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tiritaͤt geſchwunden und an ihre Stelle die groͤßte Willkuͤr des Dichters getreten iſt. Denn waͤhrend im Deutſchen die Wichtigkeit des Gedankens an ſich, alſo des objectiven Gedankens durch den Accent hervorgehoben werden muß, wodurch der ſubjectiven Willkuͤr eine Schranke geſetzt iſt, iſt im Engliſchen der Accent durchaus Eigenthum des Subjectes. So köͤnnen, um nur ein Beiſpiel anzufuͤh⸗ ren im Engliſchen zweiſylbige Woͤrter, in welchen doch eine Sylbe betont und ſonach als Laͤnge betrachtet werden muͤßte, als aus zwei Kuͤrzen beſtehend be⸗ trachtet werden, wie in dem Verſe from the low pleasures of this fällén nature.
Sogar einſylbige Subſtantive werden unbetont gelasſen, alſo als proſodiſche Kuͤrzen gebraucht. Das Accentuationsprinzip der engliſchen Sprache iſt ſohin das ſubjectivſte, ſowie das antik⸗poetiſche das objectivſte von allen bekannten Beto⸗ nungsſyſtemen iſt. Da nun aber gerade auf der Objectivität des Betonungsge⸗ ſetzes die formelle Schoͤnheit der Verſe beruht, ſo mußte die engliſche Sprache, je mehr ſich in ihr der rhythmiſche Subjectivismus zum Extrem ausbildete, an aͤußerer, ſinnlicher Schoͤnheit verlieren. In wiefern dieſelbe aber durch jene Frei⸗ heit der Accentuation in anderer Beziehung Vortheil gezogen habe, kann hier nicht eroͤrtert werden; es verdient aber jedenfalls das, was W. von Humboldt in ſeiner Einleitung uͤber die Verſchiedenheit des menſchlichen Sprachbaues und ihren Einfluß auf die geiſtige Entwickelung des Menſchengeſchlechtes. Berlin 1836. uͤber die Bevorzugung der oͤffentlichen Beredſamkeit in England angegeben hat, die groͤßte Beachtung. Jener aus dem Rhythmusgeſetze hervorgehende Mangel an formeller Schoͤnheit der Sprache veranlaßt nun auch die engliſchen Dichter ſich des Reimes zu bedienen. Sie entbehren ihn nicht gern, und nur in dem he⸗ roiſchen Versmaße wird er regelmaͤßig vernachlaͤßigt; denn zu„großen epiſchen Gemaͤlden laͤßt ſich das Wiegenlied des Reimes nicht gut ſingen.“*)
Außer den bereits angegebenen, herrlichen Eigeuſchaften unſerer Mutter⸗ ſprache mag nur noch Einiges uͤber andere Vorzuͤge hier bemerkt ſein. Sie zeich⸗ net ſich beſonders aus durch Reichthum und Fruchtbarkeit, durch Geſchmeidigkeit, Bedeutſamkeit, Kraft und innige Herzlichkeit, durch den in ihr liegenden tiefen
*) Auch ſogar dei dem Reime zeigen ſich im Engliſchen die groͤßten Freiheiten, und der Gram⸗ matiker Walker theilt daher die Reime in vollkommene und zulaäsſige ein. Voll⸗ kommene bilden nach ihm die Woͤrter, deren Endſylben ſowol in Hinſicht der Vocale oder Diphthonge, als auch der darauf folgenden Conſonanten mit voͤllgg gleichen Lauten ausgeſpro⸗ chen werden; zulaͤsſige hingegen, deren Endſylben nur durch kleine Abweichungen von dem eigentlichen Laute des in der einen oder anderen von ihnen befindlichen Voeales oder Diphthon⸗ ges einander in der Ausſprache aͤhnlich gemacht werden muͤsſen. 1


