Aufsatz 
Zur Geschichte des realistischen Schulwesens in dem vormaligen Herzogthum Nassau : vom Jahre 1817 bis 1861 incl. eine historische Skizze / Bellinger
Entstehung
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realistischer Richtung vorgenommen wurden, sondern erfuhr später noch so mannigfache weitere Reformen, dass seiner Geschichte eine besondere Aufmerksamkeit zugelenkt werden muss. Die Zahl derjenigen Schüler, welche Dispensation vom Unterrichte im Griechischen nachsuchten, war in manchen Jahren verhältnissmässig viel grösser, als an den anderen Pädagogien. In Folge dieser Erscheinung und in weiterer Folge der sehr geringen Frequenz der Anstalt bildete sich die Ansicht aus, dass durch eine realistische Reorganisation des Pädagogs den Bildungsbedürfnissen Dillenburgs und seiner mehr der Industrie zugewandten Umgegend mehr entsprochen und damit der Schule wieder eine grössere Frequenz gesichert würde. Durch die Seitens des Gemeindevorstandes von Dillenburg erfolgten Kundgebungen fand sich die Regierung im Jahre 1846, wo der neu revidirte Lehrplan für die Gelehrtenschulen auch in Dillenburg zur Ausführung ge- bracht werden sollte, veranlasst, eine Reform des Pädagogs in pealistischer Richtung ins Auge zu fassen und dahinzielende Anordnungen zu treffen. Schon mit dem Beginn des Schuljahres 1846 war angeordnet, dass die Schüler, welche von dem Unterrichte im Griechischen dispensirt waren, nicht mehr, wie das früher der Fall gewesen war, dem Unterrichte in Realien in anderen Klassen zugewiesen, sondern getrennt in besonderen Stunden in Mathematik, Physik, Handelsgeographie, im Französischen unterrichtet werdeu sollten. Im Herbste des Jahres 1846 erfolgte alsdann eine Regiminalverfügung, durch welche bestimmt wurde, dass das Pädagog zwar auch fernerhin als Gelehrtenschule fort- bestehen und der Lehrplan desselben dem Lehrplan der 4 unteren Klassen der Gymna- sien konform gehalten werden sollte; dass aber mit demselben Realklassen zu verbinden seien, in welchen die Schüler von einem gewissen Lebensalter an von dem Unterrichte in den alten Sprachen entbunden und dafür in besonderen Stunden iu den neueren Sprachen, in Mathematik und Naturwissenschaften einen verstärkten Unterricht erhalten sollten. Vorerst sollten die 3 Unterklassen gemeinschaftlich bleiben, neben der obersten aber eine realistische Parallelklasse errichtet werden. Weitere Reformen, sowie auch die Bildung von mindestens zwei weiteren Jahreskursen wurden in Aussicht gestellt. Mit dem Jahre 1847 trat die realistische Parallelklasse der ersten Klasse ins Leben; eine weitere realistische Oberklasse kam nicht zu Stande. Die Schüler der realistischen Parallelklasse erhielten besonderen Unterricht im Englischen, Französischen, Physik und Zeichnen; den Unterricht in den übrigen Lehrfächern hatten sie mit der humanistischen Klasse gemeinschaftlich. Dispensirt waren dieselben vom Unterrichte im Griechischen und einem Theile des Lateinischen. Diese Dispensation betreffs des Lateinischen führte wieder zu neuen Schwierigkeiten, da sich bald zeigte, dass die von dem einen Theile des lateinischen Unterrichts Dispensirten auch in dem andern nicht mehr mit ihren Mitschülern fortkamen. Diese Erfahrung führte zu weiteren Aenderungen. Hierzu kam ein immerwährender Wechsel in dem Zahlenverhältniss der Realschüler und den As- piranten der Gymnasien; mitunter waren in der ersten Klasse nur die ersteren, wie in 1849, oder nur die letzteren, wie in 1851, vertreten. Die durch solche Umstände her-

vorgerufenen Fluktuationen innerhalb des Lehrplans führten nothwendig zu den grössten 3