Aufsatz 
Naturwissenschaft, Glaube, Schule / von J. Berger
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

G. Burmeiſter, Joh. Müller, R. Wagner, P. Flou⸗ rens, Schmidt, Biſchoff, beézeichnen die erſtere als eine den unorganiſchen Weſen gegenüber den organiſchen eigenthümliche Kraft, andere wie M. J. Schleiden, G. A. Spieß, Du Bois⸗Reymond, J. M. Schiff, C. Ludwig, A. Fick, welche ſie zu läugnen vermeinen, haben es mehr mit dem Namen, als mit der Sache zu thun, und erkennen ſie implicite auch an, wie Ulrici klar dargelegt hat. In Bezug auf die Seele aber, und auf das Grundphänomen des Geiſtes, das Bewußtſeiner⸗ klären alle Naturforſcher einſtimmig, daß ſie bis jetzt außer Stand ſeien, dieſelben aus den in der Natur waltenden Kräften die Lebenskraft nicht ausgenommen abzuleiten oder zu erklären; ja die meiſten geſtehen, daß ſie keine Möglichkeit abſehen, wie dies je gelingen könne, d. h., daß ihnen die Entſtehung derſelben mittelſt der bekannten Naturkräfte undenkbar erſcheine. A. Wachs⸗ muth, der neueſte Bearbeiter der naturwiſſenſchaftlichen Seite der Pſychologie, bezeichnet den gegenwärtigen Standpunkt der Phyſiologie klar und beſtimmt, wenn er bemerkt:Daß pſychiſche Erſcheinungen mit ſehr weſentlich von anderen Lebenserſcheinungen des menſchlichen Organismus verſchiedenem Charakter exiſtiren, hat noch niemals irgend Jemand geläugnet. Mag nun auch Streit darüber ſein, wo⸗ hin die Grenze zwiſchen pſychiſchen(Seelen⸗) und nicht pſychiſchen Funktionen verlegt werden ſoll, ſo iſt es doch lächerlich, allgemein von pſychiſchen Erſcheinungen zu ſprechen und doch gegen das dieſe Erſcheinungen zuſammenfaſſende Wort Seele Bedenken zu erheben. Wie freilich durch die Thätigkeit des pſychiſchen Organs, Ge⸗ fühle und Vorſtellungen in der Seele entſtehen, was dieſe ſind, wiſſen wir gar nicht; ſie drängen ſich aber unſerer Selbſt⸗ beobachtung unzweifelhaft auf. Auch iſt ausdrücklich hervorzuheben, daß wir bis jetzt weder das Organ(das Gehirn) im Zuſammenhang mit der normalen Funktion desſelben, d. h. die pſychiſchen Leiſtungen als nothwendige Folgen ſeiner Funktionsthätigkeit im einzelnen demonſtriren können, noch die pſychiſchen Krankheiten als Folgen nutritiver oder funktioneller Störungen des Organs nachzuweiſen