Aufsatz 
Naturwissenschaft, Glaube, Schule / von J. Berger
Entstehung
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2. Die Geſchichte beweiſt, daß die Naturwiſſenſchaften nicht zum Unglauben führen.

Haben nun Inhalt und Methode der Naturkunde mit dem Materialismus nichts zu ſchaffen und hört man trotzdem Männer, die in der Geſchichte erfahren ſein müſſen, das Gegentheil behaup⸗ ten; ſo wird vielleicht die Geſchichte unſerer Wiſſenſchaft einen Beweis für dieſe Behauptung liefern.

Sehen wir zunächſt an einigen Beiſpielen, ob die materialiſtiſche Richtung des freien Geiſtes überhaupt das Fabrikat eines beſon⸗ deren Studiums ſei, wie die Behauptung ohne weiteres vorausſetzt. John Locke, welcher der Vater des neueren Empirismus und Materialismus genannt wird, hatte in ſeiner Jugend Philoſophie und beſonders Medizin ſtudirt. Letztere konnte ihm zu dieſer Va⸗ terſchaft verholfen haben. David Hume hatte ſich erſt der Jurisprudenz, dann dem Kaufmannsſtande gewidmet; Condillac war Abbé, beide waren Lockes Geiſtesverwandte und Weiterförderer ſeines Syſtems. Vermuthen wir auch einmal, um conſequent zu bleiben, daß vielleicht in der Jurisprudenz oder in der Kaufmann⸗ ſchaft oder gar in der Theologie der Keim zum Materialismus ſtecke, oder in den Finanzen, wo doch ſo ſehr viel Materielles zu finden iſt; denn Helvetius, bei den Jeſuiten erzogen, war Finanzbeamter und zog dann in ländlicher Zurückgezogenheit die ſittlichen Conſequenzen aus den Syſtemen der Erſtgenannten; Be⸗ friedigung der ſinnlichen Luſt war ſeine Moral. Büchner beruft ſich auf Voltaire(?), Mirabeau, Danton, Friedrich den Großen und eine große Anzahl von Naturvölkern. Voltaire, im Jeſuitenkolleg Louis le Grand erzogen, machte ſeinem Vater zu lieb einige mißlungene Verſuche in der praktiſch⸗juriſtiſchen Laufbahn und beſchäftigte ſich mit der Literatur; Mirabeau hatte im Militairpenſionat zu Paris beſonders in der Mathematik Fort⸗ ſchritte gemacht und ſich auf Corſika mit der Kriegskunſt be⸗ ſchäftigt; Danton war urſprünglich Advokat; Friedrich der Große hatte ſich in ſeiner Jugend neben Exercierübungen bekanntlich mit Vorliebe der Dichtkunſt und Muſik gewidmet. Was brachte nun

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