Aufsatz 
Beispiel einer Phraseologie, wie sie vielleicht in Schulen nicht nur zu dulden, sondern einzuführen wäre, wenigstens in den beiden obern Klassen
Entstehung
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urtheilen zu koͤnnen. Denn da ſie nakend iſt, ſo verbirgt ſie ihre dehlae wenn ſie wel⸗ che hat, und zeigt ihre Schoͤnheiten nicht zu wenig.

Es iſt ein ſtehender Greis. Kno⸗ chen, Muskeln, Nerven, Adern, ſogar Runzeln haben allen Ausdruck des Lebens. Die Haare find duͤnne und zuruͤkfallend, die Stirne iſt breit, das Geſicht eingeſchrumpft, die Arme hangen herab, die Bruſt iſt platt, der Bauch eingefallen. Auch der Ruͤkken druͤkt das Alter vollkommen aus, und die Farbe des Erzes giebt genugſam zu erkennen, daß das Stuͤck aͤcht und antik in. Kurz alles iſt ſo vollendet und ſchoͤn, daß es die Augen des Kuͤnſtlers feſſeln und der Unwiſſenden ihre

reigen muß.:

Dies hat mich angelokt, es zu kaufen, 8 ein mittelmäſiger Kenner ich auch bin. icht in der Abſicht um mein Hauß damit auszuzieren(denn ich habe noch nichts von korinthiſchem Erze darinnen) ſondern in un⸗ ſerm Vaterlande an einem offentlichen Orte aufzuſtellen, und vornehmlich in Jupiters Tem⸗ el. Das Geſchenk ſcheint mir des Tempels o wohl, als des Gottes wuͤrdig zu ſein.

Uebernimm alſo dieſe Sorge, wie du alle meine Auftraͤge zu uͤbernehmen pflegſt, und laß iezt gleich ein Fußgeſtelle machen, aus welchem Marmor du willſt, und mei⸗ nen Naniten und Wüen darauf ſezen, wenn

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du das beztere für noͤthig haͤlſt. Die Bild⸗ 3 ſaͤule