Aufsatz 
Die märchenhaften Bestandtheile der homerischen Gedichte / Bender
Entstehung
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14 Sonnendienstes eranischen Ursprungs mit semitischen Traditionen und vielleicht schliesslich mit der nachklingenden Erinnerung alter Colonisationsfahrten nach Kleinasien zu erkennen haben, und es ist, für diese Erklärung nicht bedeutungslos, dass die Haupthandlung in Lykien spielt, dem Eigenthum des Lichtgottes Apollo, der Verkehrsbrücke zwischen Kleinasien und der Ostbucht des Mittelmeers.

Viel zu weit würde es führen, auf die vielerlei möglichen und unmöglichen mythologischen Deutungen hier einzugehen, denen die mit Bellerophontes feindlich zusammenstossenden Wesen der Chimaira, der Solymer, der Amazonen unterworfen worden sind. Zwar hat man ziemlich allgemein in der ersten Gestalt

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Jeενπννν mCοωσπνεαουνασάσα τιννοεσ μeμννο ανσινέιμ̈ιο eine Personifikation vulkanischer Gewalten, wie sie in Lykien noch jetzt ziemlich deutlich sich be— merkbar machen, erkennen wollen; weniger wusste man mit den Solymern anzufangen, deren Namen schon bedenklich in's Semitische weist(cf. Hierosolyma; dry/ drs),“) und endlich ist es

eine zwar schöne Conjektur Sepp's²), die aber in diesem Zusammenhange erst noch weiterer Be- stätigung bedarf, wenn er den Amazonenkampf unseres Helden mit der neunten That des Herakles, mit dem Bündniss des ägyptischen Horus und der Amazonenkönigin Myrina zusammenstellt und den- selben als Sieg des Sonnendienstes über den Gestirndienst auffasst.

Und welches sind nun, da das Ganze, wenngleich viel Mythus drinsteckt, seiner ganzen Haltung nach doch nicht als Märchen bezeichnet werden kann, die märchenhaften Züge der Er- zählung? Unzweifelhaft ist erstens die Chimaira eine Märchengestalt, jenes Wesen von abscheulicher Hässlichkeit, Löwen-, Ziegen- und Schlangenart in Einem Leibe vereinigend, feurigen verderblichen Hauch den Feinden entgegenschnaubend. Der„Drache“ ist überhaupt eine Lieblingsgestalt des Märchens und gerade im griechischen(auch albanischen) Märchen spielt er noch jetzt eine grosse Rolle. Ist er doch selbst in die zarte Erzählung von Amor und Psyche und alle ihre Parallelen eingedrungen! Was diese unfassbaren Missbilder näher zu bezeichnen pflegt, ist gewöhnlich der Besitz eines oder mehrerer Köpfe, ungeheure Kraft und Schnelligkeit und eine diesen Eigenschaften ent- sprechende Stärke des Appetits, besonders nach saftigem Menschenfleisch.— Märchenhaft ist ferner der Zug, dass dem Helden grade drei*) Aufgaben gestellt werden und dass er sie, mögen sie noch so gefährlich erscheinen, selbstverständlich glücklich löst. Die Zahl drei spielt, wie schon oben erwähnt, gerade hier eine hervorragende Rolle. Auch im ungarischen Märchen von den drei Königs- söhnen(Stier Nr. 1) harren des Helden drei Thaten(ebenso im ungarischen Märchen Nr. 10 und Nr. 14); im neugriechischen„Die drei Citronen“(Schmidt Nr. 5),„Die verzauberte Königstochter oder der Zauberthurm“(Nr. 6), in einer ganzen Reihe von dänischen und ganz besonders deutschen Märchen tritt dieselbe Zahl der Aufgaben als stereotype hervor.— Endlich entspricht es ganz der Naivetät des Märchens, wenn Jobates, der den gefürchteten Helden dreimal sozusagen in den Tod schickt und auch beim vierten Versuch den Kürzeren zieht, scheinbar, als wäre gar Nichts vorge- fallen, demselben seine Tochter und die Hälfte des Königreichs„mit Vergnügen“ überliefert. Das Naive liegt in der gemüthlichen Anschauung vom Wesen des Königthums, und es ist nur eine Con- sequenz dieser Anschauung, wenn in dem möglicherweise aus Russland herübergekommenen dänischen Märchen„Die Wünsche“(Grundtvig S. 115 ff.) Lars, der Urfaullenzer, ohne jeglichen Anstand von Seiten der Grossen Erbe des Königsthrones wird.

¹) Zugleich ein weiterer Beweis für den oben berührten Handels- und demgemäss auch Ideenverkehr.

²) Altbayr. Sagenschatz. München 1876. S. 238.—

³) Aehnlich muss Odysseus dem Kyklopen dreimal Wein bieten. Vgl. auch Neo⸗ll. Avd.. I, 1 Nr. 10(angef. von B. Schmidt, Griech. M. S. 226).