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zu unterstützen hat man ihm, wie aus vielen Stellen in Bezug auf weit auseinanderwohnende Völker ganz deutlich hervorgeht, in homerischer und noch späterer Zeit nirgends zugemuthet, dafür war der Ochse da, der, wie Aelian sagt, ja ein Landmann war und die Arbeit und Mühe des Menschen theilte. Dieser Anschauung entspricht dann ganz natürlich die hohe Meinung von dem Wesen und Werth des Thieres; als Begleiter des Mannes in die Schlacht wird es selbst gewissermassen zum Kämpfer, zum Helden, nimmt menschliches Wesen und Art an. Aber eben weil es selbst ein Stück vom Helden in sich trägt, will das Heldenross auch nur dem wirklichen Helden gehören, mit dem es dann völlig verwächst; den schwachen Reiter wirft es ab oder— wofür dieser ihm noch dankbar sein kann— lässt sich von ihm gar nicht finden. Solche Heldenrosse sind auch die berüchtigten Menschenfresser des Diomedes, die endlich in Herakles ihren Herrn finden; und dass auch unsere dem Achilleus ge- hörigen Thiere nicht Jedwedem pariren, zeigt P 475 fl. Die Rosse der Heldensage und die des Märchens sind nun durch eine feine Grenzlinie von einander geschieden. Dort tritt auch im Thiere das Heldenhafte, das Ueberkräftige stark hervor; welche Lasten diese Thiere zu tragen, wie rasch und wie weit sie futterlos zu rennen vermögen, dafür sind uns Odin's Sleipnir, Sigurd's Grani, Reinold's Bayard ¹) und die Leibthiere einiger in russischen Märchen vorkommenden Sagenhelden bekannte und rührende Beispiele, von Wittekind's, des Sachsenherzogs, Hänsken ganz zu geschweigen. Das Helden- ross im Märchen dagegen fesselt uns zunächst durch die rührende Zuthunlichkeit an seinen Herrn, durch wahrhaft menschliches Gebahren; mit dem letztgenannten Vermögen überschreitet es das Gebiet der realen Wirklichkeit, und es ist nicht schwer, in Gedanken noch einen Schritt weiter zu gehen und sothanem Ross neben seinen körperlichen Vorzügen auch noch Ahnungs-, Denk-, Gefühls- und Redevermögen zu übertragen. Ganz besonders werden wir dies bei Völkern erwarten dürfen, die in innigerer Gemeinschaft mit dem Thiere stehend ihm seine Gedanken und Gefühle gewisser- massen abzulauschen verstanden haben, so den Mongolen, Ungarn, Russen. Sind nun auch die Bei- spiele weniger häufig, in denen weinende Pferde eingeführt werden, so hat doch B. Schmidt(Griech. M., S. u. Volkslieder S. 237) gerade auf einige sehr schöne Belege aus der Alexandersage, dem neu- griechischen Volks- und Klephtenlied aufmerksam gemacht. Für redende Rosse mögen die wenigen Beispiele genügen, die dem Verf. bei dem engen Umkreis seiner Lektüre in letzter Zeit sich darge- boten haben. Ein echtes Zauberpferd tritt uns gleich in dem gleichnamigen ungarischen Märchen (Stier Nr. 4) entgegen; es theilt die Eigenschaft der meisten Zauberpferde, hässlich und höchst un- scheinbar zu sein, mit seinem Doppelgänger in„Eisenlaci“(Stier Nr. 15); die Fähigkeit zu reden und klugen Rath zu ertheilen mit Vielen: mit Taigaröt, des Flammenkönigs Holofernus Ross; mit dem Renner Tugarins im russischen Märchen von Dobryne Nikititsch(O. L. B. Wolff, Märchen- schatz I, S. 182); dem Füllen im zakynthischen Märchen von der siebenköpfigen Schlange(Schmidt Nr. 23) u. s. w. Letzteres führt uns in seiner Freundschaft mit dem Prinzen auf das walachische Märchen„Die Kaiserstochter und das Füllen“(Schott, Walach. M. Nr. 16), in dem das ebenso kluge wie schnelle Thier fast die Hauptrolle spielt. Dagegen tritt in dem ebenfalls walachischen Märchen „Juliana Kosseschana“(Schott Nr. 17) wieder das unscheinbare, aber— und das ist ein neuer Zug— durch Fressen dreier Feuer und durch Aussaufen dreier Kessel mit heissem Wein erst recht lebendig, muthig und redselig werdende Heldenross entgegen. Im russischen Märchen(z. B.„Von der höchst wunderbaren und selbstspielenden Harfe“, Dietrich Nr. 2 und„Vom Ritter Iwan, dem Bauernsohne“, Dietrich Nr. 4) pflegt das Heldenross in einem unterirdischen mit verschiedenen Eisenthüren ge- schlossenen Stall zu stehen, den nur der prädestinirte Held zu finden und zu öffnen vermag, worauf dann das Ross vor ihm auf die Kniee fällt und durch einen Schlag auf die Hüfte geweckt mit seinem
¹) Auch die mongolische Heldensage kennt solche wunderbarer Rosse, s. Jülg in d. Verh. der Würzb. Phi- lologenvers. S. 60 u. m.


