Aufsatz 
Die märchenhaften Bestandtheile der homerischen Gedichte / Bender
Entstehung
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die spätere Zeit, die für den auffallenden Aufenhalt des Ephyräerhelden in Korinth eine Erklärung suchte, ihn zum Be4*οο‿†φςωνυε, zum Bellerostödter, stempelte. Dieser Belleros mag dann sein Bruder (hier fällt uns Timoleon ein, s. Corn. Nep. Tim. 1) oder Verwandter oder sonst wer gewesen sein. Nun ist freilich nicht zu leugnen, dass das in griechischen Eigennamen(cf. KOρσαονννο* noch öfter vorkommende — qörwus tödtend bedeutet ²); aber wenn wir nirgendwo etwas über jenen getödeten Belleros erfahren, wenn Eustath. 632, 6 berichtet, Bellerophon habe selbst auch Belleros geheissen, und an einer anderen Stelle(635, 6) sagt, BeAlsoοoςννε sei= ElA*οςoντνν νπμ σο νðεπłνιισ e‿αμάee, A6Oανo„αο σαρσι να d᷑²exνον τα καάeαη, so sind wir leicht versucht, dem Worte einen anderen tieferen Sinn unterzulegen. Nun scheint es mir wenig glaublich, anzunehmen, dass ein Held ganz im Allgemeinen nach der siegreichen Bekämpfung des Bösen, Feindlichen(1d ε‿‿α) B1*ο†oννν genannt worden sei. Ob sich Pott's Erklärung durch Vritrahän, Vritratödter(d. i. Indra) lautlich rechtfertigen lässt, möchte ebenfalls bezweifelt werden. Dagegen hat die in lautlicher Erklärung von Pott's Ansicht abweichende, sachlich aber schliesslich mit ihm übereinstimmende Ausführung Müllers?) viel Glaubwürdiges. Er führt das griechische eε⁴εο auf skt. varvara zurück, das, mit loο, 20νον, vellus, villosus stammlich verwandt ³), in der Bedeutung zottig, haarig wirklich vorkommt. Wer ist nun aber jener Mörder des Zottigen? Es kann nur an Indra, den Lichtgott, gedacht werden, den Segenspender, der den befruchtenden Regen auf die Erde herabsendet. Denn der Regen strömt nicht eher, so lehren die Vedas, bis der Gott den schwarzen Dämon, die Wetterwolke, die schwarze Haut“), die das Nass gefangen hält, getödet i. e. gespalten hatꝰ). Denken wir uns dieses villosum, dieses Vliess personi- ficirt, so haben wir ein zottiges Thier, einen Widder vor uns; und es scheint mir ein dem Griechen unbewusster Reflex der ursprünglichen Bedeutung von Be4εο†ςνυνα zu sein, dass er den Helden ausdrücklich zum Erleger ebenfalls eines villosum, nur feminini generis, der X/⁴ααα gemacht hat. Demnach ist Bellerophontes Doppelgänger des Herakles und Perseus) und wie Jene im Grunde nichts Anderes als der über dunkle Dämonen siegende Gott des lichten Himmels. Auffallend bleibt immerhin mit dieser Auffassung des Mythus der vielleicht aus griechischer Autochthonenthumssucht zu erklärende Zug, dass der Sonnenheld, der doch naturgemäss dem Osten, dem Lykierlande entstammt sein sollte, durchaus zum Griechen gestempelt wird; ferner die ganz unabhängig von den übrigen griechischen Analogieen des Stammes var— z. B. Sοεαρο— gebildete Form gelleo und endlich das Hinein- spielen eines Motivs, das der ursprünglichen Gestalt— sofern die Erklärung von Bellerophontes mit Indra überhaupt richtig ist— ganz ferne steht: die Verführungsgeschichte des Helden. Die Worte der Ilias(Z 160 ff.) zeigen eine so frappante Uebereinstimmung mit der Erzäühlung, wie Joseph von Potiphar's Weib versucht wird(1. Mos. 39, bes. 7 und 17)*), dass bei dem unleugbar ziemlich leb- haften IHandelsverkehr zwischen Troas und der Südostküste des mittelländischen Meeres*) wohl an eine Uebertragung der hebräischen Geschichte gedacht werden kann. Dies angenommen, würden wir in der Bellerophontesgeschichte, so wie sie uns II. 2 155— 211 vorliegt, eine Verquickung uralten

¹) M. Müller, Essays II, 154.

²) Essays II, 156 ff.

³) Curtius, Grundz. d. gr. Etym.⁴ S. 347.

⁴) S. die von M. Müller am angef. O. citirten Stellen.

⁵) Vergl. noch Rigveda übers. von Grassmann(Leipzig 1876 und 1877. 2 Bände) I, 15, 16, 18, 24, 76, 78, 80, 81, 122, 127, 247, 248, 251. II, 59, 125, 136, 387.

) Wie denn merkwürdig genug auch Hesiod Theog. 325 den Bellerophontes mit Hülfe des ursprünglich doch wohl der Perseussage angehörigen Pegasus über die Chimaira siegen lüsst.

*) Cf. Koran Sure 12, wo die Sache freilich einen ganz anderen phantastisch erweiterten Ausgang nimmt.

8) II. Z 290, wo von sidonischen Gewändern die Rede. S. auch La Roche zur Stelle in s. Ausg. mit Anm. II S. 66.— Ferner Il. I 381.