Aufsatz 
Nachrichten über das Leben des Oberschulraths Dr. Joh. Phil. Krebs und seines Sohnes, des Prof. Dr. Rudolf Krebs / E. Bernhardt
Entstehung
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lischen Uebersetzung der Anleitung zum Lateinschreiben mit einem schmeichelhaften Brief übersandte.*)

Seine Teilnahme an dem Schicksal der Schule erlosch nicht. Er besuchte regel- mässig die Prüfungen und öffentlichen Schulakte und unterhielt mit mehreren der Lehrer Verkehr. Daher erklärt es sich, dass diese am 26. Oktober 1845 den Tag, an dem er vor 50 Jahren hier in sein Amt eingetreten war, ihm zu einem ehrenvollen Fest- tag machten, an dessen Feier auch viele sonstige Bewohner der Stadt und Mitglieder der Lehrerkollegien in Hadamar und Dillenburg teilnahmen. Es war für ihn ein hoher Freu- dentag,**) den er noch frisch an Geist und Körper durchlebte. Bei der Gelegenheit gab auch die herzogliche Regierung ihm noch ein Zeichen ehrender Anerkennung; sie be- auftragte nämlich den an dem Gymnasium angestellten Maler Durst, ein Brustbild von ihm zu malen, das zur Erinneruug in der Aula aufgehängt wurde.

So wurde ihm in Wahrheit ein otium cum dignitate zu Teil; sein Alter war in vieler Beziehung ein beneidenswertes. Im Kreise seiner Kinder und Enkel lebte er behaglich, ohne von Unglück oder Krankheit heimgesucht zu werden. Er hatte sich nicht nur ein eigenes Haus, sondern auch einen Garten gekauft, in dem er während der guten Jahreszeit immer einige Stunden des Tages zubrachte und sich mit leichter Lektüre die Zeit vertrieb. Erst den 29. Dezember 1849 verlor er seine treue Gattin durch den Tod und folgte ihr den 25. September 1850 im 80. Lebensjahre nach.

Friedrich Rudolf Karl Krebs, der 2. Sohn des vorigen, war geb. 27. Mai 1804. Seinen ersten Unterricht erteilte ihm der Vater, der überhaupt alle seine Söhne bis zum Eintritt ins Gymnasium selbst unterrichtete, nicht nur in den Elementarfächern, sondern auch in den Anfangsgründen des Lateinischen und Griechischen. Mit dem 8. Jahre(Herbst 1812) trat Rudolf ins Gymnasium. Unter seinen Kommilitonen war der hervorragendste C. F. Hermann, mit dem er im Jahre 1819 konfirmiert wurde und dauernde Freundschaft schloss. Ostern 1820 wurde er mit seiner Klasse für reif zur Universität erklärt, blieb aber seiner Jugend wegen noch ein ½ Jahr länger. Herbst 1820 verliess er die Anstalt, 16 ½ Jahr alt, mit folgendem Zeugnis:

Rudolf Krebs von Weilburg, ein Zögling des hiesigen Gymnasiums, welcher den gesetzmässigen Schulcursus noch um ein halbes Jahr verlängert hat. Wührend dieser ganzen Zeit hat er seine sehr guten Fähigkeiten und einen gleich grossen Fleiss auf das gründliche Studium alter und neuer Sprachen und aller der andern Schulwissenschaften, welche jeder höheren Geistesbildung zum Grunde liegen müssen, mit dem erwünschtesten Erfolge verwendet. Und da er mit allem diesem jederzeit ein musterhaftes sittliches Betragen verbunden hat, so verdient er in jeder Hinsicht das günstige Zeugniss, welches ihm hier- mit unter den besten Wünschen und den schönsten Hoffnungen ertheilt wird.

Weilburg, d. 14. September 1820.

Dr. Christ. Wilh. Snell, Oberschulrath und Director des Gymnasiums.

*) Siehe Anhang.

**) Nullus in vita illuxit mihi dies laetior, schreibt er in seinem Tagebuch. K. F. Hermann übersandte mit dank- und liebevollem Brief die 2. Abteilung seiner Schrift: zur Rechtfertigung der Aechtheit des Briefwechsels zwischen Cicero und Brutus. Gött. 1845.