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Auf den Rat Fr. A. Wolfs, den der Vater bei Gelegenheit der oben erwähnten Zusammenkunft in Schlangenbad befragte, bezog er, um Philologie zu studieren, zuerst die Universität Heidelberg. Hier besuchte er ausser den philologischen Kollegien bei Creuzer und Baehr, die historischen bei Schlosser und die philosophischen bei Hillebrand und war zugleich Mitglied des philologischen Seminars. Im Herbst 1821 ging er nach Göttingen, wo er Mitscherlich, Dissen, K. O. Mueller, Heeren und Bouterweck hörte. Ehrenvoll ist das Zeugnis, das ihm Dissen ausstellte:
Vir humanissimus et doctissimus Fr. Rudolphus Car. Krebs semestri hiberno praegresso audivit me quum Demosthenis orationem de corona expli- carem, hoc autem aestivo semestri operam mihi dedit Encyclopaediam philologi- cam tradenti et Catulli carmina interpretanti. Est in hoc viro insignis amor litterarum antiquarum et indefessum studium, nec fuit mihi auditor hoc magis assiduus. Quare vehementer opto ut quem naviter ingressus est studiorum cursum, hunec feliciter ei liceat continuare, neu desint fautores docti intelligen- tesque, qui optimae spei juvenem doctrina consiliisque suis juvare velint.
Göttingae, d. XII. Sept. Ann. CIDI2CCCXXII.
Ludolphus Dissen, philosoph. profess. p. o.
Den Winter 1822/23 brachte er hier in Weilburg zu, um für sich weiter zu arbeiten. Dann bezog er Ostern 1823 die Universität Berlin, um unter Wolfs Leitung seine Studien zu beendigen. Die Freundschaft, die dieser für den Vater hatte, übertrug sich auf den Sohn; er wurde sein Hausfreund, begleitete ihn oft auf Spaziergängen und ordnete, als er im Frühjahr 1824 zur Herstellung seiner Gesundheit nach Marseille reiste, seine Bibliothek und Briefsammlung. Die Vorlesungen, die Krebs bei ihm hörte, waren jm Sommer 1823: Demosthenes de corona und im Winter 1823/24: Griechische Grammatik und ein Publikum über Röm. Litteraturgeschichte. Ausserdem besuchte er die Vorlesungen von Boeckh, J. Bekker, hörte die Sanscrit-Grammatik bei Bopp, Philosophie bei Hegel, Geschichte der historischen Wissenschaften bei Schubert und die Erklärung von Shake- speares Winters tale bei Dr. v. Seymour. Er blieb drei Semester in Berlin und würde noch länger geblieben sein, wenn Wolf zurückgekehrt wäre. Aber die Nachricht von dessen am 8. August 1824 in Marseille erfolgten Tod bestimmte ihn zur Heimkehr nach Weilburg. Hier vertiefte er sich nun in die miutiösesten Spezialstudien über alte Geschichte, Genealogie und Chronologie, und gedachte sich an einer Universität zu habilitieren. Zu dem Zweck war es nötig, mit einer gelehrten Arbeit in die Oeffentlichkeit zu treten. Dazu konnte er sich aber schwer entschliessen; erst auf vieles Drängen seines Vaters liess er 1828 eine Abhandlung über die Frage: A. Mucius Scaevola P. Rutilii repetundarum rei defensor anno 92 a. Chr. n. utrum augur an pontifex maximus fuerit, in der Allg. Schul- zeitung erscheinen. Sie wurde später von Orelli in das onomasticon Tullianum p. 407 sqq. aufgenommen. Bald nachher liess er eine epistola nomine Mureti scripta ebenfalls in der Allg. Schulzeitung abdrucken, in der er Muretus Meinung über den Tag, an welchem die erste Rede Ciceros gegen Catilina gehalten worden sei, gegen Schirlitz in Wetzlar
verteidigte. Im Jahr 1830 endlich brachte er eine grössere Arbeit zu Stande, deren 6*


