Aufsatz 
Zur Geschichte des realistischen Schulwesens in dem vormaligen Herzogthum Nassau : vom Jahre 1817 bis 1861 incl. eine historische Skizze / Bellinger
Entstehung
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je 4 St.; lateinische Sprache: je 3 St.; Geschichte und Geographie: je 3 St; Gesang: je 2 St.-; lakultative Gegenstände: Physik(Praktikum): 0, O, 1; Chemie: 0, 0O. 1; Tech- nologie: 0, 2, 2; chemisch-technologische Uebungen: 0, 0, 4; Zoologie und Botanik: 0 0, 1; freies Zeichnen: 0, 3, 3; englische Sprache: 3, 2, 2.

Eine Dispensation von dem Unterrichte in dem Lateinischen konnte für alle die- jenigen eintreten, welche sich der Maturitätsprüfung nicht unterziehen wollten.

Es ergibt sich aus vorstehender Uebersicht der Unterrichtsgegenstände und der denselben zugemessenen Zeit, dass nicht allein durch das Vorwiegen der exakten Wissen- schaften in den obligatorischen Lehrgegenständen, sondern noch ganz insbesondere durch die Anfügung der fakultativen die Anstalt ein tecknisch-praktisches Gepräge erhielt.

Die nach Trennung der städtischen Realschule von dem Realgymnasium gebildete höhere Bürgerschule, mit der die 4klassige städtische Vorbereitungsschule in Verbindung trat, begann 1857 ihre Thätigkeit. Im ersten Jahre zählte sie nur 3 Klassen, zu denen im folgenden eine vierte kam. Ihr Lehrplan wurde auf einen sechsjährigen Kursus be- rechnet. Sie nahm den lateinischen Unterricht nicht in ihren Lehrplan auf, legte dagegen ein grösseres Gewicht auf die Erlernung der französischen, für die sie wöchent- lich 8(10), 6, 6, 5, 6, 5 und englischen Sprache, für die sie wöchentlich 0, 5, 41, 5, 4 Stunden ansetzte. Später wurde die Stundenzahl für das Französizche noch vermehrt: im Jahr 1868 betrug sie in den 6 Klassen: 8, 8, 6, 5, 6, 7. Die besondere Betonung der modernen Spracben findet ihre Erklärung in den eigenthümlichen Verhältnissen der Kurstadt Wiesbaden. Die Lehrgegenstände, welche die Anstalt auf ihren Plan von 1858 aufgenommen hatte, sind: Deutsch, Englisch, Französisch, Religion, Rechnen, Buch- haltung(facultativ), Algebra, Geometrie, Naturgeschichte, Physik, Chemie, Bautechnologie, Geschichte, Geographie, Zeichnen, Gesang. Im Allgemeinen ist die Zeit, die der Ausbildung durch Sprachunterricht gewidmet wird, in ein richtiges Verhältniss zu der den andern Lehrfächern zugemessnen gesetzt. Die Ziele, welche die Bürgerschule ver- folgt, sind in dem Programme der Anstalt vom Jahre 1858 ausführlich entwickelt.

Die Kosten der höheren Bürgerschule wurden von der Stadt bestritten, jedoch er- hielt dieselbe bis zum Jahre 1862 eine jährliche Unterstützung von 1500 fl. aus der Landeskasse. Die Frequenz der Anstalt ist von Jahr zu Jahr gestiegen; doch zeigte sich bei ihr dieselbe Erscheinung, welche sich an den meisten Anstalten zeigt, die für das praktische Leben vorbereiten, nämlich dass sie in den Oberklassen in der Regel eine sehr geringe Var. Dieses findet seine Erklärung in den Anforderungen der meisten bürgerlichen Berufsarten, denen zufolge die jungen Leute schon mit dem 14. und 15. Lebensjahre ihre praktische Berufsausbildung beginnen müssen. Die Anforderungen des Lebens sind stärker, als die Wünsche der Schule.

Der Lehrplan der höheren Bürgerschule zu Wiesbaden führt aus einem Grunde, der sich aus der folgenden Darstellung ergeben wird, auf die Reorganisation des Päda- gogs zu Dillenburg. Diese Anstalt nahm nicht bloss Antheil an den Veränderungen, welche seit der Mitte der 1830er Jahre in dem Lehrplane der übrigen Pädagogien in

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