Aufsatz 
Begriff und Grundform der griechischen Periode / von Bernhardt
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2

Periodenglied und Satz, Periode und Satzverbindung waren also dem alten Rhetor wesentlich verschiedene Dinge. Auch selbst da, wo die Begriffe 7rοeτασ& dπ⁴οσς(was man mit Vorder- und Nachsatz übersetzt) bei der Eintheilung der Perioden zu Grunde gelegt werden, bei Hermogenes rεοο ειοσς. IV, c. 3. zeigt ein Blick auf die Beispiele, dass darunter nicht dasselbe verstanden wird, was die beigesetzten deutschen Ausdrücke bezeichnen. To vdo d odererr ν ν diν d*οοσν⁷ τ⁷ ι²πά²ννοφενν rονς doονκτιις yiveraꝛ,« soll eine zweigliedrige rℳlον sein, wo eine eingliedrige rοτααασνς eine einglie- drige eνπι⁴⁵οσιςα verlange ²).

Dass überhaupt nach den Begriffen der Alten die Periode engere Grenzen hatte, als nach den unsrigen geht aus folgendem Beispiel hervor. Der Anfang des ersten Buchs des Thucy- dides bis zu den Worten odò Zaeπςᷣ driowavro im zweiten Paragraphen ist in unsern Ausgaben durch fünf grössere Interpunctionszeichen abgetheilt, die man wohl in der Regel als Periodenschluss ansieht. Dion. Hal. de comp. verb. c. 23 zählt 12 Perioden. Dissen in seiner Abhandlung de structura periodorum oratoria legt seiner Periodentheorie lauter grosse Satzverbindungen zu Grunde, die die Alten so schlechtweg gar nicht Perioden genannt haben würden, obgleich es ihm wohlbekannt ist(s. p. LXVII), dass der Begriff der Alten ein anderer war, als der seinige.

Diesen Periodenbegriff der Alten und zwar zunächst der Griechen und was genau damit zusammenhängt, die Grundform der griechischen Periode qdeutlich zu machen, wollen wir im folgenden versuchen. Wir glauben, dass es erst dadurch möglich wird, eine Einsicht auch in die grösseren Perioden zu gewinnen, sowie die Urtheile der Rhetoren über den Stil der Classiker zu vollständiger Klarheit zu bringen. So hielten sich auch die frühern Philologen bis auf Ernesti an die Lehre der Alten, und von ihnen hat Johannes Sturm am eingcehendsten dieselbe dargestellt. 3). Sie hat ihren Anfangspunkt in Aristot. rhet. III, 9 und wir wollen zuerst diese Stelle einer genaueren Betrachtung unterziehen und dann kurz die weitere Entwickelung der Periodenlehre bei den späteren Rhe- toren verfolgen.

Kristoteles unterscheidet die prosaische Rede in alοονιν£ 2œτιειισεοιισιιην G. h. sich anreihende und gebundne Rede). Unter der ersten versteht er eine solche, deren einzelne Theile für sich bestehende Ganze ausmachen und nur durch awrihende Conjunctio-

¹) Hermog. I. l. ασ⁴ο sεέ εᷣνερlνκ ονςσεσς 110 ο ³⁵εο Xεμμεμνι oα⁶οσυ drτα vodoc 10ν6 α ¶˖c) ) Jo. Sturmil liber unus de periodis. Argent. 1567. Er stüzt sich vorzugsweise auf Hermogenes a Eaht ien mit hinlänglicher Critik zu Werke.

.., 4. 19. Oratio alia vincta atque contexta, soluta alia.