Aufsatz 
Zur Geschichte des realistischen Schulwesens in dem vormaligen Herzogthum Nassau : vom Jahre 1817 bis 1861 incl. eine historische Skizze / Bellinger
Entstehung
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ösen Ausbildung und der Erziehurg mehr, als in den Realschulen gewinnen und in den wichtigsten Lehrgegenständen das profitiren könnten, was sie für das praktische Leben nöthig hatten. So zeigte es sich denn, dass die aus der Organisation von 1817 hervor gegangenen Realschulen für diejenigen Klassen der praktischen Berufsarten, welche ein höhere Ausbildung zum Betrieb ihrer Gewerbe verlangen mussten, als sie die Elemen tarschulen nach ihrer Bestimmung zu geben im Stande sind, unzureichend; für die jenigen dagegen, welche eine einfache Vorbereitung für das gewöhnliche Handwerk un die kleinen Gewerbe in den Städten und auf dem Lande nöthig hatten, neben den Ober klassen guter Elementarschulen entbehrlich waren. Die Folge davon war, dass di durch das Edikt verfügten realistischen Anstalten entweder gar nicht in das Lebe traten, oder bald nach ihrer Errichtung wieder eingingen, oder nur durch Abweichungen von den ursprünglichen Bestimmungen noch einige Zeit erhalten werden konnten. Let⸗ teres fand namentlich Statt bei den im Jahre 1819 noch bestehenden drei Realschule) zu Weilburg, Usingen und Diez. Die Realschule zu Weilburg, an deren Spitze ein seh tüchtiger, akademisch gebildeter und praktisch geübter Schulmann stand, zählte in Jahre 1819 eilf Schüler. Alle Pflege und alle Mittel, welche zur Hebung dieser Anstal angewandt wurden, wie Zz. B., dass die Aufnahme mit dem 12ten und die Entlassung mi dem 14ten Lebensjahre erfolgen, dass einige Aenderungen im Lehrplan eingeführt werden sollten u. a. konnten dieselbe nicht erhalten. Die Anstalt dauerte nur wenige Jahre Auf dem Lehrplan der Realschule in Usingen vom Jahre 1818 finden sich weder Tech nologie noch Buchhaltung mehr, später traten noch weitere Modifikationen ein, so das die Anstalt bereits im Anfange der 1830er Jahre in vollständiger Umgestaltung begriffen war. Aehnlich erging es der Realschule zu Diez, neben welcher sich alsbald ein Privat lehrinstitut für solche bildete, welche sich später an höheren Lehranstalten weiter aus bilden wollten. Aber nicht bloss in Diez, sondern in vielen andern durch das Edik von 1817 zu Realschulorten bestimmten Städten, namentlich auch in denen, in welchey früher Lateinschulen bestanden hatten, bildeten sich kurze Zeit nach der Organisatio der öffentlichen Unterrichtsanstalten Privatlehrinstitute, die sich in ihrem Lehrplan an de der Pädagogien anschlossen. Diese Privatschulen mussten auf die Bildungsbedürfniss der gebildeten Klassen der Bevölkerung, namentlich auch auf die höheren praktische Berufskreise des Bürgerstandes Rücksicht nehmen, da ihre Existenz von dieser Rücksichtse nahme bedingt war. Sie thaten es und fanden darum auch den grössten Beifall der jenigen Bewohner der Städte, welche ihren Söhnen eine höhere Ausbildung geben lasse wollten, sei es, damit dieselben später eine höhere öffentliche Anstalt besuchen, oder sic dem praktischen Geschäftsleben widmen sollten. Die meisten derselben blühten rasc auf und erfreuten sich einer starken Frequenz, ein Beweis, dass sie den an sie gestellte Anforderungen entsprachen. An der Spitze derselben standen in der Regel philologisc oder theologisch gebildete Lehrer, die in ihrer Arbeit von Ortsgeistlichen und tüchtige Elementarlehrern unterstützt wurden. Die Kosten für den Unterricht und sonstige Be dürfnisse wurden natürlich aus dem Schulgelde bestritten, welches die Eltern bezahlten