war ein Gehalt von 400 fl. verbunden. Ostern 1831 begann er seinen Unter- richt. Er übernahm in Prima und Sekunda den griechischen Prosaiker und die schrift- lichen Uebungen, in Sekunda las er daneben in der Regel Euripides. Ausserdem war er auch an dem lateinischen Unterricht dieser beiden Klassen beteiligt und leitete die metri- schen Uebungen, die damals mit grossem Eifer betrieben wurden, in Sekunda und Tertia. Als sein Vater abging, im Jahre 1837, bekam er in Sekunda den Hauptunterricht im Lateinischen und blieb von der Zeit an bis zu seinem Abgang Hauptlehrer dieser Klasse. Aushilfsweise hat er auch auf kürzere Zeit mathematischen und historischen Unterricht erteilt. Sein Hauptverdienst ist, dass er den griechischen Unterricht zu grösserer Geltung brachte, die Anforderungen in dieser Sprache höher stellte und mit der grössten Gründlichkeit in die Grammatik und die Lektüre der schwierigen Schriftsteller, insbesondere des Plato und Demosthenes einführte; Thucydides schien ihm weniger für die Schullektüre geeignet. In der Regel gab er eine längere Einleitung in den Schriftsteller und zwar in lateinischer Sprache; mit- unter verlangte er, dass diese zu Hause ins Griechische übertragen werde. Die Erklärung war häufig lateinisch, ebenso die Uebersetzung, doch erst nachdem die deutsche Uebersetzung voraus- gegangen war. Vor allem wurde das genaueste grammatische und sachliche Verständnis von den Schülern verlangt und klare Einsicht in den Gedankenzusammenhang. Weniger kam die Uebersicht über den Inhalt eines ganzen Werkes zu ihrem Recht, da nicht selten nur ein Teil desselben in einem Jahre gelesen wurde und der folgende dann mit der nächsten Klasse. In der Schule sollte eben nur zur gründlichen Lektüre angeleitet werden, daher ging er nur langsam voran; daneben verlangte er aber Ergänzung durch Privat- lektüre und regte fortwährend zu dieser an, liess sich auch keine Mühe verdriessen, sie eingehend zu kontrolieren. Die Methode, die er befolgte, hatte gewiss ihre Schattenseiten, der gelehrte Philolog hat sich vielleicht nicht ganz in den Schranken der schulmässigen Praxis gehalten, aber trotzdem war sein Einfluss auf die Schüler ein ganz bedeutender. Diejenigen, die für Sprachen Sinn hatten, wurden ungemein gefördert und schwuren nicht höher als auf ihn. Die Sicherheit, Klarheit und Bestimmtheit, mit der er sein reiches Wissen

*) Sie wurde von K. O. Müller in den Göttinger gel. Ang. 1832 p. 1369 sqq. anerkennend recen- siert.An dieser Erstlingsschrift eines jungen Philologen wird einem jeden die gründliche Gelehrsamkeit, welche der Verf. in sehr verschiedenen Teilen der alten Geschichte zeigt, und der Geist eindringender Forschung und bündiger Beweisführung gefallen.

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