Aufsatz 
Zur Berechnung der barometrischen Höhenformel / Bender
Entstehung
Einzelbild herunterladen

35

ad 4) Daß die nicht gleichzeitigen Aenderungen der Barometerſtände, welche eine Funktion der Entfernung der beiden Orte, der Vertheilung der Wärme in den betref⸗ fenden Luftſchichten und deren Bewegung ſind, wie Ableſungsfehler wirken, hat Prediger bei ſeinen vielen Beobachtungen im Harz ſelbſt bei Orten geſunden, welche vertikal und horizontal nur eine geringe Entfernung hatten. Bei größeren Entfernungen können Unterſchiede von 4 6 Lin. ſich ergeben, ſo daß, wenn dieſer Fehler nur 1,5 Lin. beträgt, dh= 45, 418 wird. In dieſem Umſtande erklären ſich alle Incongruenzen, welche bei barometriſchen Höhenbeſtimmungen vorkommen, zumal da dh bei größeren Ent⸗ fernungen viel bedeutender wird, und dieſer Punkt iſt es, welchen Pick nicht gehörig hervorgehoben hat.

ad 5 6) Da die im Punkte 5 angeführten Vernachläſſigungen, wie ſchon Pick nachgewieſen, kaum einen Einfluß auf das Reſultat ausüben; da ferner die in 6 be⸗ zeichneten Einflüſſe ſehr ſchwer zu beſtimmen ſein werden: ſo iſt bei der Ausführung der praktiſchen Meſſung darauf zu achten, daß die Entfernung der Beobachtungsorte nicht zu groß, nicht über 5 Meilen gewählt werde.

Daß es auch noch unbekannte Elemente geben mag, welche außerdem auf das Reſultat influiren, iſt ſchon aus dem Umſtande denkbar, daß die Schwerkraft innerhalb gewiſſer Grenzen veränderlich iſt, daß die Grenzen der Atmoſphäre der Configuration der Erde folgt, und daß insbeſondere die Luftſtrömungen in den höheren Regionen auf dieſe Berechnungen einen großen Einfluß ausüben ¹). Schnell wechſelnde und unregel⸗ mäßige Witterung, Gewitter und heftiger Wind ſind für barometriſche Meſſungen jeden⸗ falls ungünſtig.

Das Ergebniß ſeiner Unterſuchungen faßt Prediger²) in dem Satz zuſammen: Höhenunterſchiede, aus correspondirenden Barometer⸗Beobach⸗ tungen abgeleitet, beſitzen allerdings nicht die Zuverläſſigkeiten der trigonometriſchen Höhenbeſtimmungen, auch iſt man gegen⸗ wärtig noch nicht im Stande, den Grad ihrer Sicherheit ſcharf an⸗ zugeben; dennoch aber wird man eine Genauigkeit von 1 ½ 1 der Höhe erreichen können, wenn man alle Correctionen in Rech⸗ nung bringt, das Mittel aus oft wiederholten Meſſungen nimmt und ganz vorzüglich darauf Acht hat, daß die Entfernungen beider Punkte horizontal nicht über 5 Meilen und vertikal nicht über 1000 Meter ſteigen.

Die ausführlichſten und gründlichſten Unterſuchungen hat ohne Zweifel der rühm⸗ lichſt bekannte Geodäte Bauernfeind in ſeiner obenangeführten, 144 Seiten haltenden Abhandlung über die Genauigkeit barometriſcher Höhenmeſſungen und die Veränderungen der Temperatur und Feuchtigkeit der Atmoſphäre mitgetheilt, und mit dieſer Arbeit dieſe Frage zum Abſchluß gebracht.

Bauernfeind wählte ſich zu ſeinen Beobachtungen einen leicht zugänglichen höhern Berg, den großen Mieſing oder Wendelſtein im bayriſchen Hochgebirge, deſſen Höhe er vorerſt durch Nivellement, als der Methode, welche die größte Genauigkeit liefert, auf 3659,85 bayr. Fuß, oder 3288,60 par. Fuß beſtimmte. Geſtützt auf dieſe ſichere Baſis veranſtaltete er nun unter Benutzung der ausgezeichneten Inſtrumente von Greiner und unter Berückſichtigung aller Correction im ausgedehnteſten Sinne, wobei die hypſome⸗ triſchen und hygrometriſchen Einflüſſe, die Depreſſion des Queckſilbers, die Ausdehnung

*) Dr. W. Fuchs. Ueber den Einfluß des Terrains auf die Reſultate barometriſcher und trigono⸗ metriſcher Meſſungen. ¹) Prediger a. a. O. S. 39.

5*