Aufsatz 
Über die deutsche Sprache, mit besonderer Rücksicht auf das Verhältnis ihres Rhythmusprinzipes zu dem antiken
Entstehung
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Mir faͤllt dabei eine Stelle aus derverhaͤngnißvollen Gabel, vom Grafen A. von Platen ein; ſie iſt ſchoͤn und beziehungsreich und mag deßhalb hier eine Stelle finden:

A. Zwar Gottſched ſtarb, man bewahrt nur noch in Germanien ſeine Peruͤcke; Doch geht ſie da von Kopfe zu Kopf, ihr duͤrfen wir bringen ein Vivat! B. Wer traͤgt ſie denn jetzt?. A. Das haͤlt man geheim; doch wie es dem Midas ergangen, So ergeht es auch hier, und ich fuͤrchte beinah, daß irgend ein Badergeſelle In ein Binſengebuͤſch an der Elſter und Spree ſanft lispele: Dieſem und Jenem

Umtrottelt das Haupt, bis faſt ans Knie die Alongenperuͤcke von Gottſched.

Jedoch war es nicht allein die Ueberſchaͤtzung der antiken, beſonders der lateiniſchen Sprache, welche die Anerkennung des wahren Werthes der deutſchen verhinderte; auch die Ueberſchaͤtzung des Franzoͤſiſchen hat viel dazu beigetragen. Dieſe Ueberſchaͤtzung ging meiſt von den hoͤhern Kreiſen der Geſellſchaft aus; und welch nachtheiligen Einfluß ſelbſt ein deutſcher Monarch durch die uͤbertriebene Vorliebe zur franzoͤſiſchen Sprache auf das Betreiben des Deutſchen geuͤbt habe, bedarf kaum einer Erwaͤhnung. Auch war es gewiß kein geringer Mißgriff der europaͤiſchen Hoͤfe, daß ſie ſich bei ihren Verhandlungen die Sprache einer maͤch⸗ tigen und ehrgeizigen Nation aufdringen ließen, die dadurch die natuͤrliche Aus⸗ legerinn aller in ihrer Sprache verfaßten diplomatiſchen Schriften wurde; einer Nation, die mit dem hohnlachenden vae victis das Schwert in die Wagſchale legt, um zur Erreichung ihres Vortheiles zu gelangen. Was in unſern Tagen die franzoͤſiſche und mit ihr die engliſche Sprache in beſonderes Anſehen bringt, iſt die Richtung des Zeitgeiſtes auf die materiellen Intereſſen. Dieſe ſind das Centrum geworden, um welches die meiſten Beſtrebungen der Zeit gravitiren; ſie ſind der Goͤtze, dem man Altaͤre baut und Opfer bringt. Daher wird außer den eracten Wiſſenſchaften, die am merklichſten zum Flor der Fabriken und des Handels beitragen koͤnnen, beſonders die Kenntniß jener Sprachen verlangt. Franzoͤſiſch und Engliſch brockt man den Knaben ſchon in die Muttermilch ein und verdirbt ihnen damit allen heimathlichen Sinn, alle tiefere Freude am Leben. Den einen armſeligen Gedanken, den ein Kind hat, ſoll es in 2 oder 3 Sprachen ausdruͤcken koͤnnen*). Ja, es iſt, ſogar Anno 1838 in einer ſogenannten zeit⸗ gemaͤßen Reform des Unterrichts und Schulweſens, der ſonderbare Vorſchlag gemacht worden, anſtatt Deutſch, Lateiniſch, Griechiſch, Sprachen,an deren Mark ſich die Jugend kraͤftig ſaugen kann, mit unſern Knaben bis in ihr 13tes

*) Ne cherchons point à faire de nos enfans de petits perroquets, Journal des Débats, 9, Mai 1834.. 3*