Aufsatz 
Naturwissenschaft, Glaube, Schule / von J. Berger
Entstehung
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ſchon bemerkt, nur dann als richtig und feſtſtehend betrachtet, wenn es durch Beobachtung und Rechnung allſeitig und un⸗ umſtößlich bewieſen iſt; der Naturforſcher hält eine Erſchei⸗ nung dann nur für erklärt, wenn er ſie durch Verſuch oder Rech⸗ nung ſelbſtändig darzuſtellen oder nachzubilden, gleichſam wie⸗ der zu erſchaffen verſteht. Eine einzige, gediegene Abhandlung aus einer naturwiſſenſchaftlichen Zeitſchrift hätte dasſelbe gethan. Und wer von dem Geiſte ſeiner Wiſſenſchaft durchdrungen, ſo zu beweiſen und Triumphe zu feiern gewohnt iſt, ſollte eine beſondere Neigung haben, ſich zu jenen leichtfertigen Schlüſſen zu erniedrigen, um in raſchem Vorgehen zu Reſultaten zu gelangen, die ſeinen Wünſchen und Gefühlen widerſprechen? ſollte ſich herbei laſſen, logiſch wenig, naturwiſſenſchaftlich gar nicht begründete Reſultate dem Publikum mit einem Vertrauen erweckenden, blendenden Schimmer von Viſſenſchaftlichkeit als ein Evangelium der Natur zu predigen?

Aber man bezeichnet ja häufig die Lehre des Materialismus als ein Ergebniß der Naturwiſſenſchaft. In ihrem mühevollen, vorſichtigen und langſamen Vorſchreiten wäre alſo dieſelbe in der kurzen Zeit ihres Blühens zur Löſung der höchſten Fragen gelangt! Nein, die Zahl der feſtſtehenden Geſetze iſt trotz der großen Fortſchritte eine ſehr kleine. Betrachtet man irgend ein Lehrbuch der Aſtronomie, Phyſik, Chemie, Geologie, ſo findet man kein einziges Kapitel, das zu einem vollſtändigen Abſchluß gekommen wäre. So oft und allſei⸗ tig iſt dies, auch von Materialiſten, anerkannt und geſagt, daß wir nicht nothwendig haben, es hier noch einmal zu begründen. Am wenigſten von allen Zweigen der Naturwiſſenſchaft iſt aber die Phyſiologie ausgebildet, welche doch die hierher gehörigen Fragen eigentlich zu entſcheiden hätte. Eine Hypotheſe verdrängt die andre, um wieder von einer folgenden verdrängt zu werden, die zu ver⸗ nichten das Streben der Forſchung iſt.

Die Materialiſten von Profeſſion ſind zwar, wie wir ge⸗ ſehen haben, mit oder ohne Hilfe der Naturkunde über Lebenskraft und Seele hinausgekommen. Die ausgezeichnetſten Phyſiologen,