Aufsatz 
Die märchenhaften Bestandtheile der homerischen Gedichte / Bender
Entstehung
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III. Die Rosse des Achilleus.

Achilleus, durch die Noth der Griechen endlich erweicht, gestattet seinem Patroklos am Kampfe Theil zu nehmen. Dieser hüllt sich in die Rüstung des Freundes(Il. II 131— 145), ver- anlasst den Automedon, die Rosse an den Wagen zu schirren

II 149. Sarνον zad Bal³ior, 1dn dμα πτνοιιντõ0ύꝑsreνν,

rodc erexe Zeq†νο νε̈ιν tdoπæ TIoddνοꝙ die unsterblichen(1I 154), einst dem Peleus von den Göttern geschenkten(II 867, P 443), und zieht dann selbst in's Schlachtgetümmel, aus dem er nicht mehr lebend zurückkehren soll. Sobald die abwärts von der Schlacht stehenden Rosse des Aeakiden den Tod ihres Wagenlenkers vernehmen, weinen sie(P 427 ff.) und pleiben, weder durch Schmeichelworte noch durch Drohungen und Geissel- hiebe Automedon's bewegt, eine Zeit lang regungslos wie eine Grabsäule auf ihrer Stelle stehen,

P 437. oi⁶ε ενιασσηεννκννε αασιςνᷣαάνdαονυιαι d‿ε σ—φσmν

9εοιμι νκ νεκαςςσν αάηα⁴⁵νςα σεε eυιοοεμνισ

1νναοο νπ ϑαἀάαεον ε μιαανεο Xαrn,

geiyn*ε&εεοιννπονσασ τταάο Ʒσυννν νισοεεμισινειν. Zeus erbarmt sich der edlen Thiere, dass sie neugestärkt den Automedon aus der Feldschlacht in's Lager zurücktragen. Am folgenden Tage, nachdem Thetis von Hephästos neue Waffen für ihren Sohn erlangt hat, zieht dieser selbst in den Kampf, für den erschlagenen Freund Rache zu nehmen. Automedon und Alkimos schirren die Rosse an(7 392), der Erstere fasst die Geissel, Achilleus schwingt sich hinter ihm auf den Wagentritt und gibt, ehe die Axe sich umschwingt, seinen Thieren noch den naheliegenden Rath, den Wagenlenker diesmal nicht, wie Patroklos, todt im Gefilde zu verlassen. Da neigt das rasche Ross Xanthos das Haupt zur Erde und, von Hera mit Sprache be- gabt, weissagt es seinem Herrn mit klarem Bewusstsein das nahe Verderben(T7 408— 417). Tief ist der Eindruck dieser einfach düsteren Scene, und es beweisst auch nach dieser Seite hin wiederum die erstaunliche poetische Sensibilität des Dichters, dass er sofort hier abbricht und nach einer— ebensowohl vom Rhapsoden zu beobachtenden wie vom Urheber der Eintheilung in 24 Gesänge be- obachteten— Pause ein ganz anderes Bild dem Hörer und Leser vorzuführen für gut findet.

Märchenhaft erscheint nur der Zug, dass die Rosse denken und reden ¹), fühlen und weinen; die merkwürdige Genealogie der Thiere müssen wir direkt in's Gebiet des Mythus verweisen. Der erwähnte Zug aber führt uns in eine solche Naivetät der Naturanschauung, in eine Zeit und Gegend so traulichen Zusammenlebens von diesem mit Vorliebe edel genannten Thiere mit dem Menschen zurück, dass es sich der Mühe lohnt, an der Hand eines so kundigen Führers wie Hehn ²) einen kurzen Blick über seine Verbreitung und Benutzung in alter Zeit zu werfen. Als die Heimat des Pferdes sind die Kiessteppen Centralasiens anzunehmen; von da ist es allgemach nach Süden und Westen vorgedrungen und dem Mongolen, dem Türken treuster und geliebtester Begleiter auf allen Lebenszügen geworden. Wie es von seiner hervorragendsten Eigenschaft(Wurzel ak eilen) seinen Namen empfangen, ist es dem Nomaden Sinnbild der Schnelligkeit und, vielleicht ursprünglich von ihm gejagt, ihm wie den cultivirten Bewohnern Mesopotamien's und Kleinasien's und schliesslich Europa's als Reit- und Kampfwagenthier steter Begleiter im Krieg geworden. Die Arbeiten des Oekonomen

¹) Die Gabe der Weissagung ein eranischer Zug, wie Hehn, Kulturpflanzen und Hausthiere. 2. Aufl. Berlin 1874. S. 48 erörterte. Auch bei den Germanen findet sich der Glaube an weissagende Rosse. ²) Hehn, Kulturpflanzen und Hausthiere. 2. Aufl. S. 20 ff.