Begriff und Grundform der griechischen Periode.
Omnium magnarum artium sicut arborum altitudo nos delectat, radices stirpesque non item, sed esse illa sine his non potest.
Cic. or. 43.
L geht gegenwärtig von andern Begriffen bei der Lehre von den Perioden aus, als im Alterthum. Die Neueren verstehen unter Periode ein Satzgefüge, d. h. eine Verbindung von melreren Sätzen, die Alten eine rhetorische Figur, d. h. eine Kunstform der Rede. Die Kategorien der Ueber- und Unterordnung der Sätze, die Gedankenverhältnisse liegen der neuen Periodenlehre zu Grunde, während Zahl- und Grössenverhältnisse und der Rhythmus Hauptge- sichtspunkte der alten Rhetoren waren. Nennt man Periode die Verbindung von Haupt- und Nebensätzen ¹) wie es in der Regel geschieht, so sind die Beispiele, die die alten Rhe- toren geben, zum Theil gar keine Perioden. Alexander Numenins rοι σemeἀαεαν 6Walz Rhet. gr. 9. p. 560.) wählt den Satz: Aoy vdoο 1⁴ω εέν τπανεέι σμιμαμτνιμν̈νν»eν‿ rar u,† Sαααeνεo als Beispiel für eine Periode und dergleichen liessen sich aus allen Rhetoren anführen.
Bei der Eintheilung der Perioden tritt der Unterschied noch deutlicher hervor. So soll das obige Beispiel eine dreigliedrige Periode sein, obgleich es nur ein Satz ist.
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1) Naegelsbach lat. Stil.§. 147.


